Edgar Dürholt
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Dani bei Wamena
Toraya Village, Celebes

Irian Jaya/New Guinea, Rantepao/Celebes und Tenggarong/Borneo

im Juli 1975                                      

Irian Jaya ist der östlichste Teil des Indonesischen Inselreiches, das erst 1969 von den Holländern an Indonesien abgetreten wurde. 1828 nahmen die Holländer den Westteil in Besitz. Das deutsche Kaiserreich von 1884 bis 1914 den nordöstlichen Teil, das Kaiser-Wilhelm-Land und der südöstliche Teil wurde ab 1884 Britisch und 1901 Teil Australiens . Heute ist New Guinea geteilt in den östlichen Teil, Papua New Guinea, und den westlichen Teil, Irian Jaya. New Guinea wurde bereits 1526 von den Spaniern entdeckt, aber erst 1606 als Insel erkannt.

Aufmerksam wurde ich auf Irian Jaya durch einen Bekannten, der den australischen Teil der Insel besucht hatte. Des Weiteren hat mich das Buch  "Gardens of War", es beschreibt die Expeditionsreise von M. C. Rockefeller, so stark fasziniert, dass es mich nicht mehr los ließ. Ich wollte dieses Land selbst einmal sehen. Fast wäre mir die Reise doch nicht geglückt, denn erst 4 Wochen vor Abreise konnte ich einen Mitreisenden finden. Den meisten Gefragten wird die Reise wohl zu mühselig erschienen sein.

Die Vorbereitungen zu dieser Reise haben fast ein ganzes Jahr gedauert. Ich habe die Franziskaner in Jayapura/Irian Jaya angeschrieben und ersten Kontakt mit der einzigen Airline, die Irian Jaya anflog, der Merpati Nusantara, in Jakarta aufgenommen. Der General Manager von Merpati Nusantara, den ich zufällig später auf einem Empfang in Tokyo kennenlernte, hat für uns (Oberstudienrat Kolmer, Dt. Schule Tokyo und mich) die behördlichen Genehmigungen besorgen lassen. Um überhaupt in Irian Jaya einreisen zu dürfen, musste für uns eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden. Um diese zu erreichen wurden wir kurzerhand zu Anthropologen erklärt, denn von diesen wurde nicht vermutet, dass sie sich mit der Widerstandsbewegung in Verbindung setzen würden.

Ein anderer sehr wichtiger Teil der Organisation galt unserem täglichen Wohlergehen. Es war sicher, dass wir im Hochland von Irian Jaya rund um Wamena keine Lebensmittel würden kaufen können. Auf eine solche Möglichkeit in Jakarta wollte ich mich auch nicht verlassen. Dort würde es sicher vielerlei zu kaufen geben, doch ob auch haltbare Lebensmittel nach unserem Geschmack dabei sein würden, war eher fraglich. Selbst die Auswahl in Tokyo war eher bescheiden, doch Brot und Corned Beef in Dosen sowie ein paar Beutel Nudelsuppen zum Aufbrühen hielt ich für die beste Lösung.

Da es keine Straßen und Wege, sondern höchstens Pfade geben würde, war ein Kompass auch ein wichtiges Utensil.

Doch noch wichtiger waren sicher unsere „Wasseraufbereitungstropfen“, denn wir konnten ganz sicher davon ausgehen, unabgekochtes Wasser aus Bächen und Flüssen trinken zu müssen. Dies bedeutete nichts anderes als Wasser in die Feldflasche schöpfen und Tropfen rein, 10 Minuten warten und das Wasser war trinkbar, ohne sich eine Schlimme Infektion zu holen. 

Neben der vorgenannten Feldflasche waren auch noch wasserfeste Streichhölzer Teil der wichtigen Ausstattung.

Es sollte sich herausstellen, dass es vor Ort außer Bananen keine genießbaren Lebensmittel für uns gab. Selbst Coca Cola gab es nicht, ein eindeutig sicheres Zeichen der Zivilisation entronnen zu sein!

Der erste Teil des Fluges ging von Tokyo nach Jakarta.

Dort war unser erster Gang zu einer Art Polizeistation, wo uns die Papiere, d.h. die Ausnahmegenehmigungen zur Einreise nach Irian Jaya natürlich gegen Entgelt ausgehändigt wurden.

