Edgar Dürholt
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Es beginnt schon mit der Einstellung

Auf Empfehlung von Dr. Großmann, dem Geschäftführer der Industrie- und Handelskammer in Tokyo, gab ich eine Stellenanzeige in die Handelskammerzeitschrift für Japan auf.

Dr. Großmann hatte ich während eines Tauchurlaubes auf Truk, Micronesien, kennen gelernt.

Die Zeitschrift war noch nicht ganz verteilt bzw. noch druckwarm, da rief auch schon ein Angestellter eines deutschen Kosmetikunternehmens bei uns zu Hause an und bat um Rückruf bei dem Chairman des Unternehmens. Meine erste Reaktion war: „Was soll ich als Maschinenbauer bei einem Kosmetikunternehmen?“ Doch meine Frau meinte, ich könne mir ja mal anhören, was sie zu sagen haben. 

Folglich meldete ich mich bei ihm und nach zwei Gesprächen waren wir uns auch schon über die Aufgabe und das Zahlenwerk einig. Ich sollte als „Assistant to the Chairman“ die Leitung der Planung und des Baus einer großen neuen Produktionsstätte übernehmen und gleichzeitig die Firma kennen lernen. Nach Abschluss der Bauarbeiten sollte ich die Geschäftsführung der neu gegründeten Tochterfirma in Singapore übernehmen. Das klang ja alles sehr interessant.

Der Entwurf des Anstellungsvertrages bestand aus einem zusammengestrichenen und ausgeschnittenen Fetzen Papier, die Kopie eines anderen Vertrages. Das empfand ich ja damals fast als cool, wie man heute sagen würde.

Als der mündlich zugesagte Vertrag dann nach mehreren Wochen nicht kam, habe ich nachgefragt und als Antwort erhalten, dass er mich leider nicht einstellen könne, denn das vereinbarte Gehalt sei zu hoch.

Natürlich hatte ich dem Chairman gesagt, dass ich auf Grund der mündlichen Vereinbarung bei meinem früheren Arbeitgeber kündigen würde bzw. müsste, um die Kündigungsfrist einzuhalten und, wie vereinbart, zum 1.3. den Job antreten zu können. Dies wurde mir ausdrücklich bestätigt.

Mit dieser Antwort war ich also erst einmal arbeitslos und mit der Familie in Japan!

In meiner Verzweiflung habe ich Dr. Grossmann um Rat gefragt.

Ich sehe ihn noch vor mir, er war schlicht entsetzt über das was ich ihm da erzählte. Er konnte es nicht fassen, dass dieser in Japan als erfolgreich geltende Manager, sich im täglichen Geschäftsleben so aufführen sollte. Er riet mir den Herrn an seine Verantwortung für meine Einstellung zu erinnern und ihn praktisch zum Vollzug der Anstellung ohne Abstriche zu zwingen. Dies habe ich dann auch erfolgreich getan, doch unterschrieben hat den Vertrag ein japanscher Vize Präsident!

Dieser Mann erzählte mir in einem ersten Gespräch, dass der Chairman leider bei wichtigen Vorstandsentscheidungen auf Reisen gehe und die japanischen Vorstände allein entscheiden müssten!

Viel später stellte sich dann heraus, dass er überhaupt nicht zu einer Einstellung eines „Assistant to the Chairman“, der ich werden sollte, befugt und autorisiert war. Aber es sollte noch besser kommen.

Wie man Geschäftspartner erfolgreich vergrault

Mein neuer Chef war als Delegierter des Mutterhauses nach Japan gekommen, um dort ein Joint Ventures aufzubauen. Er fand in dem bisherigen Agenten des Mutterhauses den Partner für ein JV und in einem Buchhalter plus dessen Bekannten den Partner für ein weiteres JV.

Mit beiden Partnern wurden je ein JV für Produktion und Vertrieb gegründet.

Was er beiden aber nicht erzählte war, dass er noch eine weitere Firma gründen würde, die alle Importe für diese JVs wahrnehmen und durch kräftige Aufschläge den Rahm abschöpfen würde. An dieser Firma war kein Japaner Teilhaber!

Die Buchhaltergruppe ließ sich dies gefallen, doch der andere Partner war finanzkräftiger und wollte dies nicht durchgehen lassen.

Außerdem muss diesem Partner bekannt geworden sein, dass über einen längeren Zeitraum nicht unerhebliche Summen Provision für Rohstofflieferungen an die Produktionsgesellschaften auf ein privates Konto gezahlt wurden. 

Aber irgendwie mussten ja die 2.000 japanischen Geishas entlohnt werden, wie er einmal einem Magazin gegenüber berichtete.

Als der unbequeme JV Partner den Vorstand des Stammhauses zu einer Aussprache über die Angelegenheiten in Japan aufsuchte, hing das Schicksal des Herrn an einem seidenen Faden. Dies war übrigens genau der Zeitpunkt, an dem er mich eingestellt hatte.

Doch wie entscheiden deutsche Vorstände?

Der „ Mutigste unter ihnen“ soll gerufen haben, „schmissene russ“ (er war Rheinländer).

Diese Frage ist leider sehr einfach zu beantworten.

Japaner waren und sind immer noch ziemlich exotische Gestalten für viele Deutsche, auch für deutsche Vorstände im Jahr 1975.

Somit ist die Frage des Vertrauens schnell und einfach zugunsten des Überführten ausgefallen, der, wie hier eingeflochten werden muss, die Unterschrift des Personalvorstandes bereits in einem anderen Anstellungsvertrag gefälscht haben soll. Auch da wurde bereits: „schmissene russ“ gerufen!

Passiert ist nichts!

Die japanischen Partner zogen enttäuscht ab.

Die Partner stellen Auflösungsantrag

Ich fing am 1.3. 1976 bei meinem neuen Arbeitgeber an und am 15.3. waren die Jahreshauptversammlungen der Aktionäre der JVs. Da ich als Assistant to the Chairman eingestellt war, hatte ich darum gebeten, an den Versammlungen teilnehmen zu können.

