Edgar Dürholt
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 Er war der skrupelloseste Mensch den ich erlebt habe, Mr. M.!

Mein Chef wollte unbedingt ein japanisches Unternehmen übernehmen, er wollte damit in erster Linie demonstrieren, dass er der geeignetste Nachfolger des VV (Vorstandsvorsitzenden) sein würde.

Eine solche Übernahme galt als äußerst schwierig, besonders für westliche Firmen. Der ehemalige Chairman unseres japanischen Unternehmens hatte die Verträge mit Mr. M. ausgehandelt, aber sie waren noch nicht unterschrieben als ich 1985 die Szene betrat.

Ich las mir die Verträge durch und war ziemlich überrascht auf was sich da meine Firma einlassen wollte. Mr. M. wurde der Präsidentensessel bis zu seinem 65. Lebensjahr schriftlich zugesichert und es sollte ein 50:50 Joint Venture werden! Dies war eigentlich nicht unser Stil, denn wir wollten bisher immer spätestens nach einem kurzen Übergang die Mehrheit übernehmen und das Sagen haben. Folglich habe ich meinen Chef und den VV gefragt ob sie das auch wirklich wollen was da in den Verträgen steht. Mein Chef bestätigte mir dies und der VV sagte, dass ihm mein Chef erklärt habe, dass dies ja nur der Anfang sei, denn wenn wir erst einmal im Unternehmen unseren Repräsentanten hätten, würde sich da schnell manches ändern.

Doch wie sollte sich so schnell eine derartige Zusage auf das Präsidentenamt ändern ohne ihn umzubringen, denn schließlich war er erst um die 50 Jahre alt? Nichts desto weniger trotz wollten wir uns die Firma in unserer Gier unbedingt einverleiben und den Inhabern zeigen wer der beste Nachfolger des VV sein würde! Auch eine weitere Nachfrage, ob wir dies wirklich wollen, wurde positiv beantwortet. So machte ich mich an die Arbeit den Vertrag von beiden Seiten endlich unterschrieben zu bekommen.

Als unseren Repräsentanten hatten wir einen Geschäftsführer der Firma gewählt, der sich nun auf seine neue Aufgabe vorbereitete und nach Kobe umzog.

Unser Repräsentant sollte die Nr. 2 in der Firma sein, den Titel eines Vize Präsidenten tragen und fast gleichberechtigt im Unternehmen schwerpunktmäßig für das Marketing zuständig sein.

Doch als unser Mann ankam nahm das Trauma langsam seinen Lauf. Mr. M. lehnte es ab unserem Mann sein Gehalt auszuzahlen, den vereinbarten Firmenwagen zur Verfügung zu stellen und auch den Titel auf die in Japan wichtigen Visitenkarten drucken zu lassen, denn der Kaufpreis für die 50 % sei noch nicht überwiesen!

Doch das war ja gar nichts verglichen mit dem, was wir mit diesem Zeitgenossen in Kobe noch erleben sollten.

Wir waren der Meinung, dass die Firma Mr. M. mehrheitlich gehören würde, denn so trat er auf und auch unser Anwalt wusste es nicht besser!

Wochen nachdem die Überweisung des Kaufpreises erfolgt war, luden eine Reihe älterer Herren unseren Repräsentanten zu einem Wochenende in ein japanisches Kurbad ein. Höflich fragten sie nach, wann denn die Firma endlich den Kaufpreis auch an sie überweisen werde! Dass eine Überweisung bereits vor Wochen eingetroffen war, war ihnen nicht entgangen, da es in der Zeitung gestanden hatte, doch sie hatten noch keinen Pfennig erhalten.

Was war da geschehen?

Mr. M. hatte sich von all den alten kleinen Aktionären ihre Zertifikate aushändigen lassen mit der Begründung er könne einen Teil der Aktien an eine internationale Firma verkaufen und dann würde richtig Geld fließen. Da nur er englisch spräche, müsse er diese Bürde auf sich nehmen und mit den Ausländern verhandeln. Er eröffnete Bankkonten für jeden einzelnen Aktionär und erhielt von ihnen dazu ihren Hanko (ein Stempel, der registriert sein muss, um bei der Bank anerkannt zu werden, aber dann als Unterschrift gilt!)

Als wir ihnen nachwiesen, dass die Überweisungen an die Aktionäre ausgeführt worden waren, ging einer zur Bank und wollte sein Geld abholen. Doch Mr. M. hatte die Passwörter aller Konten geändert und niemand konnte an sein Geld. Als nun unser Mann den Alten half einen Brief mit der Bitte um Auszahlung an unseren VV zu schreiben, kam es zu dem ersten größeren Krach zwischen den Partnern.

Nun erfuhren wir durch die alten Herren auch ein wenig mehr aus der Vergangenheit von Mr. M. Er war nämlich ursprünglich Manager einer Bar in Kobe. Den alten Gründer der Firma zog es häufiger in diese Bar, wo er so vorzüglich mit Köstlichkeiten und jungen Mädchen versorgt wurde, auch wenn er diese nur noch anschauen und sich von ihnen mit Getränken und den kleinen Köstlichkeiten verwöhnen lassen wollte. Am liebsten spielte er Mahjong und genoss diese geselligen Stunden. Logisch dass der Alte gern dort hinging! Irgendwann hat er dann Mr. M. angeboten in die Firma zu kommen, denn seine Leute seien alle schon sehr alt. So wurde er Direktor der Firma. Die alten Mitarbeiter und Mitaktionäre waren natürlich gegen diesen windigen neuen jungen Mann. Doch wenig später war es dann soweit, er hielt dem alten Gründer einen Schuldschein unter die Nase, den soll er während der Zeit der Barbesuche unterschrieben haben (gestempelt!!). Nun war der Alte alles auf einen Schlag los! Ob er jemals einen Schuldschein wirklich mit seinem Hanko abgezeichnet hat ist sehr fraglich, aber derjenige, der dieses Ding in Händen hat, kann abzeichnen!