In Jakarta selbst haben wir praktisch nur einen Tag und eine Nacht verbracht, denn unser eigentliches Ziel lag im Osten viele tausend Kilometer entfernt.

Jakarta war bis 1975 nicht die einzigste südostasiatische Stadt, die ich gesehen hatte, doch schien sie mir die exotischste zu sein. Es herrschte ein buntes Treiben auf den Straßen und an einem kleinen Fluss in der Stadt. Die Menschen verrichteten ihre Notdurft am Straßenrand oder auch für jedermann sichtbar am Flussrand, im dem nicht viel weiter unterhalb eine Frau Wäsche wusch und sich eine weitere Gestalt die Zähne putzte. Man schien ziemlich abgehärtet zu sein?!

Die nächste Etappe war ein 10-stündiger Flug mit einer 4-motorigen Maschine von Jakarta über Ujung Padang/Celebes nach Biak, einer Insel nordwestlich von Irian Jaya. Von Biak aus ging es in einem 2-stündigen Flug weiter mit einer 2-motorigen Maschine nach Jayapura, an die Nordküste von Irian Jaya. Früher hieß diese Stadt Sukarnopura, nach dem ersten Präsidenten des Staates.

Vor dem Weiterflug in das Landesinnere übernachteten wir in einer Mission. Als ich dem Missionar erzählte, wodurch ich zu dieser Reise inspiriert wurde, nämlich durch das Buch „The Gardens of War“, berichtete er uns von der Reise Michael Rockefellers in die Region, in die auch wir wollten. Entgegen der offiziellen Leseart, dass Rockefeller im Einbaum auf das Meer hinaustrieb und für immer verschwand, erzählte er uns etwas ganz anderes.

Rockefeller war auf seinen Expeditionen darauf aus, authentische Bilder der Lebensweise einiger Eingeborenenstämme zu filmen. Er zettelte dazu "Kriege" an, um gute Szenen drehen und photographieren zu können.

Nun muss man sich einen Krieg unter den Dani (der Name eines Stammes im Hochland) etwas anders vorstellen als das was wir darunter verstehen. Die Dani hatten nur Holzpfeile, sodass bei einem Treffer der Getroffene nicht daran starb, sondern wenn er Pech hatte an der Entzündung der Wunde! Auch kam nicht jeder zum Krieg Gerufene sofort dem Ruf nach, sondern teilte auch schon mal mit keine Zeit zu haben. Es kam auch vor, dass im Krieg tanzende und springende Krieger plötzlich keine Lust mehr hatten. Dann teilte man eben den anderen Teilnehmern mit, dass man jetzt nach Hause gehe.

Rockefeller verfügte offensichtlich über genügend Mittel, um viele Totenköpfe und Kopfknochen von den einheimischen Kopfjägern, die diese selbst oder deren Vorfahren erbeutet hatten, im Tausch zu erstehen. Durch den Besitz der vielen Köpfe und Knochen galt er schließlich als der größte Kopfjäger. Dies wiederum hat einen Mutigen dazu verführt, den größten Kopfjäger zu töten, um folglich nun der größte Kopfjäger zu sein. Da diese Begebenheit  nicht im Sinne der Expedition war, wurde die erste Geschichte erfunden. Was kann man aus dieser Geschichte schließen? Um sich seines Lebens sicher zu sein, sollte man nicht zu viele Köpfe sammeln.

Als ich am Morgen in die Küche unserer Unterkunft kam, um Wasser für Tee zu kochen, kamen mir aus dem Gasherd zwei ca. 8 cm lange Aburamuschis (Kakerlaken) entgegen. Diese Größe war ich nun doch nicht gewohnt, obwohl ich in Japan auch schon ordentliche Exemplare gesehen hatte.

Ansonsten war das Haus umringt von riesigen Hibiskussträuchern, die wunderbar blühten.  

Der Flug in das Hochland nach Wamena ging sehr früh los, ich glaube es war 5 Uhr als wir aufstehen mussten.

Eine DC 3 stand auf dem Vorfeld und wurde vom Piloten inspiziert. Diese Maschine besteht äußerlich aus einer Haut, die wie aus Wellblechen zusammengeschraubt aussieht.

Auf diesem Flug servierte uns die erste und einzige lokale Stewardess der Airline Säfte. Die junge Frau war für unsere Augen unbeschreiblich hässlich, wirklich mehr Affe als Mensch. Sicher hat der Absprung der Dani vom Baum einige Jahre später stattgefunden.

