Edgar Dürholt
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Lindberg Landing, auf dem Liard River

Teil 2

Ausgesprochen putzig war es den Seeottern zuzusehen, wie sie sich auf dem Rücken liegend treiben lassen. Sie sollen sich zu 90 % ihrer Zeit auf dem Rücken liegend sonnen und die restliche Zeit auf der Suche nach Shrimps, ihrer Lieblingsmahlzeit verbringen. Nun sind wir auch schon bald am Gletscher angekommen und wir halten unser Boot in gebührendem Abstand an, denn so ein richtig großer Brocken Eis könnte uns schon in Bedrängnis bringen.

Wir hören ihn knirschen und krachen. Der über uns aufragende Koloss bewegt sich schließlich Tag für Tag um 2,5 – 4,5 Meter ins Meer hinein und dadurch brechen unentwegt unterschiedlich große Brocken Eis ab! Wir stehen eine Weile da und beobachten das Schauspiel. Schließlich geht es zurück nach Seward, es sind immerhin über 4 Stunden Fahrtzeit zu bewältigen und es wird immer frischer bzw. kälter. Bei der Ankunft in Seward um 17:30 sind wir fast durchgefroren, trotz schützender Windjacke.

Wir sind froh zurück in unserem Motorhome zu sein und trinken erst mal etwas Wärmendes.

Am 11.9. lassen wir es nicht ganz so früh angehen, sondern schlafen etwas länger, was wir kurze Zeit später schon wieder bereuen sollten.

Unser erstes Ziel des Tages ist der gewaltige Exit Gletscher, wohl so genannt, weil er der imposante Ausfluss des Harding Eisfeldes ist. Das Hardingeisfeld mit seinen Abmaßen von ca. 50 km Länge und 30 km Breite ist übrigens eines der größten unerforschten Gletschergebiete der USA. In der Hochsaison soll hier richtig Betrieb sein, denn der Exit Gletscher ist einer der zugänglichsten Gletscher Alaskas und somit stürzen sich alle Touristen auf ihn. Doch die Hochsaison ist schon lange vorbei und wir sind die einzigen Menschen, die sich ein wenig von unten in die Gletscherspalten wagen. Die Farbe des Eises ist abhängig von der Dicke des Eises sehr unterschiedlich, es geht von schmutzig weiß über hell- bis dunkelblau. Es führt ein markierter 6 km langer Pfad auf das Harding Eisfeld, der allerdings nur mit entsprechender Ausrüstung begangen werden und mindestens 6 Stunden Zeit dafür eingeplant werden sollte! Wären wir früher aufgestanden, dann ….Aber wir haben es überwunden, nicht dort oben gewesen zu sein, denn unser Tagesziel, nämlich am Matanuska Gletscher zu campen war auch sehr verlockend (ca. 550 km). So ging es den langen Weg zurück am Portage Gletscher vorbei über Anchorage und Palmer zum RV-Park am Matanuska Gletscher. Obwohl es schon recht später Nachmittag bei Ankunft war, sind wir natürlich noch einmal aufgestiegen und wieder runtergerutscht, so wie beim ersten Mal. Aber die Versuchung auf so ein Eisfeld zu klettern ist einfach zu groß, allerdings wird man sich sehr schnell darüber klar, dass man ohne entsprechende Ausrüstung dem nicht gewachsen ist. Wir haben einen erhebenden Sonnenuntergang erlebt und so saßen wir schließlich Mutterseelen alleine auf dem RV-Park in unserem Auto bei gelungenen Steaks und gutem Rotwein. Der nächste Morgen war noch einmal so erhebend wir der Abend. Wir saßen in dem Auto, blickten auf den Gletscher direkt neben uns und frühstückten. Eine wirklich ganz besondere Situation, die man wahrscheinlich selbst erlebt haben muss, um es zu verstehen.

Nach diesem eindruckvollen Erlebnis war für den nächsten Tag, dem 12.9. jedoch wieder einmal Langstreckenfahren angesagt. Es wurde nämlich täglich kälter und wir waren noch sehr weit von unserem Ziel Vancouver entfernt. Heute wollen wir vom Matanuska Gletscher über den Glenn Hwy bis nach Tok (ca. 450 km) fahren,denn es gibt keine Querverbindung zum Alaska Hwy, den wir dann für die Weiterfahrt zeitweilig nutzen wollen. Doch heute geht es nur bis Tok, wo wir ja schon von Dawson City kommend auf diesem tollen RV-Park Sourdough (Sauerteig) übernachtet hatten. Es gibt außer toller Landschaft über diesen Teilabschnitt nichts Wesentliches zu berichten, außer dass am nächsten Morgen der Boden festgefroren war, d.h. Herbst/Winter kündigten sich deutlich an. Wie gut, dass ich die Wasserleitung noch am Abend abgeklemmt hatte, sonst wäre jetzt alles zugefroren.

Obwohl es Freitag der 13. September war, wollten wir auf dem Weg nach Haines wieder einen Rundflug unternehmen. Dieses Mal wollen wir über den Kluane National Park fliegen. Der 22.000 Quadratkilometer große Kluane National Park ist weitgehend unzugänglich und in den St.-Elias-Bergen befindet sich die größte Ansammlung von Gletschern außerhalb der Polarregion. Er ist auch ein UNESCO Weltkulturerbe und beherbergt die ungestörte Tierwelt Nord-Kanadas.

Es sind ca. 350 km bis Burwash Landing und weitere 350 km bis Haines, d.h. sehr frühes Aufstehen.

Leider ist das Wetter bei Ankunft in Burwash Landing nicht berauschend, doch unser Pilot ist bereit zu fliegen, sagt aber ordentliches Gewackel voraus. Trotzdem hat mir dieser Flug wieder große Freude bereitet, Christine hat allerdings mit sich ringen müssen, um nicht zu spucken.

Wir flogen über unendlich erscheinende Gletscherflächen, dicht unter der Wolkenuntergrenze und geregnet hat es auch einige Male. Einen so wackligen Flug über soviel Natur kann man nicht häufig erleben.