Unser Repräsentant musste sich weiterhin in Tokyo bei unserem anderen JV Gehaltsvorschuss holen, denn Mr. M. lehnte weiter beharrlich alles ab was im Vertrag stand.

Aber auch der Präsident des JV in Tokyo war nicht begeistert für das JV in Kobe Gehalt zu zahlen, denn er hatte einen Vertrag, der ihn als Präsidenten von allen Firmen in Japan vorsah, gefragt hatte man ihn zu diesem neuen JV aber nicht. Ich wusste von dieser Zusage nichts!

Unser Mann arbeitete weiter an einem Facelift der veralteten Produktlinie, doch Einführen durfte er davon nichts! Mein Chef hatte sich das wohl alles etwas anders vorgestellt, aber Mr. M. rückte keinen Millimeter von seiner Linie ab.

Da sich nun doch nichts nach dem Einstieg in die Firma veränderte, wurde ein Schuldiger gefunden. Unser Mann wurde von meinem Chef öffentlich beschuldigt nicht hart genug mit Mr. M. umzugehen, „man hätte doch lieber J. T. auswählen sollen“ war eine Aussage! Der Beschuldigte hatte täglich mit den Intrigen von Mr. M. zu tun und wurde nun auch noch vom eigenen Chef indirekt als Versager dargestellt.

Doch selbst dieser ist nach einem wenige Minuten dauernden Gespräch mit Mr. M. entnervt und einem Zusammenbruch nahe, abgereist.

Unser VV befragte mich nach meiner Meinung zur Zukunft dieser Partnerschaft und ich musste ihm erklären, dass es da keine geben werde, denn unser Partner spiele offensichtlich ein falsches Spiel mit uns. Nach diesem Gespräch näherte sich dieses JV endlich dem Ende, doch es sollte uns noch lange beschäftigen.

In der ersten Phase der Rückabwicklung dachten wir noch, dass es Mr. M. lediglich ums Geld gegangen sei und er nicht mehr am Unternehmen interessiert sei. Folglich boten wir an, die Marken zu übernehmen. Er sollte alle Gebäude übernehmen. Doch zu unserem Erstaunen lehnte er kategorisch ab.

Ein ziemlich verspäteter Gang zum Katasteramt, übrigens nicht von unserem Anwalt, der ja für die Vermittlung des JV ordentlich abkassiert hatte, sondern von der Sekretärin unseres Mannes, brachte ans Tageslicht, dass die Firma, bis auf ein winziges Bürogebäude, überhaupt keine Gebäude besaß!!! Die Gebäude waren alle angemietet und alle in der gleichen grünen Farbe angestrichen worden! Was für ein einfacher, aber wirkungsvoller Schachzug um uns zu täuschen! Nun wussten wir auch warum er die Gebäude nicht haben wollte!

Nach genau 2 Jahren und 3 Monaten hatten wir dann endlich genug von diesem Albtraum. Wir waren so breitgeklopft, dass wir unseren Anteil zu einem Spottpreis wieder loswerden wollten. Zu dritt flogen wir nach Tokyo. Der Finanzvorstand, der Schwierigkeiten hatte einen zusammenhängenden sinnvollen Satz auszusprechen und kein Wort englisch sprach, mein Chef und ich.

An den Verhandlungen mit diesem Mr. M. haben meine beiden Mitreisenden allerdings nur 10 Minuten teilgenommen. Sie waren M. nun wirklich nicht gewachsen und haben dies wohl schnell eingesehen. Der Anwalt, der das JV eingefädelt hatte und japanisch sprechen konnte, und ich, der Herrn N. als Dolmetscher brauchte, führten von unserer Seite die Gespräche. Wir hatten dazu zwei große Räume in einem Hotel angemietet. In dem einen Raum saßen wir nun und verhandelten. In dem anderen Raum saßen meine Mitreisenden, eine Sekretärin und der JV Präsident aus Tokyo. Wir verhandelten von 15 Uhr nachmittags bis 4 Uhr morgens, also 13 Stunden mit diesem Schwein. Wenn wir glaubten endlich einen Satz in Japanisch und Englisch zusammengebastelt zu haben und an den nächsten Punkt wollten, fing Mr. M. wieder von vorne an. Er wollte uns offensichtlich zermürben, doch den Gefallen habe ich ihm nicht getan, vielmehr wurde ich durch jede weitere Hinterhältigkeit dieses Herrn wacher und unnachgiebiger.

Trotzdem erhielt er unsere 50 % der Firma für ein Taschengeld zurück, führte die von unserem Mann entwickelten Produktlinien ein und war nun 100%iger Herr der Firma. Ein wahrlich gelungener Streich. Wochen vorher hatte er uns in einer Bar vorgesungen „I did it my way!“ In Japan galt er nun in manchen Kreisen als der Held, der es den Ausländern gezeigt hatte!

Der Vollständigkeit halber und auch zur Abschreckung muss ich noch anfügen, dass die auf einer DIN A 4 Seite formulierten Vereinbarungen, über ein Jahr von Mr. M.  torpediert wurden und immer neue Vorschläge zur Veränderung kamen. Ich hatte noch über ein Jahr über den neuen japanischen Finanzvorstand in Tokyo regen  meterlangen (!!) Telexverkehr bis ich die Akte beiseite legen konnte!

 

Beitrag meines Chefs zu Marketingkonzepten

Je schlechter die Produkte aussehen, je besser sind sie für Japan geeignet, ist sein öffentlicher Beitrag zu einem neuen Marketingkonzept.

Da hatten wir wieder etwas gelernt!

 

Wie konnte er davon wissen?