Kurz vor dem Einsteigen in die Maschine fiel mir meine Minolta Kamera zu Boden. Die elektronische Messung im Kopfteil der Kamera war jetzt defekt. Somit musste ich von nun an alle Aufnahmen mit verschiedenen Verschlusszeiten  aufnehmen, um wenigstens ein gutes Bild zu schießen.

Der Flug ging über vernebelte waldbedeckte Schluchten am frühen Morgen in Richtung Wamena. Wir saßen in der unverkleideten Maschine auf einer Bank an der Außenwand.

Aus dem Fenster konnte ich nach einiger Zeit schon sehen, wovon ich gelesen und was mich so fasziniert hatte, "The Gardens of War". Dies sind angelegte Felder von wenigen Metern Breite, die immer wieder von einem

ca. 1 m breiten Wassergraben voneinander getrennt sind.

Die einzige Feldarbeit, die die Dani Männer verrichten, ist den runter gerutschten Schlamm aus den Gräben immer wieder auf die Felder zu schaffen.

Diese Gärten, in denen Süßkartoffeln angepflanzt werden, sind auch immer wieder Anlass zu Stammesfehden gewesen. Auf New Guinea gibt es über 650 Sprachen, nicht Dialekte. Da wundert es einen nicht mehr, dass es häufig zu Stammesfehden kam, denn wenn man sich untereinander nicht verständlich machen kann, führt dies immer wieder auch zu Kriegen in der Neuzeit. Außer Süßkartoffeln und Bananen gibt es schon fast nichts mehr Essbares im Landesinneren, natürlich abgesehen von den Schweinen, die so lange sie lebten, äußerst liebevoll behandelt wurden. Dies ging so weit, dass junge Ferkel an der Brust junger Mütter gesäugt wurden. Dass diese Brust dabei etwas leidet, bzw. um 10 cm länger gezogen wird, ist ein unansehnlicher aber sicher bei den Dani akzeptabler Nebeneffekt, denn schließlich liefern die Schweine Fleisch und Fett.

Wir landen am frühen morgen in Wamena im Hochland von Irian Jaya. Wamena ist ein Dorf das aus unansehnlichen Wellblechhütten besteht. Durch dieses Hochtal, wir sind immerhin auf 1.400 Meter über dem Meeresspiegel, fließt der Baliem Fluss.

Auf dem kurzen Weg zu unserer Herberge begegnen wir bereits den ersten Einheimischen, den "Dani". Die Männer tragen neben ihrer Nacktheit einen beeindruckenden Penishalter. Dies sind ausgehöhlte Rohre einer Kürbispflanze. Die Penishalter haben natürlich verschiedene Formen und Längen, d.h. es gibt kurze, mittlere und lange gerade Formen, sowie um jeden beliebigen Winkel Gebogene, eben alle Formen, die die Natur geschaffen hat. Mindestens die ganz langen Halter werden mit einer Schnur um den Körper in Bauchnabelhöhe gehalten, denn anscheinend ist ein 70 cm langes Rohr selbst von einem erigierten Penis auf Dauer nicht in Balance zu halten.

Natürlich habe ich mir zum Ende der Reise auch einen Satz Penishalter zugelegt. Einen wunderbar geraden Langen, sowie einen um 90° gebogenen Kurzen. Leider ist mir das lange Prachtstück irgendwann einmal zerbrochen, so dass ich heute nur noch den kurzen Krummen habe.

Unser "Hotel" für die erste Nacht bestand auch aus einer Aufreihung von Blechhütten als Zimmer. Der Eingang jeder Hütte war von der Seite durch eine Blechtür zugänglich. Im Inneren befanden sich 2 Feldbetten und ein Tisch sowie 2 Plastikstühle, d.h. im ersten Zimmer stand ein Bett, 1 Tisch und 2 Stühle und im zweiten Zimmer das zweite Bett. Elektrisches Licht gab es natürlich nicht, dafür erhielten wir aber eine ein wenig gefüllte Petroleumlampe. Zum Abendessen gab es eine Banane und ein paar Toastbrote, die ziemlich schrecklich aussahen. Die Banane und unser Sandwich konnten wir nicht im Restaurant essen, denn ein solches gab es nicht. Folglich saßen wir bei Petroleumlampe und Tee in unserer Blechhütte.