Etwa gegen 14 Uhr geht es weiter nach Haines. Wir fahren ca. 60 km den Kluane See entlang und am Südende geht es auf dem Alaska Hwy quer durch Schwemmland. In Haines Junction biegen wir vom Alaska Hwy ab, der weiter nach Whitehorse führt, und fahren Richtung Haines durch eine weitaus menschenleere Gegend, denn wir befinden uns ja am Rand des Kluane Parks. Über Whitehorse wäre es einfacher und kürzer gewesen sich unserem Ziel Vancouver zu nähern, doch warum soll man es sich leichter machen, wenn es auch schwerer geht.

Etwa 200 km vor Haines stellt sich „Freitag der 13.“ ein! Ich sehe im Rückspiegel eine große weiße Rauchwolke hinter unserem Auto und wundere mich darüber was das wohl sein könnte. Ich denke an Wasser, das auf den Auspuff spritzt und verdampft. Doch plötzlich reagiert mein Gaspedal überhaupt nicht mehr! Ich halte an, schaue unter den Wagen und sehe bzw. fühle wie eine schmierige Flüssigkeit aus der Motorgegend heruntertropft! Da der Motor noch lief, konnte es „nur“ das automatische Getriebe sein. Nun standen wir in dieser gottvergessenen Gegend und es wurde immer später, bis nach etwa einer Stunde ein PKW kam und anhielt. Es war ein alter Indianer mit seiner Frau. Sie boten sich sofort an mit mir zu der nächsten Kommunikationsstelle zu fahren. Christine ließen wir alleine zurück, denn einer musste ja auf das Motorhome aufpassen. Wir fuhren über 50 km zurück zu einem Straßenbaulager, wo wir jemanden vermuteten, dass er uns weiterhelfen könne. Wir hatten Glück, nach einigem Klopfen an dem Tor erschien ein Arbeiter. Er versprach die amerikanische Grenzstation mit einem Sprechfunkgerät anzufunken und diese wiederum zu bitten, einen Abschleppdienst in Haines, bereits wieder zu den USA gehörend, anzurufen und diesen zu bitten uns abzuschleppen.  Die Indianer fuhren mich zurück zum Motorhome, ich gab ihnen 20 $ für ihre Dienste, die sie zuerst gar nicht annehmen wollten, denn ihre Hilfe sei doch selbstverständlich und außerdem könne man ohne Hilfe anderer hier draußen sowieso nicht überleben. Erwähnen muss ich noch, wie es in ihrem Auto aussah und roch. Sie hatten mich gebeten auf dem Rücksitz Platz zu nehmen, doch lag dort erst mal ein Gewehr, das bei Seite geräumt werden musste, zwischen einem Dutzend Plastiktüten mit Brezeln und allem Möglichen an Süßigkeiten. Es roch in dem Auto irgendwie tierisch und sie erzählten mir, dass sie heute ein Stück Wild geschossen hätten, obwohl Schonzeit sei, aber sie, die Indianer, dürften immer jagen. Die ziemlich füllige Frau aß ununterbrochen aus den Plastiktüten süßen Kram.

So warteten wir etwa 3 Stunden, bis wir einen großen schweren Abschleppwagen langsam heranrollen sahen. Unser Motorhome wurde angehängt und wir fuhren im Schneckentempo zur Grenzstation, wo ich mich wieder für deren Hilfe bedankte, und weiter nach Haines. So ergab es sich, dass wir direkt neben der Reparaturwerkstatt abgestellt wurden und sogar Anschlüsse für Wasser und Strom hatten. Es war mittlerweile 22:00 Uhr und wie gesagt Freitag, nicht nur der 13., sondern auch Wochenende!

Es gelang uns am nächsten Morgen den Vermieter des Motorhomes zu informieren, der nicht gerade begeistert schien, denn dies würde ja eine teure Reparatur werden. Wir konnten leider auch feststellen, dass es in ganz Alaska kein Austauschgetriebe gab, sondern dieses aus Seattle eingeflogen werden musste. Es galt eine logistische Meisterleistung zu organisieren, denn wir mussten das Schiff nach Skagway in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch erreichen, da das nächste eine Woche später fahren würde! Das Problem wurde nicht vereinfacht dadurch, dass eine Maschine aus Seattle aber nur in Juneau landen konnte, da der Platz in Haines für eine Boing 737 zu kurz war und über keinerlei Landehilfe verfügte.

Juneau ist übrigens die Hauptstadt Alaskas und nicht Anchorage, wie ich glaubte. Doch auch dieses Problem konnten wir lösen, indem wir einen Piloten mit einer einmotorigen Maschine in Juneau ausfindig machen konnten, der das Getriebe zu uns bringen würde. Aber all dies würde nicht vor Dienstag stattfinden können.

So versuchen wir das Beste aus unserer Untätigkeit zu machen, denn nach der hoffentlichen Ankunft des Schiffes am Mittwochmorgen in Skagway, werden wir keine Zeit mehr für Sightseeing haben, sondern wir werden sofort den Pass hochfahren müssen, um verlorene Zeit aufzuholen.

Also fuhren wir am Sonntag Morgen, dem 15.9. mit einem Speedboot nach Skagway. Man könnte Skagway auch als Open Air Museum der Goldrauschzeit bezeichnen. Fast der gesamte Ort wurde unter Denkmalschutz gestellt. Die Gebäude sind weitestgehend die Originale aus den Boomjahren 1897-99. Hier in Skagway begann für Tausende Goldgräber und Abenteurer der Aufstieg über den White Pass, den etwas längeren, aber weniger steilen Pass über das Küstengebirge ins Landesinnere zum Klondike und Dawson City. Doch diese Strecke wählten nur diejenigen, die sich Träger, Pferde und Packtiere leisten konnten. Wer weder Geld für Packtiere noch für Weggebühr besaß – und das war die große Mehrzahl – nahm die kürzeste und steilste Strecke, die bei Dyea, einer Indianersiedlung, begann, nämlich den Chilkoot Trail mit dem 45 Grad steilen Anstieg über den Chikoot Pass in 1.140 Meter Höhe.

Die Nachricht von den Goldfunden schlug in San Francisco und Seattle ein wie eine Bombe und innerhalb weniger Stunden verließen Tausende ihr Heim, Familien und Beruf und buchten die nächste Schiffspassage in den Norden. Der Zug der Goldsucher – auch Stampeders genannt , weil sie wie wildgewordenes Vieh ausbrachen und durch nichts mehr aufzuhalten waren – schwoll in den nächsten Wochen auf 100.000 an. Mehr als die Hälfte von ihnen sollte den Klondike nie erreichen.