Vorstandsvorlagen wurden von uns auf Wunsch der Vorgesetzten erarbeitet, dem Chef zur Abstimmung vorgelegt und dann zur nächsten Vorstandssitzung dem Gesamtvorstand vorgelegt. In einer der vielen erlebten Organisationsformen innerhalb des Unternehmens gehörte ein Teil Afrikas zur Region Asien Pazifik, nicht aber Mozambique. Dieses Land gehörte historisch zu Südafrika und Südafrika zu Europa, wovon ich nur den zweiten Teil wusste. Da meinem Chef die Zuordnung nicht gefiel, sollte ich eine entsprechende Vorstandsvorlage erstellen und den Antrag auf Zuordnung zur Region Asien Pazifik stellen. Dies tat ich und wurde dann zur Vorstandssitzung gebeten um unser Anliegen vorzutragen. Seine Kollegen schauten mich erstaunt an und fragten, was das denn solle, denn dies hätte vertragliche Konsequenzen mit unserem südafrikanischen Partner, der dem mit Sicherheit nicht zustimmen werde. Mein Chef schaut in die Runde und sagt allen Ernstes, dass er diese Vorlage überhaupt nicht kennt. Nun kannten die anderen Vorstände mittlerweile ja ihren Kollegen und wussten, dass dies nicht der Wahrheit entsprach. Manche meinten später, wenn er sich wenigstens an seine früher gemachten Erzählungen zu einem Thema erinnern könnte, um dort fortzufahren und nicht eine komplett neue Geschichte erfinden würde! Von nun an mussten die Vorstände die von ihrer Region eingebrachten Vorlagen mit abzeichnen, um sicherzustellen dass derartiges nicht wieder vorkam!

 

Erfahrungen mit Treuhändern oder wie man erpresst wird.

Ende der 70iger Jahre konnten ausländische Unternehmen in mehreren asiatischen Staaten nicht die Mehrheit an einem Unternehmen halten, auch nicht bei Neugründungen. Doch die meisten größeren Gesellschaften wollen natürlich nicht die Geschicke ihres Unternehmens in fremde Hände legen. Daraus folgt, dass man sich über Treuhänder behilft. Wenn man in der Wahl eines Treuhänders genügend Sorgfalt walten lässt, mag dies ja gut gehen, doch sollte man nicht Angestellte oder Verwandte eines Teilhabers einsetzen!

In Indonesien hatte man die Schwester eines chinesischen Teilhabers eingesetzt, sie war mit einem holländischen Arzt verheiratet und man dachte, dass dies eine gute Lösung sei.

Als die Ehe plötzlich geschieden wurde, war die Treuhänderin nicht mehr mit der jährlichen Zahlung für das Nichtstun einverstanden, sondern meinte nun, dass ihr die Anteile persönlich gehören würden.

Ich wurde vom Vorstand gebeten das Problem vor dem 31.12. aus irgendwelchen steuerlichen Gründen zu lösen. Am 21.12. flog ich nach Jakarta und verbrachte Weihnachten und Silvester dort.

Die Unverschämtheit ging so weit, dass ihr Anwalt erst einmal auf eine Barzahlung für ihn in Höhe von US $ 5.000,- bestand, um überhaupt mit unserem Anwalt zu reden!

Wir saßen da und mussten uns fast alles gefallen lassen, denn offiziell klagen konnten wir ja nicht! Erst nach Zahlung von US $ 250.000,- in bar und in kleinen Scheinen, die ich bei der Filiale der Deutschen Bank unter Polizeischutz abholte und auszahlte, war man bereit die notwenigen Dokumente zu unterzeichnen.

In Malaysia lief es nicht viel anders, aber die Verhandlungen zogen sich über Monate hin. Dort hatten wir einen „jungen Prinzen“ von einem Mitarbeiter einer Entwicklungshilfegesellschaft empfohlen bekommen. Anfänglich lief alles reibungslos, er bekam sein jährliches Salär, wurde mehrfach jährlich in teure Restaurants eingeladen und auch hin und wieder in Deutschland empfangen. Doch als es möglich wurde, die Anteile offiziell selbst zu halten und wir ihm ein Angebot machten, indem wir für 5 Jahre weiterzahlen wollten, ohne jegliche Gegenleistung, da fragte er uns welche Anteile wir denn meinen würden, denn er hielte nur seine Anteile. Auch hier musste eine beträchtliche Summe den Besitzer wechseln, bevor er sich erinnern konnte.

In Taiwan lief es wohl am schlimmsten ab. Dort hatte mein Chef, gegen meine ausdrückliche Warnung, unseren eigenen chinesischen Geschäftsführer unserer Firma in Taiwan gebeten, die Anteile zu halten. Es kam wie es kommen musste, das Geschäft blühte vordergründig in den schönsten Farben, er wurde von meinem Chef über den grünen Klee gelobt als unser bester GF in Asien. Als er versetzt wurde und ein neuer GF in Taiwan das Geschäft übernahm, fiel sehr schnell auf, dass die Zahlen getürkt waren. Doch vorerst saß er auf einem sicheren Stuhl in Tokyo. Als der Vorstand den Kollegen aus Tokyo abzog und einige Stellen frei wurden, fand man für J. T. nur einen Job als Koordinator in Singapore. Doch dort gab es nichts zu koordinieren und ein anderer Job konnte nicht angeboten werden, bzw. keiner wollte mit ihm etwas zu tun haben. Nun konnte auch er sich nicht entsinnen, dass er treuhänderisch Anteile hielt, sondern es waren seine. Es kostete dem Unternehmen DM 1.800.000,- von dem netten Herrn die eigenen Anteile zurück übertragen zu bekommen.

 

Von Asien nach Osteuropa

Der neue Asienvorstand musste nach Tokyo umziehen, um von dort die Region zu leiten. In diesem Szenario war ich nicht vorgesehen, doch erwähnte mein Chef das nie. Man musste derartiges in unserem Unternehmen erahnen!

So dümpelte ich einige Wochen ohne rechte Aufgabe vor mich hin und war schon dabei mich nach außen zu orientieren, als der frühere Vorstand Deutschland, der nun für Deutschland und Europa zuständig war, mich zu sich rief und mir anbot Osteuropa aufzubauen.