Mein Mitreisender, ging um ca. 22 Uhr in seinen Schlafsack und ich saß noch ein wenig vor der Tür, da ich nicht müde war.

Als ich mich dann vielleicht 30 Minuten später auch auf meinen Schlafsack gelegt und die Augen geschlossen hatte, hörte ich das Laufen eines Tieres auf dem Dach. Mir war sofort klar, dass es sich um eine Katze handeln musste. Es trippelte immer wieder hin und her. Doch schließlich kam das Getrippel über mir in der Ecke des Blechdaches zum Halt. Leider war ich noch nicht eingeschlafen und nahm meine Taschenlampe als es ganz still wurde, um in die Ecke über mir hin zu leuchten. Die Tatzen, die sich mir darboten, waren jedoch nicht schön samtig wie die einer süßen Katze, sondern ich sah nur ein paar Zehen, die sich aber blitzartig beim Schein der Taschenlampe zurückzogen. Nun war klar, dass es sich nicht um eine Katze, sondern um ein anderes Tier auf dem Dach bzw. über mir in der Ecke handeln musste, aber was für eins wurde mir noch nicht klar, da ich diese munteren Vierbeiner nicht auch auf Dächern vermutete. Jedes Mal wenn nun das Trippeln erlosch, blitze meine Taschenlampe in die Ecke direkt über mir. Beim 3 oder 4 Anstrahlen sah ich nunmehr nicht nur Zehen, sondern ganze Beine, die wiederum gar nicht so hübsch wie Katzenpfoten waren, sondern eher ziemlich nackt und knöchern aussahen, doch noch wusste oder vielleicht wollte ich es auch nicht wissen, was da oben über mir saß. Es mag beim 7. Anleuchten gewesen sein, dass das über mir sitzende Tier wohl keinerlei Lust mehr verspürte, sich von meinem Taschenlampenschein verjagen zu lassen, sondern es blieb so weit aus dem Dachloch an der Wand sitzend hängen, als wären ich und mein Scheinwerfer gar nicht vorhanden. Nun sah ich meinen Besucher einen Meter über mir sitzen bzw. an der Wand klebend. Es war eine recht ausgewachsene 40-50 cm lange Ratte (ohne Schwanz). Einen meiner schweren Wanderstiefel,  die direkt neben mir auf dem Fußboden standen, hatte ich schnell in der Hand und ihn in Richtung Besucher geworfen. Dieser floh in Windeseile und ward für eine Minute nicht mehr gesehen. Diese Spiel, d.h. Ratte kommt an Wand runter und ich werfe Stiefel nach ihr, wiederholt sich mehrfach, doch bin ich viel zu langsam, um zu treffen. Jedes Mal ist sie vor meinem Stiefel wieder im Loch an der Decke verschwunden. Doch mein Besucher gibt nicht auf, irgendetwas scheint sie in unserem Raum zu interessieren. Nach meinem letzten Wurf geht mein Besucher in die Offensive, d.h. sie springt von der Wand auf den Fußboden direkt über mich hinweg und verschwindet in einer Ecke des Zimmers. Nach dem Verrücken des Bettes springt sie auf und rennt in das Nebenzimmer, in dem Kolmer selig schläft und schnarcht.

Um meinen Schlaf war es allerdings geschehen, denn ich wollte nicht in einem Zimmer mit einer herumlaufenden Ratte schlafen. Also nehme ich den Plastikstuhl und setze mich vor die Tür. Zwischenzeitlich bin ich wieder voll angezogen, einschließlich der geworfenen Stiefel. Vor der Blechhütte ist alles still, bis auf die Geräusche der Tierwelt bei Nacht. Ich versuche im Stuhl sitzend zu schlafen, doch die um mich herum sausenden Fledermäuse bzw. fliegenden Hunde sind von beachtlicher Größe, sprich Spannweite 1-1,5 m, wollten mir auch nicht so recht den Schlaf gönnen. Nach einigen Stunden bzw. um ca. 3 Uhr nachts hatte ich die Nase vom Schlafen im Sitzen gestrichen voll. Also bin ich voll angezogen mit Stiefeln in meinen Schlafsack auf das Feldbett umgezogen, habe den Schlafsack über meinem Kopf zugezogen, sodass nicht einmal mehr mein Gesicht sichtbar war, und habe mich auf den Bauch gelegt. Ich bin sofort eingeschlafen. Die Ratte hat mich nicht mehr stören können, ich war einfach zu kaputt, um nicht schlafen zu können!!