Ich muss an dieser Stelle die aberwitzige Belastung schildern, die die Goldsucher auf sich nahmen, um über den Chilkoot Pass zu kommen, denn sie ist fast zu phantastisch, um sie zu glauben.

Wie vorher beschrieben, liegen die USA und Kanada hier oben dicht beieinander und so wurden die Reisenden auf der Passhöhe von der North West Mounted Police erwartet, denn hier oben verlief die Grenze und es begann kanadisches Territorium. Im Gegensatz zum gesetzlosen Chaos auf der amerikanischen Seite gab es in Kanada strenge Auflagen, die vielen Goldsuchern im arktischen Winter das Leben retten sollten. Wer die Grenze passieren wollte, musste demnach Lebensmittel für ein Jahr sowie eine Ausrüstung für das Überleben in der Wildnis vorweisen. Damit hatte jeder fast eine Tonne Gepäck mitzuschleppen, darunter vorschriftsmäßig 500 Pfund Mehl, 100 Pfund Zucker, 80 Pfund Bohnen, 75 Pfund Schinken, 25 Pfund Rosinen, 20 Pfund Kaffee, 15 Pfund Käse, 5 Pfund Schokolade und 500 Kerzen.

Da blieb vielen nichts anderes übrig, als umzukehren und sich in Dyea und Skagway nützlich zu machen, um sich so das Geld für die Ausrüstung und Verpflegung zu verdienen.

Die Mehrzahl derer, die sich keine Träger leisten konnten, mussten ihre Habe stückchenweise voranschleppen und man manövrierte die 500 - 1.000 kg Last portionsweise über den Trail. Die meisten Stampeders schleppten alles, was sie eben tragen konnten, etwa 5 km weit, bunkerten es dort in einem möglichst wetterfesten Versteck und marschierten zum Startpunkt zurück, um die nächste Fuhre zu holen. Auf diese Weise waren sie etliche Wochen auf dem Trail unterwegs, und jeder Stampeder legte fast 3.000 km zurück, um sein gesamtes Gepäck 50 Kilometer vom Fleck zu bewegen. Eine irrwitzige Schinderei, die Jack London als Augenzeuge erlebte und in seinem Roman „Alaska Kid“ schildert.“

Hier oben peitschten auch im Sommer Schneestürme über die Passhöhe. An der letzten Wiegestelle vor dem 45 Grad Aufstieg, erläutert heute ein Schild die historische Bedeutung und spricht jenen Mut zu, die mit der Witterung hadern:

„If it’s raining and there is little visibility, the weather is normal“!

Ist es nicht ungeheuerlich, was diese Kerle auf sich genommen haben?!

Einen 45 Grad steilen Anstieg, die „Golden Stairs“, die auf 800 Meter Länge 305 Höhenmeter überwinden, mit 50 kg auf dem Rücken immer wieder rauf und runter zu gehen, das muss man sich mal vorstellen. Unglaublich aber wahr!

Aus Menschen mit dieser Einstellung wurden die Pioniere geschnitzt.

Zurück nach Haines, denn wir sind immer noch dort und nicht oben über dem Pass.

Nachdem wir nun das Freiluftmuseum Skagway gesehen haben, zieht es uns am Montag in die umliegenden Wälder, denn wir haben die Nachricht bekommen, dass das Getriebe erst Dienstag eingeflogen werden kann. Hoffentlich, denn bis Juneau ist es ein Linienflug, aber danach brauchen wir gute Sicht für die kleine Maschine, da sie dicht über dem Wasser zwischen den Bergen einfliegen muss.

Während des mehrere Stunden langen Marsches durch den Wald, haben wir versucht einem anfänglichen Pfad an der Bucht entlang zu laufen, doch der endete bald und wir liefen über Stock und Stein. Ehrlich gesagt überfiel uns, je tiefer wir in den Wald marschierten, immer mehr ein Unbehagen, schließlich wollten wir nicht unbedingt einem Bären begegnen. Wir hatten unsere Bärenglocke vorsichtshalber angehängt, auch unterhielten wir uns laut genug, sodass die Kerle uns, falls sie in der Nähe waren, uns immer früher bemerken würden, als wir sie. Es scheint geholfen zu haben, denn wir sind keinem begegnet. Ob uns ein Bär gesichtet hat? Immerhin haben wir bestimmt 5 Stunden ausgehalten bis es uns ins Motorhome und an unser Abendessen mit Wein trieb.

Es ist Dienstagmorgen 10:00 und unser Getriebe ist in Juneau angekommen, doch das Wetter ist ziemlich schlecht für einen Sichtflug nach Haines. Gott sei Dank klärt es gegen Mittag auf und wir erhalten die Nachricht, dass der Pilot bald startet. Es ist auch höchste Zeit, denn das Getriebe muss heute noch in den Wagen eingebaut werden, denn um 2:45 (Mittwochmorgen!) geht unser Fährschiff nach Skagway. Die Maschine landet gegen 15:00, wir holen das Getriebe am Flugplatz ab und beginnen sofort mit dem Einbau. Es war hilfreich, dass ich keine zwei linken Hände habe und somit den beiden beim Einbau zur Hand gehen konnte. Es war schon ein ordentlich schwerer Brocken, der wieder unter das Auto und am Motor angebaut bzw. angeflanscht werden musste. Sechs Hände waren gut zu gebrauchen, da wir mangels Hilfsmittel viel Muskelkraft einsetzen mussten. Aber die beiden waren hervorragende Mechaniker, sodass wir es um 22:00 Uhr geschafft hatten. Christine hatte unser Abendessen rechtzeitig angerichtet, sodass wir nun sofort essen und uns für die Überfahrt fertig machen konnten. Wir müssen mehr als 1 Stunde vor dem Ablegen am Hafen sein, denn es gilt wohl die schweren Fahrzeuge sicher unter Deck zu fahren. Wir bekamen einen Stellplatz unter Deck zugeteilt, stellten den Wagen dort ab und begaben uns auf das Passagierdeck.

Es sind nur etwa 20 km entlang dem Lynn Kanal von Haines nach Skagway, doch wer es auf der Straße versuchen möchte, würde um von Haines nach Skagway zu fahren, 578 km bewältigen müssen.