Der eiserne Vorhang war gerade gefallen. Wir hatten in allen osteuropäischen Ländern Vertretungen, die mehr schlecht als recht unsere Produkte kauften und vertrieben, doch lag dies natürlich meist an der miserablen Devisensituation der Länder.

In den drei Jahren, in denen ich für Osteuropa zuständig war, habe ich JVs in Russland, Polen, Tschechei, Ungarn und Rumänien gegründet, die bis ca. 2000 alle zu 100 % bei der deutschen Mutter hingen.

Es war eine mühevolle Aufgabe mit Russen über ein JV zu verhandeln, denn die wussten ja überhaupt nicht was das war! Anfänglich waren sie sehr misstrauisch, doch im Laufe vieler Wochen kamen wir uns näher, sodass wir Verträge über ein JV für die Produktion und eines für den Vertrieb unterzeichneten.

Im JV für den Vertrieb hielten wir 51 % der Anteile und in der Produktion der russische Partner.

Wir hatten vereinbart, dass wir im JV für die Produktion das Innenleben (Maschinen, Rührwerke etc.) beisteuern und der russische Partner das Bauland und den Neubau.

Bei der Bewertung des Landes wurde es kompliziert, denn es gab ja noch kein privates Land. Dies sollte ja erst entstehen und dann umgewandelt werden. Dass das Letztere wirklich geschehen würde, war Vertrauenssache. Aber nach welchen Kriterien wollten wir bewerten?

Dazu fiel mir ein, dass unsere größte Produktionsstätte in Hessen sich „auf dem Land“ befand und wir hier, unweit von Nischni Nowgorod, uns ähnlich auf dem Land befanden.

Mein Vorschlag, die Landpreise in Hessen zu prüfen und gegebenenfalls zu übernehmen fand allseits Anklang und so haben wir dann auch zu aller Zufriedenheit bewertet.

Die Produktionsstätte zählt noch heute zu den Besten innerhalb des Verbundes. Sie ist mittlerweile auch 100 % bei der Mutter, da die russischen Partner, ein ehemals riesiges Unternehmen, in den Wirren der eigenen Privatisierung kein Kapital nachschießen konnten, sondern ihre Anteile anboten.

 

Dolores und der Salon in Moskau

Die Firma hatte seit Jahren Kontakt zu einer russischen Friseurin, Dolores, die zwar keine Friseurin mehr war, aber einen kleinen Salon unterhielt und über beste Kontakte zu staatlichen Organisationen verfügte.

Kurz nach dem Fall des eisernen Vorhangs bietet sie uns eine alte Bauruine an, d.h. sie möchte dieses verfallene Gebäude im Zentrum von Moskau, das sie für einen Apfel und ein Ei auf 25 Jahre mieten kann, in einen traumhaften Friseursalon für sich umwandeln.

Wir hatten mittlerweile ein eigenes Büro angemietet und zahlten eine horrende Monatsmiete für ein kleines Büro. Wir brauchten nicht viel zu rechnen, um zu erkennen, dass dies eine tolle Sache für beide Seiten werden konnte. Dolores und ich waren uns schnell einig und so wurden Verträge aufgesetzt, in denen wir das Erdgeschoß von ca. 200 qm als Büro unentgeltlich 25 Jahre nutzen konnten und im 1. Stock das zu erbauende Studio für Ausbildungszwecke. Dolores erhielt dafür einen komplett eingerichteten Salon mit modernster Ausstattung im ersten Stock rund um das Studio, das sie natürlich auch nutzen konnte.

Das war die Theorie, doch wie setzt man die in die Praxis um?

Eine russische Baufirma fiel sofort aus der Vorstellung heraus, denn die meisten Häuser dieser Firma in Moskau sahen grauenerregend aus. Selbst das „Weiße Haus“ wurde von einer türkischen Baufirma nach dem Beschuss erneuert. So kam ich auf den ziemlich ungewöhnlichen Gedanken einen mir bekannten deutschen Architekten und Unternehmer zu fragen. Zu meiner Überraschung war dieser sofort interessiert und wir flogen schon Tage später nach Moskau, um uns das Gebäude gemeinsam anzusehen.

Als wir am Morgen nach unserer Ankunft in der Hotelhalle des Hotel Metropol auf unseren polnischen Gesprächspartner warteten, erfuhren wir von ihm, dass es einen Putsch gegeben hatte und Gorbatschow aus der Stadt geflogen worden war. Das hatten wir uns eigentlich anders vorgestellt und so taten wir als sei nichts geschehen. Wir fuhren zu verschiedenen Punkten in der Stadt um Gespräche zu führen, immer wieder mussten wir Panzer rechts oder links überholen. Wir waren in Steinwurfweite, als Jelzin auf den Panzer stieg. Dolores trafen wir auf einer Veranstaltung im Theater am frühen Nachmittag, sie hatte schon ihre Koffer zum Abtauchen gepackt. Ich versprach ihr unser Projekt nicht aufzugeben. Der Architekt und wir wurden uns einig und nun begann eine logistische Meisterleistung, denn wir hatten Ende September und wollten zum Jahresende fertig sein. Außer Sand und ein paar Steinen haben bzw. mussten wir alle Baumaterialien und alle Handwerker aus Deutschland und Polen nach Moskau schaffen. Jeden Montag kam ein 40 Fuß Container mit den für die kommende Woche benötigten Materialien an.