Das Mutterhaus hatte 1976 insgesamt 5 Unternehmen in Japan, die Abkassierfirma und je zwei Produktions- und Vertriebsgesellschaften mit verschiedenen Partnern.

Zu den Hauptversammlungen hatte das Mutterhaus den „schmissene russ“ Vorstand entsandt.

Ich werde nie vergessen, als die deutschen Repräsentanten von der Hauptversammlung mit dem enttäuschten japanischen Partner zurückkamen.

Sie schlichen kreidebleich über den Flur!

Der Partner hatte die Auflösung der gemeinsamen Vertriebsgesellschaft gefordert.

Dies war die Retourkutsche für die Abweisung in Deutschland, als sie den Kopf des Herrn gefordert hatten.

In einer Stunde musste hier in diesem Gebäude nun die Hauptversammlung für das Produktions-JV stattfinden.

Wie nicht anders zu erwarten, stellte der Partner sofort nach Eröffnung der Aktionärsversammlung wieder den Antrag auf Auflösung der Gesellschaft.

Da saß ich nun, hatte keinerlei Erfahrung in diesen Dingen und wähnte mich arbeitslos, denn meine Firma sollte liquidiert werden.

Was folgte waren monatelange Verhandlungen der Anwälte, für die es sich sicher richtig gelohnt hat.

Die weißen Mäuse werden größer

Beide Seiten versuchten die guten Mitarbeiter zu sich herüberzuziehen, denn der ehemalige Partner hat keinesfalls aufgegeben weiter seine Kunden mit Produkten zu beliefern. Er hatte die Vertretung eines anderen erfolgreichen deutschen Unternehmens übernommen und wurde immer erfolgreicher.

Von nun an wurden die weißen Mäuse immer größer!

Der Herr war überzeugt davon, dass der ehemalige Partner ihm nun wieder ans Fell will.

Eines Morgens berichtete er von dem angesägten Schalthebel in seinem Mercedes! Alle Zuhörer reißen Mund und Nasenflügel weit auf, so atemberaubend ist diese Geschichte. Aber es soll noch besser kommen, denn eine Woche später hatte man ihm Syphilis Erreger an seine Wohnungstürklinke geschmiert, um so die Produktionseinstellung behördlich erzwingen zu können! Nun blieben uns unsere Münder offen stehen!

Die tägliche Post

Da er keine Lust hatte bzw. es unter seiner Würde hielt die eingehende Post selbst zu lesen, wurde ich damit beauftragt. Diese Tatsache wiederum verschaffte mir die Gelegenheit sehr schnell Zusammenhänge im Unternehmen zu verstehen. Allerdings hatte ich auch einige Aktenordner komplett durchgelesen.

Eines Tages erreichte uns ein Brief aus unserer neu gegründeten Firma in Singapore. Darin fragte der neue Marketing Chef, wer ich denn sei, da ich ihm geschrieben hatte. Der Mann, der mir die Übernahme der Geschäftsführung in Singapore angeboten hatte, antwortete ihm, dass ich lediglich eine „staff function“ habe.

Der Bau der neuen Produktionsstätte

Die Auseinandersetzung mit dem alten Partner zog sich in die Länge, sodass auch die Produktionsgesellschaft immer stärker betroffen wurde. Man hatte zwar noch als JV begonnen eine neue Produktionsanlage zu planen, doch davon wollten die ehemaligen Partner nichts mehr wissen.

Vor dem Krach mit dem Partner war eine Bauzeit für den Neubau von 13 Monaten geplant worden und die Angebote auch entsprechend kalkuliert abgegeben worden. Bedingt durch die neue Situation, wurde nun von uns verlangt die Bauzeit auf 7 Monate zu verkürzen und entsprechend zu verhandeln.

Noch heute ist mir diese Phase der Planung als richtiger Genuss in Erinnerung. Dies mag zwar ein wenig pervers klingen, aber es war so. Wir hatten zwar ein großes Ingenieurbüro für die Gesamtplanung engagiert, doch wollten wir die einzelnen Gewerke ausschreiben, um so einen besseren Preis zu erzielen. Wir besprachen mit dem Ing.-Büro unsere detaillierten Vorstellungen in endlosen Gesprächen und erhielten letztendlich eine gute Ausschreibungsunterlage, die wir in den einzelnen Gewerken den entsprechenden Anbietern vorstellten.

Für den Rohbau hatte ich mir ein besonderes Schmankerl ausgedacht. Wir würden 5 Firmen zu einer gemeinsamen Präsentation bitten und diese dann um ein Angebot bitten. Dies ist in Japan üblich, weiß man doch, dass sich die Parteien nach der Präsentation in einer Bar darüber absprechen werden wer den Auftrag erhalten soll!

Für einen Tag später hatte ich eine weitere Firma zur Präsentation derselben Ausschreibung gebeten, eine der größten Baufirmen Japans. Das Ergebnis war wie erwartet und doch verblüffend, denn die letztere Firma war um 20 % billiger!!

Nun war der Teufel los, denn unser Finanzvorstand wollte das Ergebnis nicht akzeptieren! Warum wohl?

Als Ergebnis dieses Erlebnisses, bat ich meinen Chef, nicht mehr dem gesamten Vorstand den Stand meiner Verhandlungen mitteilen zu müssen, denn diese informierten offensichtlich sofort ihren bevorzugten Unternehmer! Warum wohl?

Die Krönung des Ganzen war, dass mich der Verhandlungspartner der Rohbaufirma nach Abschluss der Verhandlungen einlud (ein Japaner) und mir erklärte, dass man festgestellt habe, dass etwa DM 250.000,- unnötig in die Kalkulation eingegangen seien, da man mir ja keinen Gefallen erweisen müsse! Ich war sprichwörtlich platt!! Wir besprachen, dass ich ihn am nächsten morgen anrufen würde, um eine Nachforderung zum Angebot zu stellen, die er dann in vorgenannter Höhe akzeptieren werde.