Wir kamen folglich sehr früh am Mittwochmorgen in Skagway an und haben uns entschieden sofort weitergefahren.

Leider haben wir uns gegen eine Zugfahrt mit der White Pass & Yukon Railroad zum White Pass entschieden, da sie uns einen Extratag gekostet hätte. Schade, es wäre eine tolle abenteuerliche Fahrt geworden.

Gut dass es heutzutage eine gut ausgebaute Straße zum White Pass gibt, sie ist zwar sehr kurvenreich, aber das haben die Berge nun mal so an sich. Es geht durch Tundralandschaft, Berghängen und Schneefeldern entlang, die es hier auch noch im Hochsommer gibt. Auch sehen wir die Geleise der Eisenbahn, die sich hin und wieder an canyonartigen Abstürzen entlangwinden. Hier hinauf haben die Goldsucher und Abenteurer ihren Proviant geschleppt. Über 3.000 Packtiere krepierten buchstäblich unter ihrer tonnenschweren Last auf dem White Pass Trail! Kurz hinter der kanadischen Grenze erreichen wir die Passhöhe des berühmten White Pass. Ab hier verlaufen die Straße des White Pass Trail und die Bahnlinie von Skagway nach Carcross. In Carcross liegt die kleinste Wüste der Welt. Sie ist entstanden aus dem feinen Grund eines Gletschersees. Starker Wind verhindert Vegetation, sodass nur wenige Pinien Wurzeln schlagen konnten. Nur wenige km weiter erreichen wir den wunderschön farbigen Emerald Lake am Klondike Hwy. Seine unwirklichen Farben haben ihm auch den Namen Regenbogensee gegeben. Man ist geneigt eher an ein Mitwirken der Farbwerke Hoechst als an ein Schauspiel der Natur zu denken. Tatsächlich entstehen die Farbspiele mit fast neongreller Intensität durch Lichtwellen, die vom weißen Seeboden reflektiert werden. Es sieht traumhaft schön aus.

Aber weiter geht es Richtung White Horse, wo wir uns den Raddampfer die „SS Klondike“ ansehen wollen. Zwischen 1937-52 transportierte der 64 Meter lange Dampfer Fracht und Passagiere von White Horse nach Dawson City über den Yukon. 36 Stunden dauerte die Fahrt abwärts mit der Strömung, doch zurück brauchte man 5 Tage gegen die Strömung!

Weiter geht es bis kurz vor Watson Lake auf dem Alaska Hwy. Ab Haines bzw. Skagway sind wir heute sicher 730 km gefahren. In Watson Lake sind wir ja schon einmal vorbeigekommen als wir uns entschlossen nach Dawson City nicht über den Alaska Hwy, sondern über den Robert Cambell Hwy zu fahren.

Auch heute, am 19.9.96, wollen wir wieder eine längere Strecke zurücklegen. Wir wollen nach Stewart (666 km) fahren, hier sollen Bären beim Lachsfangen zu beobachten sein. Wir verlassen den Alaska Hwy und fahren auf dem Cassier Hwy durch traumhafte Landschaften, die sich immer stärker in ihren Herbsttönen zeigen. Vorbei an unzähligen Seen, Flüssen und Bergen geht es auf dieser wieder staubigen Schüttelstrecke durch die einsame Wildnis nach Stewart. Auf über 500 km ist uns kein einziges Fahrzeug begegnet! Dann, kurz vor Stewart, wo wir es schon gar nicht mehr vermutet hätten, sehen wir drei Bären direkt am Abhang zum Hwy. Wir haben die Prachtexemplare in aller Ruhe aus nächster Nähe beobachten können. Sie haben sich durch uns überhaupt nicht stören lassen. Sie futterten friedlich Klee und straften uns fast mit Nichtbeachtung, d.h. hin und wieder drehten sie sich zu uns um, aber nur um zu sehen wo wir sind, um dann sofort weiter zu fressen. Es handelte sich um Schwarzbären, die zwar etwas kleiner als Grizzlys sind, aber trotzdem über gewaltige Kräfte verfügen. Sie sehen zwar zum Knuddeln aus, doch ist dies nicht zu empfehlen.

Nachdem wir die Kerle genug bewundert und gefilmt haben, geht es weiter bis Stewart zum RV-Park. Mittlerweile war es bestimmt schon 18:00 Uhr, doch kaum dass wir die Standgebühren bezahlt haben, müssen wir auch schon wieder los. Der Platzeigner gab uns den Rat sofort zu einem kleinen Fluss nach Hyder zu fahren, da dort den ganzen Tag Grizzly Bären beim Lachsfangen beobachtet worden seien. Christine war zwar mal wieder nicht sehr begeistert von der Idee, doch nach einigem Murren konnte ich sie überzeugen, denn das lassen wir uns ja nicht zweimal sagen, auch wenn wir schon über 600 km hinter uns haben. Nun liegt Hyder allerdings wieder in den USA,  es sind nur ca. 10 km bis dorthin. Der Grenzverkehr wird nicht sehr förmlich wahrgenommnen, denn man kommt sowieso nicht weiter, da die Straße hier zu Ende ist!