Dazu muss man wissen, dass es in dieser Zeit noch ein schwieriges Unterfangen war mit dem Ausland zu telefonieren. Wir bekamen die Sondererlaubnis in das Pressezentrum für Ausländer gehen zu dürfen, denn dort konnte man mit Hilfe eines Operators sich mit dem Ausland verbinden lassen. Da keiner in dieser Zeit des Umbruchs wusste, was erlaubt war und was nicht, wurde seitens der Behörden erst einmal angenommen, dass es verboten sei. Dies führte immer wieder zu Problemen. Wir wussten uns aber zu helfen und Dolores guter Kontakt zu L., dem Bürgermeister von Moskau, haben wir es zu verdanken, dass ich von L. 3 unterschriebene Blanko Briefbögen von der Stadt Moskau erhielt. Damit haben wir dann später ganz legal nach Rücksprache mit ihm, aus dem Mietvertrag einen Kaufvertrag gemacht.

Wir hatten es geschafft, das Gebäude erstrahlte in alter Schönheit, wir hatten ein tolles Büro, Dolores war überglücklich, alle Ausländer in Moskau und viele Moskowiter sprachen über uns, denn so ein schönes Gebäude und so einen Salon hatte es schon Jahrzehnte nicht mehr in Russland gegeben. 

 

Mein Gespräch mit Frau Jelzin, der Frau des damaligen russischen Präsidenten Boris Jelzin

Nun saßen sie da, Seite an Seite in Dolores Salon, der übrigens schon nach Tagen wie verrückt brummte und sie sich dumm und dämlich verdiente, die neuen Reichen Russlands, Schwarzhändler, Ganoven, Verbrecher mit Bodyguards und Politikerfrauen. Frau Jelzin wurde schon bald nach Eröffnung des Salons Stammkundin. So war es ganz natürlich, dass Dolores mich ihr vorstellte. Da Dolores nur ein sehr schlechtes Englisch sprach, musste ihr Geschäftsführer, den ich ihr verpasst hatte, für mich dolmetschen. Dieser Mann war übrigens früher beim Auslandsgeheimdienst der Armee als Dolmetscher beschäftigt gewesen.

Es war an einem Nachmittag vor unserem Weihnachtsfest, am Vorabend vor ihrem Flug mit ihrem Mann zu einem Staatsbesuch nach China, als ich ihr vorgestellt wurde.

Sie sprach sich in den höchsten Lobestönen für das von uns geschaffene neue Paradies für Frauen in Moskau aus und schlug gleich vor in Jekaterinenburg, dem Ort wo ihr Mann früher Parteisekretär war, auch einen solchen Salon zu bauen.

Wir kamen über den Friseurberuf auch auf das Thema Handwerk und ich erzählte ihr, dass in Deutschland die mittelgroßen Betriebe und das Handwerk das Rückrat der deutschen Wirtschaft seien.

Nun schaute sie mich mit großen Augen an und sagte, dass sie das nicht verstehe, denn in Russland sei man der Meinung, dass die Großbetriebe das Rückgrat für die Gesellschaft und die Zukunft seien.

Höflich habe ich erwidert, dass ich mich diesbezüglich natürlich nicht für Russland auskennen würde, aber für Deutschland träfe das von mir Gesagte zu. Wir tauschten noch ein paar Nettigkeiten aus und sie fuhr in den Kreml zurück, um sich auf die Reise vorzubereiten.

 

Ihr werdet es nicht glauben was Jelzin in seiner russischen Neujahrsansprache an das russische Volk von sich gegeben hat! Mein Dolmetscher berichtete mir einige Tage später, dass er es nicht glauben wollte, als er Jelzin dem russischen Volk sagen hörte, dass nämlich Mittelbetriebe und das Handwerk das Rückgrat der Wirtschaft werden müssten. Er forderte seine Landsleute auf unternehmerisch tätig zu werden, Betriebe zu gründen und wieder Handwerker zu werden.

So sind ein paar Worte von mir dem Präsidenten in den Mund gelegt worden.

 

Von Osteuropa zurück nach Asien

Irgendwann in 1992 stand mal wieder eine Umorganisation ins Haus. Ich hatte die wesentlichen Arbeiten in Osteuropa abgeschlossen und signalisierte dem neuen VV mein Interesse an Asien. Er war zuerst wenig begeistert, denn er hielt viel von dem Erreichten und wollte es nicht aufs Spiel setzen.

Dann habe ich ihm meinen Nachfolger präsentiert, was ihn auch erst beim dritten Anlauf überzeugte.

 

Wieder verantwortlich für Asien-Pazifik

Anfang 1993 griff die neue Organisation und ich wurde wieder verantwortlich für mein geliebtes Asien-Pazifik, mit Ausnahme Japans, das durch die Größe bedingt direkt an den Vorstand berichtete. Es waren anfänglich turbulente Monate, denn das Marketing wurde wesentlich stärker zentral gesteuert und so kam es zu vielen Irritationen bei den Gesellschaften vor Ort. Doch es spielte sich langsam ein und das Rad begann zu rollen.

Durch die neue erweiterte Verantwortung war ich während eines wesentlichen Teiles meiner Arbeit auf Reisen und bei meinen 11 nationalen Gesellschaften.

Tagsüber führte ich mit den Geschäftsführern Gespräche und abends oder nachts flog ich weiter zum nächsten Ziel.

Es war eine aufregende und spannende, aber auch anstrengende Zeit. Im Herbst 1994 hatte ich mich mit unserem neuen VV in Australien verabredet, um anschließend gemeinsam nach China zu fliegen, denn dort hatte ich gerade einen neuen amerikanischen Staatsbürger als Leiter der Marketingabteilung eingestellt, der fließend chinesisch sprechen, lesen und schreiben konnte.

Der VV war zum ersten Mal in China und auf Anhieb sehr beeindruckt von dem was in dem Land mittlerweile ablief. Wir waren uns sehr schnell darüber einig, dass wir in dem von uns über 12 Jahre vernachlässigten Land endlich handeln, d.h. investieren mussten.

Wir hatten 1981 als erstes Kosmetikunternehmen für ein JV in China von der chinesischen Provinzregierung in Tianjin 10 Jahre „Konkurrenzschutz“ erhalten. Doch außer Dividenden auf niedrigem Niveau aus dem Land abzuziehen, statt in den Markt und die Marke zu investieren, hatten wir nichts daraus gemacht.