Als ich nach Abschluss der Preisverhandlungen und der Klärung der technischen Fragen, dem Vorstand des JV in Tokyo meine Vorschläge zur Auswahl der Unternehmen für die einzelnen Gewerke vorstellte, stimmten alle Vorstände, bis auf einen, meinen Vorschlägen zu!

Das war mein Chef, dessen Assistent ich war!

Als sich meine Verblüffung ein wenig gelegt hatte, habe ich ihn natürlich dazu befragt. Seine Antwort war: „Wenn Sie den Bau erfolgreich abschließen, wovon ich ausgehe, dann werden die Lorbeeren sowieso auf mich fallen. Falls es jedoch schief geht, so kann man im Protokoll der Vorstandssitzung nachlesen, dass ich schon damals dagegen gestimmt habe!

Was für ein Chef!

Der erfolgreiche und fristgerechte Bau der neuen Produktion in Japan hat mir einen guten Ruf auch im Mutterhaus verschafft, denn vorher war noch nie ein Neubau in der geplanten Zeit und noch weniger in dem geplanten finanziellen Rahmen ausgeführt worden.

Brasilien baute auch zu dieser Zeit und überschritt die Kosten um 100 % und die Bauzeit um 6 Monate.

Wir verkürzten die Bauzeit von 13 auf 7 Monate und hielten die Kosten ein, d.h. wir schlossen DM 100.000,- unter Budget ab.

Wie war das möglich?

Ziemlich einfach, denn schon bei der ersten wöchentlichen Baubesprechung wurden mir Verbesserungsvorschläge gemacht, die natürlich mir Extrakosten verbunden waren!!

Meine Lösung dazu war und ist sehr einfach!

Selbstverständlich sind neue Vorschläge oft von Vorteil, doch kann man ja im gleichen Atemzug auch um Einsparungen bitten, denn sicherlich sind auch irgendwo Kosten für Ausführungen eingebaut, die überzogen sind! Hier liegt das Potenzial!

Der Neue und sein Pferd, Präsident der Produktion 76-77

Der Neue, ein Brite, besaß ein kleines Schloss, ein Pferd und eine ewige Verlobte in Frankreich.

Er war Ende 1975 vom Mutterhaus eingestellt worden, um meinen Chef abzulösen bzw. rauszudrücken. Doch war er in keinster Weise diesem Herrn gewachsen.

Es fing damit an, dass er die Personalabteilung im Mutterhaus überreden konnte, ihm sein Pferd per Luftfracht nach Japan auf Firmenkosten einzufliegen.

Dass dies bei den japanschen Partnern, die die Kosten ja mittragen mussten, nicht mit Freude aufgenommen wurde, kann man sich vorstellen. Diese Tatsache ließ sich nun wiederum köstlich gegen ihn ausschlachten, doch der merkte überhaupt nichts.

Er trug nur uralte, schon an einzelnen Stellen glänzende Anzüge, allerdings waren diese wohl mal ursprünglich bester Qualität gewesen.

Sein Aktenkoffer hatte keine Scharniere mehr und deshalb musste dieser flach getragen werden, d.h. der Aktenkoffer lag auf seinen Händen und Unterarmen, wenn er am Morgen und Abend durch den Flur schritt!  Oft stand auf dieser Tasche noch ein silbernes Tablett mit Früchten.

Er war der wahre Weltmeister im Protokolle schreiben! Protokolle von Vorstandsitzungen zu schreiben war eigentlich meine Arbeit, doch es war ein Leichtes dies an ihn zu delegieren!

So wie er gekommen war, fast lautlos mit Pferd, so verschwand er auch wieder.

GF in Singapore 1977-1979

Der Geschäftsführer des 1975 neu gegründeten Unternehmens schickte uns monatlich die vorläufige Gewinn- und Verlustrechnung des Unternehmens zu.

Er hatte, da er im Herbst 1977 ausscheiden würde, per Ende August eine Zwischenbilanz von lokalen Wirtschaftsprüfern erstellen lassen. Darin schloss das Unternehmen mit einem ansehnlichen Gewinn ab.

Doch in den Folgemonaten wurden die ausgewiesenen Gewinne der monatlichen Berichte immer weniger bzw. es waren ab September plötzlich Verluste!? Auf meine Frage diesbezüglich erklärte er, dass die Gewinne „versteckt“ seien! 

Im Herbst 1977 zogen wir nun von Tokyo nach Singapore um. Als ich bei der ersten Monatsberichtsvorstellung meinen Buchhalter bat, doch die versteckten Gewinne auszuweisen, fragte dieser nur, welche ich meinte?

Bis Oktober waren bereits DM 2.000.000,-  Verlust bei diesem kleinen Unternehmen angefallen! Was war geschehen? Die Antwort des Buchhalters war recht einfach.

Mein Vorgänger hatte angeordnet, dass alle vorliegenden Aufträge, auch wenn diese erst im Dezember oder im neuen Jahr zur Lieferung fällig waren, produziert wurden, die Ware auf Lager genommen wurde und 20 % über Verkaufspreis bewertet wurde!!!

Ich rief die Wirtschaftsprüfer an und bat um Erläuterung dieser doch ziemlich ungewöhnlichen Praktik. Ich erhielt eine verblüffend einfache und kurze Antwort: „We do what you want Sir!!“

 „ Wir tun was sie wünschen, mein Herr!“

Ab sofort hatten wir Price Waterhouse als Wirtschaftsprüfer!

 

Irgendwann Ende 1978 erfahre ich von unserem Agenten in Singapore, dass eine Firma in Hongkong eine Reise nach China plant, bei der 8 Teilnehmer eingeladen sind und sie 2 dieser Plätze haben.