Wir finden auf Anhieb den kleinen Fluss, man kann sich allerdings auch nicht verfahren und schon beim Anfahren sehen wir die ersten Bären im Fluss stehen. Wir parken das Auto neben dem Fluss und gehen zu Fuß mit der Kamera bewaffnet zur Flussbiegung. Uns bietet sich ein schwer vorstellbares Bild. Direkt vor uns im Fluss, keine 10 Meter entfernt, steht ein junger Grizzly Bär von etwa 1,5 m Länge bzw. Höhe und verspeist einen Lachs. Keine 20 Meter weiter flussabwärts, steht ein wesentlich größerer Artgenosse und angelt sich gerade mit seinen Tatzen einen Lachs aus dem Wasser. Wieder etwa 50 Meter weiter unten steht eine Grizzly Mutter mit zwei kleinen putzigen Kerlchen im Wasser und fängt ebenfalls einen Lachs. Und so weiter und so weiter, denn es stehen noch 4 weitere Grizzlys in Abständen von 50-100 Metern im Fluss und fangen Lachse. Ein unwirkliches Schauspiel, auch deshalb, weil sie von uns Menschen keinerlei Notiz zu nehmen scheinen. Ob das so ist, weil Lachse fangen und fressen ihre Scheu überwindet? Nun konnte ich von dieser Stelle aus zwar all die Kerle sehen, doch zum Filmen waren mir zu viele Sträucher im Weg. Folglich ging ich parallel zum Fluss auf einem Pfad näher an den großen Kerl im Wasser heran, um dort eine gestrüppfreiere Stelle zum Filmen zu finden. So stand ich nun wiederum etwa 10 Meter entfernt von diesem Riesen, der sicher 2,5 m lang war, kniete mich nieder und filmte ihn beim Zerreißen und Verzehren von mehreren Lachsen. Natürlich hatte ich mich vorher schon gewundert, dass die Bären alle Abstand zueinander hielten, ausgenommen Mutter und Kinder. Auch bemerkte ich, dass mein Filmobjekt immer wieder in Richtung Mutter und Bärenkinder schaute, doch mehr konnte ich nicht sehen, da meine Sicht dorthin von Gestrüpp verwehrt war. Ich lugte also weiter durch die Kameralinse und filmte wie ein Weltmeister, als sich mein Gegenüber urplötzlich in Bewegung setzte und ausgerechnet die Böschung hoch in Sprüngen auf mich zurannte. Da ich, wie gesagt, das sonstige Umfeld nicht im Auge hatte, nahm ich natürlich an, dass der Kerl mich angreifen wollte. Dass ich nicht vor Schreck in die Hose gepinkelt habe, verstehe ich heute noch nicht, aber mein Herzschlag hat sich bestimmt schlagartig verdoppelt. Ich glaube ich war noch nie so schnell hoch und im Galopp zurück in Richtung Christine. Es waren nicht mehr als 200 Meter, die habe ich aber in Olympia Rekordzeit zurückgelegt.  Als ich nun wagte zurückzuschauen, sah ich überhaupt keinen Bären hinter mir. Christine wunderte sich, dass ich nun atemlos neben ihr stand, denn sie hatte alles mit angesehen. Was war geschehen? Mutter Bärin passte es offensichtlich nicht, dass mein Filmobjekt zu nah neben ihrer Familie im Wasser stand. Deshalb hatte sie mehrfach Anstalten gemacht auf meinen Bären zuzulaufen, um ihn zu verscheuchen. Bis sie es dann wirklich tat und mein Bär die Flucht ergriff, und zwar direkt auf mich zu, ohne zu wissen, dass ich ihm im Weg stand. Möglicherweise wäre er vor Schreck rückwärts die Böschung runtergefallen, wenn ich mich vor ihm aufgerichtet hätte? Jedenfalls hatte ich für heute mein Fett weg, wie man zu sagen pflegt. Wir haben den einzelnen Tieren noch eine halbe Stunde beim Zerlegen, Filetieren und Fressen der Lachse zugeschaut und sind dann zurück zu unserem Standplatz in Stewart. Heute hatte ich mir mein extra Glas Wein verdient!

Wir werden wohl am Vorabend etwas später eingeschlafen sein, denn für den 20. September wollen wir uns nicht zu viel vornehmen.

Wir fahren also erst einmal zurück zur Abzweigung (Meziadin Junction) am Cassiar Hwy, doch vorher machen wir noch einen kurzen Stop am Bear Gletscher, denn der liegt praktisch direkt neben der Straße. Allerdings liegt ein etwa 100 m breiter Schmelzwassersee dazwischen. Auch an diesem Gletscher sind wieder die hell-dunkelblauen Farbschattierungen zu bewundern.

Ab der Abzweigung geht es weiter südlich, es wird auch Zeit, denn der Herbst/Winter kommt täglich näher. Wir fahren über Hazeltown nach Morice Town, wo man bestaunen kann wie indianische Lachsfischer wie früher Lachs aus dem Bulkey River fischen. Man kann es sich hier recht einfach machen. Dort ist nämlich eine schwer zu nehmende Hürde für die Lachse auf dem Weg zu ihren Laichgründen, ein Wasserfall am Ende einer 17 m breiten Schlucht. Hier stehen die Männer auf Stegen und holen die dicht gedrängten Lachse mit Netzen aus dem Wasser. Einfacher geht es nicht.

Ab Hazeltown sind wir übrigens schon auf dem Yellowhead Hwy. Der wurde übrigens nach einem blonden Trapper benannt, der eine uralte Handelsroute der Indianer von der Prärie durch die Berge des Westens für den Pelzhandel bekannt machte. Wegen seiner hellen Haarpracht war das Irokesen-Halbblut als Yellow Head bekannt. Auf unserer Weiterfahrt nach Smithers bzw. Telkwa, wo wir uns zur Nacht hinstellen werden, begegnen uns noch 3 Schwarzbären. Einen dieser Kerle haben wir etwas länger beim ständigen Fressen zusehen können. Er führte sich mit seinen riesigen Tatzen ganze junge Bäume direkt vor sein Maul, indem er sie einfach umbog! Wenn ich mich recht erinnere, habe ich Bären eigentlich nur laufend oder fressend gesehen. Aber geht es den Menschen eigentlich sehr viel anders, außer dass wir es essen nennen?!

Am 21. September geht es ostwärts weiter auf dem Yellow Head Hwy über Prince George am Fraser River nach McBride, schlappe 800 km. Es ist schlimm, aber nach einiger Zeit nimmt man die wunderschöne Landschaft fast nicht oder nur noch selten so richtig wahr. Sie wird selbstverständlich!?

Der RV-Park in McBride war schön angelegt und sehr gepflegt. Da ich irgendwann einmal unterwegs Rippchen gekauft hatte, die nun eingefroren im Kühlschrank vor sich hin dämmerten und hier die Möglichkeit eines Lagerfeuers bestand, wurde ich sofort als Indianer aktiv. Christine war froh, die Dinger endlich aus dem Kühlschrank zu haben. („Die verdammten Ribs müssen gegessen werden!“ Ob sie sie nicht mochte?)  

Der nächste Tag, der 22. September, bringt uns zurück in die Rocky Mountains Kanadas, denn es soll von McBride weiter auf dem Yellow Head Hwy bis Jasper gehen (150 km), wo uns ein herrlich gelegener RV-Park erwartet.