Da ich meinen Arbeitgeber ein wenig kannte, wusste ich, dass nichts passieren würde, wenn ich nicht selbst mit in die Region umziehen würde. Der Vorstand würde ein derartig langfristig und großes Projekt, wir sprachen von US $ 150.000.000,-, nicht anschieben, ohne dass jemand, dem sie vertrauten, auch vor Ort sein würde. So bot ich von mir aus an mit meiner Mannschaft unsere Regionssteuerung nach Shanghai zu verlegen. Sicher waren nicht alle meine Mitarbeiter von meinem Vorschlag begeistert, doch sind mir alle nach Shanghai gefolgt.

Die notwendigen Vorstandsvorlagen wurden erarbeitet und mit dem Segen des Vorstandes lief die Planung sofort an, denn wir wollten am 1.4. 1995 in Shanghai im Büro unsere Arbeit beginnen. Meine Reisetätigkeit steigerte sich infolgedessen noch einmal, denn neben dem täglichen Geschäft musste ich mich auch um die Vorbereitungen in Shanghai kümmern. Wir brauchten eine Genehmigung der Stadtverwaltung für unser Projekt, doch dies war kein Problem, denn wir verlagerten schließlich unsere Regionsleitung nach China, da sprach man gerne mit uns.

Ein herrlich gelegenes Büro habe ich auch schnell gefunden, in einem Park, mitten in Shanghai. Diesen relativ großen Park gab es wohl nur deshalb noch, weil dort ein kleines Hotel stand, in dem ehemals Mao Zse Tung abstiegen war, wenn er in Shanghai war. Unser Bürogebäude hatte nur 2 Stockwerke und unser Büro umfasste die gesamte obere Etage von etwa 500 qm. Zu meiner großen Freude baute man im Park auch ein paar kleine kanadische Holzfertighäuser, von denen ich eins für mich anmieten konnte. Ich ging später weniger als 3 Minuten in mein Büro. Auch meine Mitarbeiter haben schnell neue Apartments in der unmittelbaren Nähe gefunden, sodass wir alle nur wenige Wochen im Hotel wohnen mussten. Wir hatten uns recht schnell eingelebt, wir waren online mit dem Headoffice verbunden, sodass Kommunikationsprobleme praktisch ausgeschaltet waren. Logistik und Marktstudien waren schon Monate vorher in Auftrag gegeben worden, die nun vorgestellt wurden und Entscheidungen gefällt werden konnten. Wir haben die Anteile unseres chinesischen Partners im JV komplett übernommen, worauf ich besonders stolz war, denn es gab noch nicht viele Firmen in China, die 100 % ihrer Anteile hielten. Manager und Mitarbeiter verschiedenster Ebenen für den Aufbau einer schlagkräftigen Vertriebsstruktur wurden lokal, aus Taiwan und Singapore eingestellt. Neue größere Büros für unseren Vertrieb und Marketing wurden in Beijing angemietet und ausgestattet. Wir waren soweit loszulegen, denn wir wollten ja investieren, und das heißt ja bekanntlich, dass erst einmal Geld abfließt bevor es wieder zurückkommt! Was wir nicht wussten war, dass unser VV es sich mit den Inhabern verdorben hatte, denn er hielt nicht viel von ihnen und lies sie es deutlich spüren. Diese hatten offensichtlich schon einen Ersatzkandidaten für ihn wenige Wochen nach unserem Aufbruch Richtung China in einem GF gefunden, der ihnen schon seit Jahren so tief in den Arsch kroch, dass man befürchten musste, dass er ihnen aus dem Halse wieder heraus kam! Das hatte er auf der letzten Weltgeschäftführerkonferenz im April wieder deutlich demonstriert, sodass ich es nicht lassen konnte, ihm dies zu sagen, schließlich kannte ich ihn seit Jahren. So erreichte uns dann auch die Nachricht im August 1995, dass man unserem VV den Vertrag nicht verlängert hatte, was einem Rausschmiss gleichkam. Ich wurde nach Darmstadt gerufen und erfuhr dort beiläufig vom neuen VV, dass ich mit meiner Mannschaft zurückkehren solle, es gäbe keine Chinainvestition mehr! Die Inhaber hätten entschieden, dass die nötigen Mittel dafür nicht bereitgestellt werden können. Ich hätte es wissen müssen, denn jegliche größere Investition in einen Markt wurde immer vorzeitig abgebrochen, da es an Mitteln fehlte oder der Vorstand nach kurzer Zeit zurückzuckte, weil die Inhaber dem Vorstand Einhalt boten! Nun standen wir da, die wir alle unsere eigenen Vorstellungen für die nächsten Jahre entworfen hatten und mussten Abwickeln, d.h. die Leute, die wir gerade eingestellt hatten, wieder entlassen und Wohnungen kündigen, in die wir gerade eingezogen waren. Nach wenigen Tagen stand mein Entschluss fest, ich wollte für diese Leute nicht mehr arbeiten! Ich hatte mein sehr schönes Haus in Darmstadt verkauft, weil ich einen 7 Jahresvertrag unterschrieben hatte, denn solange sollte ich in China bleiben. Ich hatte mir diese Aufgabe als so etwas wie ein I-Tüpfelchen in meiner Karriere vorgestellt, doch das Tüpfelchen war nun dahin. Was blieb mir mit 50 Jahren viel anderes übrig als auf Vertragserfüllung zu bestehen oder den alten Trott unter neuem Herrn erneut zu beginnen. Ich entschied für mich für ersteres, was die Firma allerdings nicht wollte. So blieb nur noch eine Auseinandersetzungsvereinbarung auszuhandeln und mich zu verabschieden, denn ich hatte die Nase gestrichen voll. Ich erhielt zwar noch einen unterschriebenen neuen Vertrag mit 20%iger Gehaltserhöhung, obwohl ich nicht schlecht verdiente, aber ich wollte nicht mehr für diese Leute arbeiten. So geschehen, wurde ich entgegen meiner Absicht viel früher zu einem Vorruheständler als ich es je erträumt hatte. Die Entwicklung im Unternehmen hat im Nachhinein wieder und wieder bestätigt, dass meine Entscheidung richtig war.