2 Jahre sind seit Mao Zse Tungs Tod vergangen und China kleidet sich blau, grün und grau. Mir geht schlagartig auf, was sich da für eine Gelegenheit für unser Unternehmen bietet, da auch Schulungen durchgeführt werden dürfen und mit Sicherheit Funktionäre des Handwerks anzutreffen sein werden. Also überrede ich unseren Partner uns die beiden Plätze abzutreten. Wir besuchen die planende Firma in Hongkong und für ca. $ 10.000,- sind wir auf dieser Tournee dabei. Wir hatten wenige Wochen Zeit unseren Teil zu organisieren und unser Programm aufzustellen. Unsere beiden Delegierten nahmen sämtliche Produkte und Geräte mit auf die Reise und ein von uns zusammen geschnittenes Video, das uns als Firma vorstellte und unsere Produkte zeigte. Die Reise wurde ein riesiger  Erfolg, unsere Akteure wurden begeistert aufgenommen und fast gefeiert, und unser ½ stündiges Video lief über die gesamte Zeit im landesweiten Fernsehen. Diese Kontakte trugen mit zu dem ersten  JV in China bei, das wir 2 Jahre später abschlossen!

Malaysia 1977

In Malaysia gab es einen Agenten. Ein alter chinesischer Familienbetrieb, der seit Anfang der fünfziger Jahre Agent für Malaysia, Hongkong und Singapore war.

Der alte Herr hatte drei Kinder, 2 Söhne und eine Tochter. Der älteste Sohn verspielte 2 Millionen Dollar, die der Alte bezahlte und danach verstieß er den Sohn. Dieser lebte nun in Hongkong, wurde Rechtsanwalt und hat das Elternhaus hinter sich gelassen.

Zu Beginn meiner Arbeit als GF in Singapore besuchte ich die Firma auf Penang, einer Insel westlich des Festlandes.

Der alte Herr (ca. 70 Jahre) erzählte mir vom Geld verdienen, das einzige Thema neben Diamanten, das ihn wohl überhaupt interessierte. Sein Englisch darf ich als dürftig beschreiben, doch Diamonds und Money konnte er gut aussprechen. Er beschwerte sich bei mir über die schlechte Neuzeit, denn nun müsse man seine Diamanten und Colliers in der Bank im Tresor aufbewahren, statt sie tragen zu können.

Lange hat er nach meinem Besuch nicht mehr gelebt, doch dies hatte nichts mit meinem Besuch zu tun, obwohl ich ihm natürlich ordentlich Druck machte, um unser Geschäft in Malaysia voranzubringen.

Zur Beerdigung wurde ich als Vertreter der Firma eingeladen. Diese Beerdigung war meine erste chinesische Beerdigung und so kamen einige Neuigkeiten auf mich zu.

Nach einigen Zeremonien, an denen auch eine Menge geschlachteter Schweine ihren Teil hatten, setzte sich dann der Leichenzug in Bewegung. Wir bekamen einen alten Leinensack, so wie wir Kartoffelsäcke kennen, über den Kopf gehängt und marschierten in der Hitze Malaysias bestimmt 3 Kilometer hinter dem Leichenwagen und geschlachteten Schweinen in Richtung  Krematorium. Dort angekommen aßen wir alle eine Suppe und tranken Fanta oder Cola dazu. Es wurden weitere Zeremonien abgehalten und dann der Sarg vor aller Augen in den Ofen geschoben. Es war ziemlich makaber, dies so deutlich zu sehen.

Von nun an führte der jüngere Sohn die Geschäfte des Unternehmens. Eine ziemlich unfähige Figur, die mich noch erschrecken sollte.

In einem Gespräch in Penang stimmte ich dem Wunsch der Mutter und des Sohnes zu, die Schwester bei uns in Singapore im Studio ausbilden zu lassen, damit sie dann später ein eigenes Studio in Penang leiten könne.

Ich hatte als Bedingung gestellt, dass sie in Singapore sich als normale Angestellte behandeln lassen müsse und nicht Vorzüge als Tochter eines Agenten erwarten dürfe.

Mrs. X kam nach Singapore und ich begrüßte sie kurz in meinem Büro.  Als ich sie wieder verabschieden wollte, saß sie plötzlich auf meinem Schoß. Ich hatte zwar schon einiges in Asien erlebt, aber dies war mal wieder etwas Neues. Ich war wohl ein wenig erschrocken und fürchtete auch dass meine Sekretärin ins Zimmer kommen könne. Also schob ich sie höflich aber bestimmt vom Schoß und bat sie sich wieder auf ihren Stuhl zu setzten, denn ich fürchtete um meinen Ruf als frisch gebackener GF.

Aber sie verabschiedete sich und ging ins Studio.

Tage später ging ich ins Studio, um mit der Studioleiterin zu reden.

Es ergab sich, dass wir zu dieser Zeit eine Gruppenreise unserer Agenten bzw. deren Kunden zu der kommenden Weltmeisterschaft der Frieseure organisierten. Alle Agenten hatten vor Monaten Zusagen über die Anzahl ihre Teilnehmer gegeben, die sie nun kurz vor der Abreise drastisch reduzierten. Dies bedeutete, dass wir auf 100 Hotelzimmern saßen und diese Kosten auf uns zukamen. Der Bruder der vorerwähnten jungen Frau hatte von 40 Zimmern alle bis auf 2 abbestellt und schlug vor, sein Zimmer mit unserem Area Studioleiter zu teilen.

Da ich die Nase von diesem Engagement voll hatte, habe ich dies der Studioleiterin erzählt und darauf geachtet, dass dies Mrs. X auch mitbekommt. Die Reaktion sollte nicht lange auf sich warten lassen, denn kurz nachdem ich zurück in meinem Zimmer war, klingelte das Telefon und ihr Bruder war am Apparat. Er erklärte mir sofort, dass dieses Gespräch von einem Tonbandgerät aufgezeichnet werde. Mrs. X hatte nicht lange gebraucht, um ihren Bruder aufzuwiegeln. Dieser bezichtigte mich nun der Aussage, dass ich ihn als homosexuell bezeichnet habe. Er werde dies schnellstmöglich den Inhabern des Mutterunternehmens mitteilen, um mich als GF abzulösen.

Es blieb mir also nichts anderes übrig als mir Mrs. X zur Brust zu nehmen. Ich bat sie in mein Zimmer, um sie mit der Beschuldigung ihres Bruders zu konfrontieren. Nach recht kurzer Zeit gestand sie dann ihre Falschaussage gegenüber ihrem Bruder. Weiter gestand sie, dass sie sich an mir rächen wollte, da ich sie abgewiesen und von meinem Schoß gestoßen hatte. Schluchzend gestand sie mir dann auch noch ihre Zuneigung. 