Wir halten am Terry Fox Aussichtspunkt auf den Mt. Robson (3.934 m), dem höchsten Gipfel in den kanadischen Rocky Mountains an, um diesen herrlichen Anblick zu genießen. Der Aussichtspunkt wurde nach einem jungen Mann benannt, der an Knochenkrebs erkrankt war und im Alter von 22 Jahren mit einem bereits amputierten Bein über 5.000 km zugunsten der Krebshilfe gelaufen ist. 1981 starb er an seinem Leiden und zu seinen Ehren hat man diesen wunderschönen Berg nach ihm benannt.

Anschließend hat das Wetter sich allerdings von seiner winterlichen Seite gezeigt. Es war zwar wunderschön eine weiße Schneelandschaft vor sich zu haben und Schnee anzufassen, doch mit der Aussicht war es nichts. Weder am Lake Medicine oder am Maligne Lake, noch am Mt. Edith Clavell (eine englische Krankenschwester, die im 1. Weltkrieg von uns Deutschen hingerichtet wurde) war bessere Sicht, Ssodass an eine Bootsfahrt zum Spirit Island heute nicht zu denken war.

Trotz Schneefall habe ich es gewagt, die Serpentinenstraße zum Mt. Clavell hochzufahren. Es erwies sich ehrlich gesagt als ein Fehler, denn die Straße dorthin war steil und einspurig! Ich musste also sehr ordentlich fahren, immer auf der Hut sein. Wie würde ich eigentlich dort oben wenden können im Schnee? Das war z. B. eine Frage, die mich während des Aufstiegs beschäftigte. Vorsichtshalber habe ich solche Gedanken nicht erwähnt! Wir ziehen langsam auf den Weg nach oben, und plötzlich erscheint direkt rechts vor mir ein Grizzly aus dem Gebüsch. Der ist übrigens mittlerweile auch weiß und man erkennt die Kerle an ihrem Höcker. Er dackelt gemächlich vor unserem Wagen her und verzieht sich links nach oben in das Gehölz. Aber da man Bären nicht so oft schneebekleidet zu Gesicht bekommt, bin ich sofort raus aus dem Wagen und habe ihn noch ein wenig vom Dach des Motorhomes mit meiner Kamera verfolgt. Am Ende der Straße angekommen war, wie gesagt, von Edith Clavell nichts zu sehen und noch heftigeres Schneetreiben setzte ein. Die Straße war mittlerweile mit ca.8 cm Schnee bedeckt. Nun mussten wir ja diese 15 km wieder herunter fahren, doch da war nichts anderes als Schneckentempo angesagt, denn schließlich wollten wir ja unbehelligt auf dem RV-Park ankommen und ein schönes Glas Wein oder auch zwei trinken.

Auch wenn das Schneetreiben uns bzgl. der Aussichten behindert hatte, so haben wir auf dem Rückweg noch eine weitere schöne Begegnung gehabt, denn eine Gruppe Karibous versperrte uns plötzlich die Weiterfahrt zum RV-Park. Ich stieg aus und ging etwas näher auf die Gruppe zu. Es schien als sei ich zu nahe an seinem Harem herangekommen, denn das mächtige männliche Leittier gab mir mit drohend tönenden Lauten zu verstehen, dass ich mich nicht weiter nähern sollte. Der Bursche war zu groß, um ihm zu widersprechen.

Das schöne an diesen Begegnungen ist das Plötzliche und Überraschende, denn wer denkt schon beim Befahren eines Hwys an Grizzlys oder eine Herde Karibous.

Auf dem RV-Park angekommen, habe ich erst einmal den Wassertank im Fahrzeug gefüllt, denn die Leitung wollte ich nicht angeschlossen lassen, da ich Frost für die Nacht befürchtete. So war es dann auch, am Morgen war alles gefroren. Den Abwassertank hatte ich vorsichtshalber auch entlehrt, sodass wir auf kaltes Wetter eingerichtet waren.

Für den Morgen des 23. September (ca. 140 km) haben wir uns einen Spaziergang durch Jasper Town mit anschließendem Einkauf vorgenommen. Inzwischen war der Kühlschrank wieder leer und es gab hier große Einkaufsmärkte. Alles Weitere ist wetterabhängig.

Wir wurden jedoch von Sonnenstrahlen geweckt, und somit konnten wir auf einen sonnigen Tag hoffen. Als die Sonne etwas höher stand und es somit wärmer wurde, sind wir zum dem etwa 40 km entlegenen Maligne Canyon gefahren. Durch diese 50 m tiefe und an manchen Stellen nur 2 m breite Schlucht braust der Maligne River.

Aber unser eigentliches Ziel des Tages war Spirit Island im Maligne Lake. Die Straße dorthin führt vorbei am Medicine Lake. Es ist ein kurioser See, denn das Kalkgestein am Seegrund ist so porös und verkarstet, dass der Maligne River nicht wie jeder andere normale Fluss oberirdisch aus dem See strömt, sondern 16 km durch die Höhlen im löchrigen Untergrund fließt. Wenn das Schmelzwasser im Herbst aus den Bergen nachlässt, verschwindet der See sogar ganz und füllt sich erst im Frühjahr wieder. Die Indianer vermuten hinter diesem Naturereignis „bad medicine“, daher der Name Medicine Lake.

Etwa 10 km weiter erreichen wir den Maligne Lake und wir kaufen uns sofort Tickets für die Bootsfahrt zu dem berühmten Spirit Island. Es ist bereits Mittag und die Sonne scheint, was die Umgebung natürlich noch schöner erscheinen lässt. Die einfache Bootsfahrt zum Spirit Island am Südende des Sees dauert 1 ½ Stunden. Trotz Sonne war die Fahrt eisig frisch über dem See, doch am Ende wird man durch das schönste Postkarten Panorama der Rockies belohnt. Es sieht unwirklich schön aus, wie dort eine kleine Gruppe Tannen auf einer mehr Halbinsel als Insel steht, umgeben vom grünschimmernden Wasser des Sees und im Hintergrund schneebedeckte Berge und Gletscher von über 3.000 Metern Höhe. Der Maligne Lake ist übrigens mit seinen 22,5 km Länge nach dem Baikal See der größte Gletschersee der Welt.