 

Die Inhaber

Über die Inhaber des Unternehmens gibt es wenig Wissenswertes zu berichten.

Doch einer Dame dieser Familie will ich ein paar Zeilen widmen, denn die Anekdoten müssten erfunden werden, wenn sie sich nicht wirklich ereignet hätten.

Die Dame, damals ca. 60 Jahre alt, hatte strohblonde Haare die, hochtoupiert waren. Die Haare waren total kaputt von Färbemitteln und Dauerwellen, sie sahen im wahrsten Sinne des Wortes haarsträubend aus! Man konnte beim besten Willen nicht erwähnen, dass sie Teilhaberin dieses Unternehmens war, denn eine gute Werbung für unsere Produkte war sie nun wirklich nicht.

Sie besuchte unsere Firma in Japan und ich wurde dazu auserkoren, sie auf einer Reise nach Kyoto zu begleiten. Dazu stehen mir meine Sekretärin, ein Dolmetscher und ein Fahrer zur Verfügung. Wir fahren gemeinsam mit dem Shinkansen (japanischer Schnellzug) nach Kyoto, wo sie sich Tempel und Gärten ansehen möchte.

Gemeinsam gehen wir am Abend zum Abendessen, mit dem wir um 10:30 fertig sind. Danach pilgern wir zu ihrem Hotelzimmer und wünschen ihr eine gute Nachtruhe. Sie bedankt sich nett und fragt mich, was ich jetzt mache würde. In meiner Naivität sage ich, dass ich in die Bar gehen würde. Sie dreht sich auf dem Absatz um und geht mit. Erst nach Stunden ist sie dazu zu bewegen, die Bar zu verlassen, um ins Bett zu gehen. Ich werde von ihr beauftragt sie am Morgen um 10:00 anzurufen, um mit ihr den Tagesablauf zu besprechen. Als ich um 10:00 anrufe, meldet sich eine verschlafene Stimme, die mich bittet um 12:00 wieder anzurufen. Als ich dies tue werde ich gebeten zu ihr zu kommen, um mit ihr die Schuhe auszusuchen, die sie heute tragen soll. Sie hat 2 Koffer Schuhe dabei, da werden wir doch was finden!? Nachdem ich bei der Auswahl der Schuhe mitgewirkt habe, werde ich wieder weggeschickt und für 14:00 zum gemeinsamen Mittagessen bestellt. Ich brauche nicht weiter zu erwähnen, dass danach Tempel und Gärten bereits geschlossen waren, aber ein Perlengeschäft noch nicht. Wir begaben uns folglich in solches und verbrachten den Rest des Tages bis zum Abendessen in diesem Geschäft, das seine Öffnungszeit für uns verlängerte, da sie richtig loslegte und alles kaufte was ihr in die Hände fiel.

Nach dieser Kauforgie wurden wir höflichst mit vielen Kotaus (Verbeugungen) verabschiedet. Nach dem Abendessen ging es dann auf ihren Wunsch direkt in eine Transvestiten Show, die sie sehr genoss und wir uns ziemlich langweilten. Nach der Show hat sie mich nicht mehr gefragt was ich mache, sondern wir gingen direkt gemeinsam in die Bar! Am nächsten Morgen kam sie folglich wieder nicht aus den Federn und somit hat sie nichts außer ein paar Geschäften von Kyoto gesehen!

Auf der Weiterreise durch die Region fuhr sie nach Hongkong und Bangkok.

Durch Berichte von Hotelbränden hatte der damalige VV den Inhabern und uns geraten möglichst nicht über dem 3. Stock ein Zimmer zu beziehen!

Das erste Ziel der Dame war Hongkong und der GF wusste nichts von dieser Empfehlung. Auf dem Flughafen wird sie selbstverständlich vom GF abgeholt, den sie kennt. Als sie ihn erblickt, lässt sie ihre Plastiktüten auf den Boden fallen und geht diesem entgegen. Sie begrüßen sich und plötzlich schreit sie „wo sind meine Plastiktüten?“ Der GF wundert sich und fragt sie, was denn in den Tüten sei? Ihr Schmuck selbstverständlich, den sie bereits auf die Reise mitgenommen hatte und natürlich den, den sie in Japan für mehrere DM 100.000,- gekauft hatte. Die Aufregung war umsonst, die Tüten lagen noch an ihrem Platz zwanzig Meter entfernt!

Sie fahren in das Hotel und beim Einchecken erfährt sie, dass sie im 8. Stock wohnen soll. Wieder ist ein Aufschrei zu vernehmen und sie beschimpft den GF ob er sie umbringen wolle, denn wenn es brennt, hätte sie schließlich fast keine Chance. Glücklicherweise ist dieser nicht auf den Kopf gefallen, entschuldigt sich höflich für dieses Vergehen und erwähnt, dass er an die Einbrecher in Asien bei seiner Entscheidung gedacht habe, die würden nämlich bis zum 7. Stock an den Fassaden hochklettern, um dann ihre Opfer auszurauben. Da die Dame auch schon in der Schweiz panische Angst vor Einbrechern hatte und ihre Wohnungen gesichert sind, versteht sie sofort und der Tadel schlägt in ein angemessnes Lob für die Bedachtsamkeit um!

Von Hongkong fliegt sie weiter nach Bangkok. Der GF hatte von der Hotelbrandpanik gehört und ein Zimmer im 3. Stock reservieren lassen. Als sie nun wieder die Schlüssel entgegennimmt und dies erfährt, fällt sie ungnädig über den Nichtsahnenden mit Beschimpfungen her. Wie kann jemand GF in Asien sein und nicht wissen, dass Asiaten sogar bis zum 7. Stock klettern, um ihre Opfer auszurauben.