Später erfuhr ich dann auch was allgemein bekannt war, nämlich, dass sie nymphomanisch veranlagt sei. Hatte ich etwas verpasst?

Philippinen: Wir wollen die Firma übernehmen

Dr. X, der Controller der Region, ist beauftragt den Wert des Philippinengeschäftes zu ermitteln, nachdem ich die Inhaber dieses Geschäftes dazu bewogen hatte, die Mehrheit ihrer Anteile an uns zu verkaufen. Dr. X ermittelt den Wert, die interne Revision prüft die Firma und bestätigt dass die Angaben zum Geschäftsverlauf korrekt sind.

Zu dieser Zeit bin ich bereits wieder von Singapore nach Tokyo umgezogen und nun als Daicho Torichimaiku Fuku Shacho (Vize-Präsident mit Vertretungsvollmacht der Firma) verantwortlich für den Vertrieb und Marketing. 

Trotzdem werde ich gebeten in die Philippinen zu fliegen, um die Verträge zur Übernahme der Anteile zu unterschreiben, sowie die Auszahlung des Kaufpreises bei der Bank zu veranlassen.

Herr Dr. X flog in Urlaub nach Jordanien.

Die entsprechenden Vollmachten gingen mir in Japan zu, zusammen mit der Aussage, dass der Vertrag ausgehandelt und fertig zur Unterschrift sei. Auch die Finanzierung des Kaufpreises mit der Bank sei organisiert und ich avisiert.

Mit dieser Information reiste ich ab.

Nach Ankunft stellte sich sehr schnell heraus, dass weder der Vertrag ausgehandelt noch die Finanzierung mit der Bank abgesprochen und zur Auszahlung bereit war.

Ich war stinksauer.

Zur Bewertung des Kaufpreises muss man folgendes wissen:

Das Kapital der Gesellschaft war bewusst extrem niedrig gehalten worden, dafür hatten alle Teilhaber Kredite an die Gesellschaft gewährt, die mit 22 % verzinst werden mussten! Ein äußerst lukratives Geschäft. Dies geschah offensichtlich aus steuerlichen Gründen. Natürlich wollten die Verkäufer sich einen enormen Aufschlag zahlen lassen, aber das wäre ja bei günstiger Refinanzierung wieder spielend reingespült worden.

Der Wert der zu übernehmenden Anteile bzw. der daraus resultierende Kaufpreis des Geschäftes war unter der Annahme errechnet worden, dass die Muttergesellschaft sich in den Philippinen Kredite mit 8 % Zinsen ausleihen kann. Ein hervorragendes Geschäft, Geld zu 8 % ausleihen und für 22 % weiter verleihen! Dr. X muss begeistert oder vielleicht doch nur sehr naiv gewesen sein. Denn meine Gespräche mit der Bank ergaben sehr schnell, dass sich Ausländer nicht zu diesem Zinssatz wie in Deutschland Geld beschaffen konnten, sondern schlichte 22 % zahlen müssen. Damit war die Rentabilität diese Engagements nicht nur schlechter geworden, sondern es rechnete sich einfach überhaupt nicht mehr!

Aber der Vorstand Asien Pazifik (mein ehemaliger Chef in Japan), der zu dieser Zeit verstärkt an seiner Professorenwürde arbeitete, konnte ein Scheitern der Übernahme nicht zulassen, denn er hatte den Inhabern gegenüber bereits den Vollzug des Kaufes berichtet! Er bat mich kreativ zu werden. Also blieb mir nichts anderes übrig, als mir etwas einfallen zu lassen.

In Manila am frühen Morgen unter der Dusche kam mir der rettende Gedanke.

Zur damaligen Zeit herrschten Devisenbeschränkungen und strikte Importrestriktionen in den Philippinen, d.h. die für die Produktion notwenigen Rohstoffe oder auch Verpackungen konnten nicht offiziell importiert werden. Aber was man nicht offiziell importiert hatte, konnte man natürlich auch nicht offiziell bezahlen. So blieb keine andere Wahl als hin und wieder Bargeld herauszuschmuggeln. Trotzdem sammelte sich im Laufe der Zeit eine hübsche Verbindlichkeit  gegenüber uns an. Hier konnte ich den Hebel ansetzen.

Folglich habe ich den lokalen Aktionären erklärt, dass wir ab sofort rückwirkend ab Fälligkeitsdatum auch 22 % für unsere Warenkredite haben möchten. Dies ergab rein theoretisch ein hübsches Sümmchen, aber es war noch nicht in Deutschland!

Die lokalen Inhaber waren alles andere als begeistert!

Damit wurde scheinbar der Kauf und die Finanzierung wieder interessant, doch richtig nachdenken wollte darüber niemand mehr und meinem Vorstand ist es mit Sicherheit bei seinem Talent für das Visionäre gelungen, den Inhabern und Vorstandskollegen dies als ein vorzügliches Geschäft zu verkaufen.

Am Ende haben sich dann die Lokalen wieder gerächt, indem sie vor der Übernahme der letzten Anteile ein paar Jahre später, die Verkäufe hochgetrieben und damit den Gewinn manipulierten, der letztendlich eine Größe in der Berechnung der Anteilspreise war! Doch kaum waren die letzten Gelder für die Übernahme geflossen, da kamen auch schon Lastwagenladungen von Waren aus dem Markt zurück!