Das Panorama hatte uns so stark fasziniert, dass wir uns nach unserer Bootsfahrt entschlossen, noch ca. 4 km am See entlang zu wandern, um es noch eine Weile länger genießen zu können.

Auf der Rückfahrt zum RV-Park sahen wir einige Autos ohne ersichtlichen Grund am Straßenrand stehen. Da aber niemand in dieser Gegend grundlos am Straßenrand sein Auto abstellt, haben wir auch angehalten, um nachzuschauen was da los ist, obwohl man eigentlich nicht aussteigen sollte. Mit Kamera bewaffnet ging ich in das Gestrüpp, wo mir auch sofort jemand den Grund unseres Anhaltens zeigte. Ein riesiger Elch stand im Gebüsch links keine 20 Meter neben uns und rechts von uns noch ein weiterer. Mir wurde auch sofort angedeutet, mich langsam und sehr vorsichtig zu bewegen und nicht näher heranzugehen. Es war Brunstzeit und diese beiden Elchbullen kämpften um die Damen. Wir beobachteten wie die beiden Elche ihre Köpfe hin und her wiegten und immer wieder grollende Laute ausstießen. Wenn auch nur einer der Beiden sich uns näherte, ergriffen wir langsam die Flucht, denn es ist offensichtlich nicht angebracht, sich mit ihnen einzulassen. Sie sollen sogar in der Brunstzeit recht gefährlich sein.

Wir konnten uns wieder nicht beklagen, denn der Tag war auch wieder mit Höhepunkten gespickt.

Am 24.9. geht es auf dem Icefield Parkway, der berühmtesten Panoramastraße Kanadas nach Süden bis zum Lake Louis Village. Die Straße verläuft parallel zum Hauptkamm der Rocky Mountains und überquert den Sunwapta und Bow Pass (290 km). Doch bevor wir Lake Louis Village erreichen, gibt es noch einiges zu sehen.

Es beginnt schon nach 10-minütiger Fahrt. Eine Gruppe Waipitis versperrt uns den Weg auf dem Hwy. Sie überqueren langsam und fast gemütlich als wüssten sie, dass sie Vorfahrt haben, den Hwy und grasen auf der anderen Seite am Straßenrand.

Unser erstes Ziel des Tages sind die Athabaska Fälle. Ein Aussichtspunkt jagt den anderen, man könnte alle 500 m stehen bleiben und sich das Panorama ansehen, so schön ist es hier oben an einem sonnigen Tag.

Als nächstes folgen die Sunwapta Fälle, an die man bis zum Rand des Canyons gehen kann und die gewaltigen Wassermassen praktisch an den Füßen vorbei in die Tiefe rauschen sieht. Hier kann man die Kraft des Wassers förmlich spüren.

Der nächste Höhepunkt ist nur wenige km weiter entfernt zu sehen, das 325 qkm große Columbia Icefield. Mehr als 10 Meter Schneefall im Jahr speisen den 3.000 m hoch gelegenen und 360 m dicken Eispanzer, der über der kontinentalen Wetterscheide liegt. Man muss sich mal vorstellen: die Schmelzwassers des Columbia Icefields über den Columbia River in den Pazifik fließen und über den Athabaska und McKenzie River fließen in das Nordpolarmeer und über den North Saskatchewan River in die Hudson Bay und somit in den Atlantik. In Amerika ist ja sowieso alles größer, wie wir schon wussten?!  

Wir parken unser Motorhome am Ende der Stichstraße, an der Geröllhalde der Endmoräne, und laufen zum schmutzigen-grauen Ende des Athabaska Gletschers. Man kann 4-stündige geführte Touren auf dem Gletscher unternehmen oder auch mit einem riesigen speziellen Fahrzeug auf den Gletscher fahren. Wir haben beides nicht gemacht, sondern uns „nur“ von den Eismassen beeindrucken lassen.

Nur 1-stündiger Rast ging es weiter über den Sunwapta Pass zum nächsten Aussichtspunkt am Mistaya Canyon und als nächstes zum Peyto Canyon Trail, einem kurzen Fußweg zum Peyto Lake Ausblick. Nirgendwo sonst hatten wir einen solch guten Ausblick auf einen vom Schmelzwasser eines Gletschers gespeisten See. Besonders hier kann man die durch Gesteinsmehl bedingten türkisblauen Reflektionen als Schimmern im See bewundern. Eine herrliche Farbe, besser könnten selbst die Farbwerke Hoechst sie nicht herstellen. Als letzten Punkt des Tages steuern wir dem Aussichtspunkt am Bow Lake zu. Hinter saftigen Wiesen liegt eine Lodge mit knallrotem Dach direkt am See und dahinter sieht man den Bow Gletscher zum See hinunterschieben und rechts daneben den 2.000 m hohen Bow Summit. Wieder eine ganz tolle Landschaft, man kommt nicht umhin als laufend mit offenem Mund dazustehen und zu staunen über das, was uns die Natur so alles geschenkt hat.

Der letzte Tag in den Rocky Mountains, der 25. September, verwöhnt uns noch einmal so richtig mit seiner wunderbaren Landschaft (ca. 500 km). Zuerst fahren wir an einen Aussichtspunkt zum Peyto Lake. Eine idyllischere Landschaft kann man sich kaum vorstellen. Im Vordergrund stehen einige Tannen zwischen Felsbrocken, aber die Aussicht nicht versperrend auf den türkisfarbenen See mit den schneebedeckten Bergen im Hintergrund, die sich im See spiegeln und einem großen Wald voller dichter Tannen auf der rechten Seite. Man kann sich gar nicht satt genug sehen.

Als nächstes fahren wir zum Königssee Kanadas, dem Lake Louise, wieder einem Juwel der Rocky Mountains, allerdings ziemlich überlaufen, da alle Touren hier vorbei führen. Auf dem Weg in Richtung Vancouver fahren wir noch den Moraine Lake an, denn er liegt sozusagen an der Straße, wenn man die Anfahrt von ca. 15 km nicht zählt. Auch hier lohnt es sich noch einmal richtig Berge und See in sich aufzunehmen, denn nun gehen wir auf dem Trans Kanada Highway (No. 1) unserem vorletzten Ziel unserer Reise entgegen. Es geht über das Städtchen Golden, den  Roger Pass im Gletscher Nationalpark, den Columbia Fluss an dem Städtchen Revelstoke vorbei bis Monte Creek, in dessen Nähe wir übernachten wollen.