Ein erster Tagesausflug in die nähere Umgebung von Wamena brachte uns zu einem kleinen Dorf der Dani. Man muss sich einige kleine runde und eine lang gezogene Strohdachhütte in einem aus Pfählen eingefriedetem Oval vorstellen. Die runden Hütten dienen Männern und Frauen getrennt als Schlafstätte. Die lang gezogene Hütte dient als Versammlungsort oder auch als "Küche". Auch die Gärten waren mit Pfählen umringt, sicher, um sie vor Schweinen oder Nachbarn besser zu schützen.

Am Rande des Dorfes bzw. Gartens standen auf mehreren Seiten etwa 5-7 Meter hohe Aussichtsplattformen. Man muss sich einen aufgestellten Baumstamm mit seitlich eingelassenen hölzernen Sprossen vorstellen. Diese Türme dienten den Danis um Ausschau nach Feinden zu halten. Wie man sich vorstellen kann, ging es bei den Feindseligkeiten wie immer um Frauen, Schweine oder die Gartenfrüchte, wobei die erste Priorität den Schweinen zukommt, nachdem sie seit dem Ende der 60er Jahre leider keine Feinde mehr verspeisen durften. Gut, dass sie sich '75 bei meinem Besuch daran hielten, was jedoch nicht auf alle Dörfer zutraf.

Das Verschleppen bzw. Stehlen von Schweinen oder Frauen führte dann zu blutigen Konflikten, die man sich allerdings etwas anders als ein aufeinander Losgehen vorstellen muss. Sicherlich abhängig von der Schwere oder auch der gerade vorherrschenden Stimmung wurde nach einem solchen Vorfall sozusagen die "Schlacht" ausgerufen. Dies bedeutete, dass ein Nachbar dem anderen mitteilte, dass er sich mit Pfeil und Bogen auf dem dafür vorgesehenen Platz einfinden solle. So wurden sie informiert, dass ab morgen um 15 Uhr Krieg sei. Nicht alle hatten wohl immer Lust zum Krieg und blieben einfach zu Hause, obwohl "Krieg" eine der wenigen männlichen Beschäftigungen war.

Die Kriegswerkzeuge wie Pfeil und Bogen waren auch nicht tödlich im Einsatz, sondern verletzten die Krieger eigentlich nur. Doch dies führte auf Grund von Vereiterungen bzw. Infektionen dann doch noch häufig zu einem qualvollen Tod des Verletzten.

Verheiratete Frauen, unverheiratete Frauen und junge Mädchen unterscheiden sich in der "Kleidung" dadurch, dass verheiratete Frauen verschlungene strickähnliche Gewebe um die Hüften schlagen, während die unverheirateten Frauen und Mädchen einfache helle Baströcke tragen.

Der Sex scheint irgendwo im Feld und Wald stattzufinden, denn die Männer und Frauen schlafen getrennt voneinander in ihren Hütten. Erwähnt wurde, dass der Mann in die Hände klatscht und damit seiner Frau das Zeichen zum Sex ankündigt. Leider habe ich es weder klatschen gehört, noch ein Paar in den Wald rennen sehen.

Auf einem Tagesausflug kamen wir auch an einem Dorf vorbei, dass offensichtlich schon mal Weiße zu Besuch hatte. Der Häuptling trug eine kurze Hose, die mindestens so schwarz war wie das Gesicht seines neben ihm stehenden Freundes. Der hatte sein Gesicht nach Dani Art mit Schweinefett und Ruß geschminkt. Durch die kurze Hose bedingt trug der Häuptling leider keinen Penishalter mehr, obwohl dies sicher sehr gut ausgesehen hätte, wenn dieser so aus dem Hosenstall herausgeragt hätte. Dafür trug der neben ihm Stehende ein umso imposanteres Exemplar auf dem Schniedelwutz.

Nachdem wir uns auch an den Schönheiten des Dorfes und deren verschiedene langen Brüsten, eben durch die Schweineaufzucht bedingt, ergötzt hatten, führte uns der Häuptling seinen Vater vor. Wir mussten allerdings in seine Hütte und ihn uns in seiner finsteren Ecke ansehen. Der alte Herr wirkte, bedingt durch seine Behandlung, etwas ausgetrocknet, denn er war ja auch mit angezogenen zusammengebundenen Knien geräuchert worden.