Meine Shrimp Farm Beteiligung in den Philippinen

Unser Partner in den Philippinen, Teddy H., war ein rühriger Geselle und hatte immer wieder neue Ideen. Nachdem ich den ersten Teil der Anteilsübernahme abgewickelt hatte und nun mit dem Geschäft in den Philippinen nichts mehr zu tun hatte, traf man sich doch immer wieder mal bei Marketing Veranstaltungen. Bei einem derartigen Treffen erzählte er mir von seinem neuen Vorhaben, dem Betreiben von Shrimpfarmen. Es hörte sich sehr interessant an, denn damals (1980) begann man Appetit auf Shrimps zu entwickeln. Die zu erwirtschafteten Erlöse klangen phantastisch. Also sprach ich bei meinem Chef vor und bat um schriftliche Genehmigung mich an diesem Projekt beteiligen zu dürfen! Mit dieser in der Tasche wurde ich Partner an einem Versuchsprojekt und bezahlte für meine 10 %ige Beteiligung einige der offen stehenden Rechnungen der philippinischen Gesellschaft an unserer Gesellschaft in Singapore ein. Dafür musste die philippinische Gesellschaft die Pesos für meine Beteiligung an H. zahlen.

Teddy hatte einen seiner Söhne als Manager der Farm bestellt. Jedenfalls haben wir die Teiche offensichtlich am falschen Ort gepachtet, denn der nächste Taifun hat alle Shrimps aus ihren Teichen weggefegt! Als auch der zweite Versuch fehlschlug, haben wir das Projekt eingestellt und ich ca. US $ 2.000 verloren.

Aber damit endete diese Geschichte nicht. Etwa ein Jahr später, als ich im Headoffice zu Besuch bin, ruft mich unser Controller zu sich und eröffnet mir, dass der philippinische Controller mich beschulde nicht selbst die Einlage in die Shrimpfarm erbracht zu haben, sondern die philippinische Gesellschaft für mich!

Gott sei Dank hatte ich immer schon eine gute Ablage, denn dort waren die Quittungen über die Begleichung der Schulden säuberlich abgeheftet. Den Mann, der mich beschuldigte, hatte ich 2 Jahre früher nicht zum GF in den Philippinen ernannt! So schließt sich manchmal der Kreis.

Teddy bekam übrigens immer Kopfschmerzen wenn er nicht auch mittags regelmäßig Sex hatte. Um dies zu verhindern, hatte er seine Freundin zur Juniorpartnerin in der Firma gemacht. So saß sie nun in seiner Nähe und war mittags bereit.

Er hatte unzählig viele Kinder, auch sehr viele Söhne, mit denen er zu ihrem 16ten  Geburtstag in den Puff ging, schließlich sollten sie nicht unter Kopfschmerzen leiden.

Obwohl er ein wohlhabender Mann war und Beteiligungen an lukrativen Unternehmen besaß, konnte er seine sexuellen Eskapaden nicht finanzieren, ohne dass dies seine Frau bemerkt hätte. So übernahm er nur für diese Zwecke den Vertrieb von Gasflaschen in einem Bezirk Manilas. Natürlich hat er nie eine Flasche selbst angefasst, doch er erzielte genug Erlös um regelmäßig auch abends die Kopfschmerzen zu vertreiben. Das Geld für diesen kleinen Vertrieb lieh er sich bei einem Freund, so merkte seine Frau nichts von alldem.

Schwarzgeld und wie man es versteckt

Mein Chef hatte von Anfang an ein Schwarzgeldkonto in der Schweiz unterhalten, das durch Aufpreise auf Rechnungen gespeist wurde und von dem ein Teil unseres Gehaltes gezahlt wurde.

In Japan waren die Steuersätze recht hoch und da wir ein Nettogehalt vereinbart hatten, hatte die Firma Interesse daran, möglichst nicht alles versteuern zu müssen.

Kurz nach meiner Einstellung musste ich diese Kasse übernehmen und zahlte vierteljährlich an einige Kollegen die vereinbarten Gehaltsanteile.

Doch wurde ich nicht nur angewiesen Gehaltsanteile zu überweisen, sondern ich habe auch einmal an eine deutsche Universität DM 50.000,- überwiesen. Zufällig erhielt mein Chef später dort seine Professur.  

Auch ein japanisches Magazin, das man mit dem Spiegel vergleichen könnte, erhielt einmal ca. DM 40.000,- damit sie ein Interview mit meinem Chef druckten! Bis dahin dachte ich noch, dass man für ein Interview Geld bekommt und nicht bezahlt. Aber man lernt ja bekanntlich nicht aus.

Als die Muttergesellschaft sich Ende der 80iger Jahre auf den Börsengang vorbereitete, sollten natürlich alle halbseidenen Vorgänge unterbleiben. Wohin mit dem Schwarzgeldkonto?

Also bin ich eines Tages nach Hongkong geflogen und habe mich von einem renommierten Wirtschaftsprüfer beraten lassen. Wir fanden die Lösung in  einer verschachtelten Gesellschaftskonstruktion, bei der die Besitzverhältnisse nicht aufgedeckt werden mussten und somit niemand eine Firma des Mutterunternehmens dahinter beweisen konnte.

Nicht alle waren begeistert von der Idee, doch ich erhielt grünes Licht von meinem Chef die Firmen zu gründen.

Vier Wochen später erfahre ich mehr zufällig, dass der Vorstand einen als äußerst bieder bekannten Mitarbeiter der Revision nach Hongkong geschickt hatte um die Gründungen rückgängig zu machen. Als man ihn am Freitagmittag anrufen wollte, war er nicht erreichbar, sondern nach Manila abgereist. Dort wurde er in einschlägigen Häusern gesichtet. Nun war sein biederer Ruf plötzlich wie zerstoben.

Ab sofort gab es kein Schwarzgeld mehr und die Firmen mussten das gesamte Gehalt versteuern.

Marketing Budget 1981

Obwohl ich einer der vier leitenden Vorstände der japanischen JV war, beauftragte mein ehemaliger Chef, jetzt im Vorstand des Mutterhauses, hinter meinem Rücken den Finanzdirektor Dr. X (der früher schon die Geschäftsübernahme in den Phillipen berechnet hatte) mein Marketing Budget kritisch zu beleuchten.

Dagegen ist ja nun wirklich nichts einzuwenden, solange dies fair abläuft, doch daran war nicht zu denken. Vielmehr wollte mich mein ehemaliger Chef auf dem Posten loswerden, in dem er darlegen lassen wollte, dass ich Geld verschwende!