 

Stellvertretend für nicht erzählbare Geschichten, gibt es hier den in der Süddeutschen Zeitung veröffentlichten Artikel über einen Inhaber und Herrn Schubeck.

 

 

Süddeutsche Zeitung Nr. 236/Seite 3         Dienstag, 14. Oktober 1997

 

Schuhbeck unter Verdacht

 

Zuviel Brei verdirbt den Koch

 

Von Ulrike Heidenreich

 

München, 13. Oktober – Seine Lieblingsfarbe sei schwarz, nämlich das Schwarz „schwarzer Zahlen“, und in Bayern lebe er „mit dem größten Vergnügen“, weil die Bayern einen leben und leben lassen. So antwortete Alfons Schuhbeck vor wenigen Jahren in einem jener Fragebögen, in der Prominente Auskunft über sich geben. Dass der gelernte Koch zu den berühmten Persönlichkeiten dieses Landes gezählt wird, liegt wohl daran, dass er sich hauptsächlich um das Wohl anderer prominenter Persönlichkeiten kümmert und als Hansdampf zwischen allen Töpfen etwas begüterte Gäste bekocht.

Seit einiger Zeit aber kennt der 49 Jahre alte Traunsteiner nun weder schwarze Zahlen, noch kann er das Gefühl haben, das man ihn so leben lässt, wie er es will. Wegen Steuerhinterziehung wurde er bereits zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, und nun ermittelt die Staatsanwaltschaft am Landgericht München II in drei Fällen schon wieder gegen Schuhbeck. Der Tatvorwurf lautet auf Betrug. So abstrus und verworren sind die Vorgänge um den Sternekoch, dass seine Antwort in jenem Fragebogen, nämlich dass er es sich als einzigen Luxus leiste, immer an das Gute im Menschen zu glauben, ganz neue Bedeutung gewinnt.

Seit 1979 betreibt Schubeck sein Ein-Sterne-Lokal in Waging am See. Zum „Kurhausstüberl“ war er gekommen, weil dessen Besitzer in adoptierte. Medienstar, Buchautor und Spezl „Schubi“ kocht dort nicht nur für Prominenz von Hans-Dietrich Genscher bis Thomas Gottschalk, sondern verleitete über sieben Jahre hinweg mindestens 47 Freunde und Gäste, darunter die Tennisspielerin Silvia Hanika und Fernsehmoderator Michael Schanze, zu fragwürdigen Geldanlagegeschäften. Von bis zu 50 Prozent Rendite war die Rede, schätzungsweise 40 Millionen Mark sollen von den vielleicht etwas naiven Gourmets gezahlt worden sein. Von der Rendite sahen sie nichts, die Millionen sind verschwunden, Schuhbecks Düsseldorfer Geschäftspartner Lutz Winkler sitz in U-haft. Der Koch selbst bezeichnet sich als Opfer und Geschädigter. Weil er aber Gewinne von selbstangelegten Geldern nicht versteuert hatte, wurde er 1994 zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt.

Sie wurde auf vier Jahre ausgesetzt, die Bewährungszeit endet im April 1998. Nun wurde der Koch im September und Oktober gleich dreimal angezeigt und muss fürchten, die Haft antreten zu müssen. Um 650.000 Mark fühlen sich drei Bekannte von ihm betrogen. 250.000 Mark davon wurden ihm geliehen, um einen Offenbarungseid abzuwenden, den Schuhbeck aber dann doch leisten musste.

Damit nicht genug: Schuhbeck bedrängen nicht nur die Strafverfolger, sondern auch der Privatdetektiv, Harry Krügel und der Münchener Rechtsanwalt Sewarion Kirkitädse. Die beiden wurden von Bernd Olbricht, dem früheren Chef des Wella-Konzerns mit Nachforschungen über Schuhbeck und dessen ehemalige Geschäftspartnerin Maria Bertram beauftragt. Beiden hatte Olbricht für Anlagegeschäfte 21? Millionen Mark anvertraut und kann nun nicht glauben, dass nichts mehr übrig ist. Das Geld liegt irgendwo, das kann sich nicht in Luft aufgelöst haben, sagt Kirkitädse.

Der Koch sagte am Montag am Autotelefon gehetzt, dass er „nichts getan, nichts unterschlagen“ habe und „den Herrn Gysi“ nicht kenne. Gregor Gysi? Schuhbeck und seine Partnerin Bertram hielten die ungeduldigen Geldanleger mit Geschichten bei Laune, die man wohl nur für bare Münze nehmen konnte, wenn einem im „Kurhausstüberl“ der Wein zu sehr zu Kopf gestiegen war. Er verstehe es selbst nicht mehr, sagt Schuhbeck heute, warum er seiner Partnerin, 8,9 Millionen Mark für Schließfach-Schlüssel in der Schweiz gegeben habe. Entschädigungsgelder für KZ-Opfer oder auch 100 Millionen Mark Stasi-Gelder, so habe Maria Bertram behauptet, lägen darin, durch Schmiergelder seien die Schlüssel zu bekommen.

Detektiv Krügel hat recherchiert, dass Maria Bertram 1990 Gysi anschrieb – mit dem Hinweis, dass man an eingefrorene SED-Gelder kommen könne. Gysi lehnte ab, obwohl ihr Brief freundlich begann: „Sehr geehrter Vorsitzender der PDS, es wird Sie wohl ein wenig überraschen, aus dem südlichen Bayern einen Brief zu erhalten. Wir stehen hinter Ihrer Partei und allen damit verbundenen Bemühungen äußerst wohlwollend gegenüber.

Schubeck hat inzwischen noch ein weiteres Verfahren laufen: Er klagt gegen seine frühere Partnerin.