So wird der geräucherte Senior Häuptling auch nach seinem Ableben noch geehrt, auch wenn dies in Form von Vorzeigen geschieht. Oder sollte dieser Dani die Zeichen der Zeit frühzeitig erkannt haben, und seinen Vater sozusagen auf Vorrat für kommende Touristengenerationen präpariert haben? Aber 1975 war es doch noch anders als heute!

Die Missionsstationen im Landesinneren werden von kleinen einmotorigen Flugzeugen mit lebensnotwendigen Lebensmitteln etc. versorgt. Diese Möglichkeit wollten wir nutzen, um uns im Landesinneren absetzen zu lassen. Von dort wollten wir dann zu Fuß von Station zu Station mit Hilfe einheimischer Führer und Träger marschieren.

Der erste Kontakt zu einem Buschpiloten war nicht sehr ermutigend, denn er lehnte es erst einmal schlicht ab, uns irgendwo mit hin zu nehmen. Aber irgendwie gelang es uns dann doch, den Piloten zu überzeugen und uns auf eine Station zu bringen.

Auf der Missionsstation angekommen, wurden wir freundlich von einem holländischen Pater begrüßt, der uns auch in Windeseile zwei Führer und 4 Träger bereitstellte. Beide Führer waren nicht älter als 14 Jahre, einer vielleicht noch etwas jünger, sie wirkten beide aber sehr sympathisch und irgendwie kompetent. Wir hatten überhaupt nicht den Eindruck, kleinen Jungs überlassen worden zu sein. Unsere Führer für die nächsten 2 Wochen sprachen allerdings kein Wort einer Sprache, in der wir uns gemeinsam hätten unterhalten können. Deshalb waren einige grundsätzliche Absprachen vor unserem Abmarsch notwendig, denn später war ja jegliche Verständigung mit Worten nicht mehr möglich. Folglich haben wir mit dem Pater unsere Tagesmärsche abgestimmt, die dieser dann an unsere Führer übersetzte. Alles in allem waren wir sicher schon 2 Stunden nach Ankunft wieder auf dem Marsch durch das Hochland der Dani. 

Vorbei an aufgestellten Stöcken mit wie ein Nest aussehendes Gebinde, das die Geister im Zaum halten oder auch wohlgesinnt stimmen sollten. Teilweise waren die uns umgebenden Gräser bis ca. 2,5 Meter hoch. Als dann hin und wieder plötzlich kleine Trupps Männer mit Steinbeilen vor uns standen, habe ich mich allerdings häufiger gefragt, ob sie sich daran erinnern, dass sie ja keine Menschen mehr fangen, schlachten und essen dürfen. Einmal begegnete uns ein kleines schrumpeliges altes humpelndes Männlein, das aber immer noch einen beeindruckenden Penishalter umgeschnallt hatte und eine bunte Kopfbedeckung trug.

Auf den Fußmärschen begegnen uns immer wieder Gruppen von jungen Männern, die mit Macheten "bewaffnet" sind, weißen Federn im Haar und natürlich mit schwarzem Schweinefett und Ruß geschminkt. Die sahen nicht immer nur friedlich aus, besonders die Macheten in den Händen flößten uns Respekt ein.

Einmal kam uns eine Frau entgegen, die etwas Qualmendes in der Hand trug. Es dauerte etwas, bis wir begriffen hatten, dass da gerade Feuer transportiert wurde.

Aber wie sollte man auch auf diesen Gedanken kommen, wenn man einfach einen oder auch Dutzende Streichhölzer zum Anzünden eines Feuers zur Verfügung hat. Hier ist ein einmal entfachtes Feuer ein kostbares Gut, denn ein neues Feuer zu entfachen kann eine mühselige Sache sein, besonders mit Steinzeitwerkzeugen.

Einmal mussten wir auch den Baliem Fluss überqueren.

Wir sahen schon das Transportmittel als wir uns näherten. Dies bestand aus 3 zusammen gebundenen Bäumen. Ein Fährmann stand vorne und dirigierte das Floß mit einer langen Stange zum gegenüberliegenden Ufer. Am Flussufer saß eine lokale Schönheit mit den typischen Dingen, die eine Dani immer bei sich hat. Dies ist ein Netz, in dem Gemüse oder Babys auf dem Rücken transportiert werden. Neben dem Netz hat eine Dani immer noch einen Stab in der Hand. Dieser ist auch zum Arbeiten im Garten gedacht, aber möglicherweise auch, um zudringliche Männer abzuwehren.