Das ausgearbeitete Dokument sollte zur Vorlage bei dem bevorstehenden Inhaberbesuch dienen. Dr. X verfasste ein 50seitiges Dokument und war nicht nur stolz darauf, sondern erhoffte sich offensichtlich davon eine Beförderung in den Vorstand des japanischen Unternehmens.

Ich habe zufällig dieses Dokument bei einem Gespräch mit Dr. Y, dem Chairman der Gesellschaft, auf dessen Schreibtisch entdeckt als dieser mit meinem ehemaligen Chef am Telefon spricht und ich daneben stehe. Das Dokument sollte mir bewusst vorenthalten werden, denn ich stand auch nicht auf dem Verteiler!! Eine ziemlich große Unverschämtheit. Nun bestehe ich auf eine Kopie des Dokumentes, studiere es sorgfältig und finde eine verlogene Darstellung von über ca. 25 % bzw. DM 15 Millionen meines Budgets, die sich leicht widerlegen lässt. Nun bin ich so dumm und weise Dr. Y auf die fehlerhaften Stellen hin, dieser lässt dies überprüfen und sammelt die Exemplare ein, denn sie waren für eine Präsentation vor den Inhabern wertlos geworden.

Schade dass es mir damals nicht in den Sinn kam, die Bombe vor den Inhabern platzen zu lassen. Dann hätte nicht nur Dr. X als Blamierter da gesessen.

Meine Kollegen im Vorstand der Dachgesellschaft in Japan

Wir waren zu viert. Der Chairman, Dr. Y, der Präsident T., der Vize Präsident T., zuständig für den Finanzbereich und ich als Vize Präsident, zuständig für den Vertrieb und Marketing.

Der Präsident war ein an und für sich sehr angenehmer Kollege, der aber leider im Laufe der Ereignisse sein Charisma gänzlich verlor. Wer hätte das nicht!?

Für einen Japaner nicht ungewöhnlich, griff er mir, dem Ausländer, nach ein paar Whisky, zwischen die Oberschenkel! Das erste Mal war ziemlich irritierend!

Der Vize Präsident war da ganz anderer Natur und alles andere als ein angenehmer Kollege, nicht weil er auf den Groschen schaute, sondern er besaß ein paar andere weniger erfreuliche Eigenschaften. So fummelte er auf Betriebsfesten nach ein paar Whisky an jungen weiblichen Angestellten herum. Informierte „seine Baufirma“ über die Konkurrenzpreise, was auf einen  erwarteten Bakschisch schließen lässt. Und schlägt dem Präsidenten T. vor dem Eingang zu einem Hotel mit der Hand in das Gesicht. Eigentlich hatte er meinen ehemaligen Chef schlagen wollen, was er ja vielleicht sinnbildlich tat, den der hatte T. zum Präsidenten erkoren und nicht ihn. Ein unbeherrschter Japaner, wie man ihn selten findet. T. ist übrigens ein alter Weggefährte von meinem Chef bei seinem früheren Arbeitgeber, einem großen Unternehmen in Bayern, gewesen.

Ich suche mir einen neuen Job im Unternehmen

Nach der misslungenen Falschdarstellung meines Marketingbudgets habe ich beschlossen zum Ende des Geschäftsjahres, das Ende März war, in eine andere Gesellschaft der Mutter zu wechseln. Einem Chairman, der zulässt dass hinter dem Rücken eines Kollegen recherchiert wird, kann ich nicht länger vertrauen.

Die Firma schloss übrigens für das Geschäftsjahr 1982 mit dem besten Ergebnis seit ihres Bestehens ab.

Im Sommer 1982 unternahm ich die große Fahrt von Bombay nach Radevormwald.

Als ich im Herbst zurückkam, rief mich der Personalvorstand an und bot mir die GF in Portugal an, denn sonst sei im Moment wirklich nichts zum Wechsel anhängig. In Portugal ist es klimatisch sicher schöner als in manchem anderen Land, doch weder sprach ich portugiesisch noch war die Firma vom Umsatz her interessant. Trotzdem flog ich nach Portugal, um mich dort ein wenig umzusehen.

Man kann sich nicht vorstellen, wie in der Produktion in Portugal gearbeitet wurde. Nur soviel: die Produktion war im Keller eines 4geschossigen Wohnhauses und dort unten wurde Alkohol auf offener Flamme erhitzt!

In dem Gespräch mit dem Vorstand Europa bestand ich darauf eine neue Produktionsstätte errichten zu können, sonst würde ich die Stelle nicht annehmen. Ich wollte nicht eines Tages vielleicht die Verantwortung für ein in die Luft geflogenes Haus übernehmen.

Zu meiner Überraschung war er mehr als damit einverstanden, denn angeblich hätte er immer nach jemandem gesucht, der dies endlich vorantreibt!?

Dieser Vorstand konnte nicht länger als 2 Minuten ruhig sitzen, sondern musste im Zimmer immer auf und ab gehen. Auch verschlabberte der Ärmste seinen Kaffee, denn selbst zwei Hände konnten die Tasse nicht ruhig halten. Wo das wohl seine Ursache hatte?

Er hatte eine erstaunliche Karriere hinter sich, als GF der Wella Tochter in Südafrika hatte er mit zu verantworten, dass zwischen der Produktionsgesellschaft und dem Vertriebslager immer mittags um 14 Uhr die abgeschlossene Tür aufging und Ware durchgeschoben wurde, sonst redete man nicht miteinander.

Auch mussten sich die Betriebsmechaniker, wenn sie einen Schraubenzieher brauchten, sich diesen im Magazin ausleihen! Später wurde dann dieses Talent Geschäftsführer in den USA und die Gesellschaft ging bergab.