Am Roger Pass werden jeden Winter auch heute noch schwere Mörser der kanadischen Armee in Stellung gebracht, um die Schneelawinen rechtzeitig abzuschießen, bevor sie größeren Schaden anrichten können.

Unser vorletzter Reisetag bzw. Fahrtag soll uns bis kurz vor Hell Gate (Höllenpforte), einer Attraktion am Fraser River, führen (ca. 450 km). Es geht durch die Stadt Kamloops am Kamloops Lake entlang bis Savona, wo wir uns hingestellt und herrlich zu Mittag gegessen haben. Das Landschaftsbild hat sich vollständig verändert, denn hier befinden wir uns in einem extrem trockenen Teil von British Columbia. Das ausgedörrte Land ist sehr fruchtbar, doch es muss vom Fluss her bewässert werden. Auf riesigen Plantagen wird hier Ginseng angepflanzt. Auch befindet sich in diesem Gebiet die größte Cattle Ranch Kanadas, eine 200.000 Hektar große Ranch!

In Cache Creek fahren wir weiter südlich auf dem Hwy, an dem wir schließlich auf den Fraser River stoßen. Wieder hat sich die Landschaft extrem verändert. Der Fraser River fließt durch seinen mitunter breiten Canyon nach Süden, nach Vancouver. An den Hängen des Canyon zieht sich eine Eisenbahnstrecke entlang, auf der wir auch einen unglaublich langen Güterzug sich abquälen sehen konnten. Trotz mehrerer Lokomotiven zog er im Schneckentempo dahin. Wieder möchte man ein paar Stunden stehen bleiben und sich nur die Landschaft anschauen.

Am letzten Tag unserer Fahrt, dem 27. September, schauen wir uns vor Abfahrt noch das Spektakel am Hell Gate an. Hier muss sich der Fraser River durch die engste Stelle der Felsen fressen, eine nur 40 m breite Schlucht. Es toben gewaltige Wassermassen durch die Schlucht. So ein Schauspiel darf nicht ungenutzt bleiben. Folglich hat ein Betreiber eine 150 m Seilbahn gebaut, die zu einer Touristenfalle mit Restaurant und Andenkengeschäft führt. Es gibt auch eine sogenannte Fischleiter zu sehen, die den Lachsen hilft, ihren Weg zu den Laichgründen durch diese Stromschnelle überhaupt zu schaffen. Es gab nämlich beim Eisenbahnbau eine missglückte Sprengung, die das Flussbett derart verengte, dass selbst die kräftigsten Lachse es nicht mehr durch die starke Strömung schafften. Millionen von Lachsen verendeten hier ohne ihre Laichgründe erreicht zu haben, bis dann diese Fischleiter gebaut wurde.

Weiter geht es über Hope, einem verschlafen wirkenden Ort, im dem „Rambo“ gedreht wurde. Ob sich ein Teil seiner Einwohner auch heute noch wie Rambo fühlt?

Nun sind es nur noch ca. 100 km bis Vancouver und bald schon zeichnet sich die Silhouette der Stadt ab. Ich bin es überhaupt nicht mehr gewohnt durch so viel Verkehr zu fahren. Man wird ein wenig unsicher im starken Verkehr und es bedarf schon einigen Minuten bis man sich daran gewöhnt hat bzw. erinnert wie das so geht.

Wir erreichen unseren letzten RV-Park um ca. 14:00, schließen alles an, sodass ich am nächsten Morgen nur noch das Abwasser ablassen muss.

Nun rufen wir unseren Motorhome-Vermieter an, einen ehemals Deutschen, der uns zum Abendessen in ein Steakhaus einlädt. Natürlich konnte er nicht verbergen, dass das Getriebe sehr teuer gewesen sei. Es war ein ziemlich langweiliger Abend und Gott sei Dank früh zu Ende.

Auf dem RV-Park trafen wir dann zufällig einen anderen Deutschen, der seine Angebetete in Vancouver besuchte. Wir luden ihn in unser Home ein und er erzählte uns seine Lebensgeschichte.

Ich mache es kurz.

Er wurde sehr jung (mit 40 Jahren) als hoher Regierungsbeamter in den Ruhestand versetzt und machte sich sofort nach Kanada auf. Wie wir heute wissen, wird man aus Kanada nicht ausgeliefert! Folglich hatten wir den Eindruck, dass er beide Hände zu weit aufgehalten hatte. Seit 20 Jahren lebte er nun mit seiner Schwiegermutter und seiner Frau, die allerdings vor ein paar Jahren verstorben war, in Kamloops. Hin und wieder stattet er seiner neu Angebeteten einen Besuch in Vancouver ab, wohnt aber auf dem RV-Park! Das muss ein tolles Verhältnis sein. Doch wollte er sie nun bald fragen, ob sie nicht heiraten sollen. Allerdings traut er sich nicht so recht zu fragen, denn wer will schon nach Kamloops ziehen. Es war für uns ein irgendwie belustigender Abend. Wenn einer eine Reise tut…

Am nächsten Morgen brachten wir das Motorhome zum Vermieter und am Nachmittag flogen wir nach San Diego zu meiner Tochter.  

Wir hatten eine sehr schöne und sogar teilweise aufregende Reise durch die einsamsten Gegenden dieser Welt erleben dürfen. Wir sahen eine Landschaft, die sich im Laufe unserer Fahrt immer stärker herbstlich einfärbte, wir erlebten den Indian Summer. Wir haben eine solche Vielfalt an riesigen Wäldern, herrlichen Seen, reißenden und majestätischen Flüssen, tiefen Schluchten und herabstürzenden Wasserfällen, unübersehbare große Gletschermassive und schneebedeckte Berge gesehen, sodass die Sinne es nicht leicht hatten dies alles aufzunehmen bzw. zu verarbeiten. Aber das war ja noch nicht alles, denn die urplötzlichen Begegnungen mit der Tierwelt in freier Natur waren alleine schon diese Reise wert. Die Anstrengungen sind schnell vergessen. Wir haben einen  atemberaubenden Teil unserer Erde gesehen. Wir hätten leicht die doppelte Zeit dort verbringen können.  

Eine solche Reise ist etwas, was einem nie mehr genommen werden kann.