Jedenfalls habe ich weitgehend ungestört ein Grundstück bzw. halbfertiges Projekt gesucht, um eine neue Produktion zu errichten, möglichst mit dem kaufmännischen Teil der Firma unter einem Dach. Über einen Architekten fand ich dann auch einen geeigneten Rohbau in einem Garten mit einer kleinen Villa. Ich war begeistert, denn in der Villa konnten wir die Büros unterbringen, die zwar nicht großzügig ausgelegt werden konnten, aber dafür sehr angenehm gelegen waren. Doch leider hatte die Sache einen Haken, denn der Preis war für mein Budget zu hoch. Alle Verhandlungskünste halfen nichts, es fehlten mir ca. 8 %! Als ich dies dem Architekten erklärte meinte dieser gelassen, dass wir das schon hinkriegen würden, wenn ich auf die für mich eingerechneten 5 % verzichten könnte! Wieder war ich platt, denn bis zu dem Moment hatte es noch keine Andeutungen gegeben. Mit „meinen 5 %“ und ein wenig Druck bei noch fertig zu stellenden Gewerken habe ich dann mein Budget einhalten können.

Zu allem Überfluss habe ich mir dann beim Verzehr von Austern eine Hepatitis angelacht und musste sogar, nachdem der Krankheitsverlauf sich wieder verschlechterte, 2 Wochen ins Krankenhaus nach Deutschland.

Wir waren noch beim Fertigstellen der Gebäude, als mich der Vorstandsvorsitzende anrief und bat Mitte 1985 nach Deutschland zu kommen, um dort eine andere Aufgabe zu übernehmen. Das war ein Jahr bevor ich umziehen konnte.

Der Vorstand war sich nicht über die Aufgabe einig

Ein Teil des Vorstandes wollte mich in Deutschland haben um die Produktionsseite stärker im Vorstand vertreten zu haben: Dies hieß nichts anderes als dass ich Produktionsvorstand werden konnte. Doch der Vorstandsvorsitzende wollte mich für etwas ganz anderes. Er hatte offensichtlich erkannt, dass mein ehemaliger Chef seine regionale Vorstandsaufgabe vernachlässigte. Er wollte mich als Regional Manager in dessen Bereich versetzen und dessen  gesamte Mannschaft mir unterstellen.

Damals war die Firma in 4 regionale Zonen aufgeteilt, aber in keiner der anderen Regionen gab es diese Organisation. Folglich wollten die anderen Vorstände dies nicht mittragen. Doch der VV setzte sich durch und ich wurde Regional Manager bei dem Herrn, dem ich nicht mehr über den Weg traute. Aber ich hatte ja einen starken Verbündeten im VV.

Später habe ich dann erfahren, dass der VV sich zu diesem Schritt gezwungen sah, um damit das „Ärgste durch meinen Chef“ durch mich zu verhindern. Wenn das keine Aufgabe war!

Da mein alter und neuer Chef und ich sehr unterschiedliche Vorstellungen vom unserem japanischen Geschäft hatten, haben wir uns darauf verständigt, dass er Japan betreut, alle personelle Unterstützung erhält und die anfallenden Entscheidungen trifft.

Im Gegenzug hatte er nichts mit dem Rest Asiens, den anderen 12 Gesellschaften, zu tun.

Mittlerweile steuerte er den Präsidenten der japanischen Gesellschaften, Mr. T. telefonisch in wöchentlichen Gesprächen in Japanisch! Mein Chef sprach zwar etwas Japanisch, aber dafür reichte es sicher nicht. Der Chairman Dr. Y war mittlerweile ausgeschieden.

Was bei dieser Fernsteuerung herauskam will ich nicht weiter ausbreiten, aber irgendwann traf es mich dann doch wieder, denn ich sollte dem Gesamtvorstand die Vorstandsvorlage für den 5 Jahresplan für Japan zusammen mit unserem Controller unterschreiben. Ich wusste ja was in Japan ablief, hielt mich aber an unsere Verabredung bis es nicht mehr ging.

Eine große Gruppe Japaner, die zuständigen Vorstände mit ihren Mitarbeitern war im September angereist, um uns ihren neuen 5 Jahresplan vorzustellen.

Zu dem Zeitpunkt lag man gewaltig hinter dem erstellten Plan für das laufende Jahr zurück. Die Zahlen für die nächsten Jahre wiesen aber wieder hervorragende Ergebnisse aus. So war es schon seit 2 Jahren gewesen, die aktuellen Zahlen waren schlecht, doch die Zukunft rosig. Leider bewahrheitete sich die Prognose nie.

Mir wurde bewusst, dass man wieder am Ende des Jahres Ware in den Markt drücken wollte. Dies ist nicht ganz ungewöhnlich in Japan, doch sollte es sich in Grenzen halten. Bei uns jedoch erhöhten sich die Zahlen jedes Jahr dramatisch. In dem besprochenen Jahr sollten es DM 80.000.000,- werden, etwa 25 % des Umsatzes.

Dies hieß nichts anderes, als dass die Großhändler auf unsere Kosten riesige zusätzliche Lager anmieten mussten, um die Ware zu lagern. Klar war den Beteiligten, dass diese Ware am Anfang des Jahres wieder zurückzunehmen war und somit in den ersten Monaten eines Jahres negative Umsätze aufgezeigt werden mussten!

Das Schönste an der Geschichte ist, dass wir alle Kosten zu übernehmen hatten, die Großhändler aber einen immer größeren Bonus auf Grund der Umsatzstaffel erhielten, den sie gar nicht getätigt hatten!!

Und ich sollte diese Geschichte wieder dem deutschen Vorstand gegenüber vertreten!

Da war sie nun die Frage, die ich mir stellen musste. Wem gegenüber musste ich loyal sein?! Das darf ja eigentlich keine Frage sein und so habe ich mich entschieden meinem Chef, den Japanern und unserem Controller zu sagen, dass ich diese Vorlage nicht unterschreiben werde, sondern vielmehr nun zu unserem VV gehen müsse, denn das was man da vorhabe zu tun, sei nicht im Interesse der Firma und wir hätten dem Ganzen schon zu lange zugeschaut.

Die Japaner mussten abreisen und einen neuen Plan erarbeiten.

Bei der nächsten Vorstandssitzung wurde mein Chef zuständig für die Region Europa und ich erhielt einen neuen Chef, der vorher Vorstand Europa war und der dafür bekannt war keine Entscheidungen zu treffen.