Trinkwasser war immer ein Problem, besonders weil Kolmer eine Plastikflasche statt einer Feldflasche aus Aluminium gekauft hatte und diese natürlich noch vor unsere Ankunft in Irian Jaya zerbrach, aber auch, weil es nirgendwo sauberes Wasser gab. Es blieb uns nichts anderes übrig als das zu akzeptieren was es an Wasser gab und ein paar Tropfen zuzugeben, damit es genießbar wurde.

Auf einer Missionsstation angekommen, hofften wir sehr etwas sauberes, abgekochtes Wasser zu bekommen, denn wir hatten manchmal den ganzen Tag nur eine Flasche zu zweit gehabt. Doch bei Ankunft erfuhren wir, dass der Missionar nicht daheim war und erst in ein paar Stunden heimkommen würde. Also blieb mir nichts anderes übrig,  als die Flasche in eine Regentonne einzutauchen und aufzufüllen, wieder die Tropfen zuzugeben und 10 Minuten zu warten bis es trinkbar war. Auf dem Wasser dieser Regentonne schwammen Dutzende von toten Fliegen, Bienen und anderen unbekannten Insekten. Mir war dies noch nie vorher und auch später nie mehr so egal wie in diesem Moment, denn wir waren sehr durstig.

Wie schon erzählt, bewirtschaften die Dani kleine Gärten, in den denen sie Süßkartoffeln pflanzen und ernten. Die Beete sind durch  Gräben von ca. 1 m Breite von einander getrennt. Die Gräben sind auch ca. 0,8 m tief. Den Dani Männern ist die Aufgabe die Gräben zu pflegen überlassen.

Aber wie kommt man von Beet zu Beet ohne immer springen zu müssen?

Die Dani mit ihren breiten Füßen klammern sich wie Affen mit ihren Zehen um 5-7 cm dicke Holzstangen, die sie über die Gräben gelegt haben.

Aber wie kommen wir drüber, ohne reinzufallen? Noch in Japan, d.h. in der Planungsphase habe ich mir einen Schuhmacher gesucht.  Dem erklärte ich, welche Art Schuhe ich angefertigt haben wollte und wo zwischen Sohle und Ferse Stahlzacken angebracht werden sollten. Die Schuhe haben sich hervorragend bewährt! Während Kolmer häufiger in die Wassergräben zwischen die Beete abrutschte und ziemlich nass und dreckig wieder heraus kam, ging ich die Eisen ins Holz klammernd über die Hölzer und Gräben mit Leichtigkeit hinweg.

Eines Nachmittags kamen wir auf einer Missionsstation an, auf der der Missionar Englisch sprach!! Wir wurden zum Abendessen und zum Übernachten eingeladen. Das Essen war grundsätzlich in Ordnung, allerdings habe ich nicht in die Küche geschaut. Der Missionar war ein Dani, der wohl noch zu Zeiten der Holländer ausgebildet worden war. Er war sehr nett. Abends kam die "Dorfjugend" zum Bestaunen der Ausländer. Wir haben ein schönes Photo von uns mit der Gruppe gemacht.

Manche Worte, die ich damals gelernt habe, kommen mir manchmal in den Sinn, z.B. Eta Eken. Das ist mir noch das geläufigste Wort und heißt soviel wie "Seele", diese ist natürlich im Bauch angesiedelt.

Als wir schon wieder zu Hause waren, d.h. der Eine in Japan und der Andere in Deutschland, denn dahin war Kolmer versetzt worden, erfuhren wir von der Art und Weise wie sich die indonesische Regierung der Dani annimmt, um sich ihrer langsam zu entledigen.

Die Dani sind der Regierung in Jakarta eigentlich nur lästig und primitiv dazu! Wenn man sich selbst noch rückständig fühlt, braucht man keine Ecke im Land, die dies auch noch so deutlich erscheinen lässt. Also will man die Dani loswerden. Doch wie macht man das ohne den Rest der Welt zu provozieren?! Ganz einfach, man schickt ein paar Menschen mit einer Grippe nach Irian Jaya. Die Menschen infizieren sich sofort und sterben an der Grippe. Sie sind gegen vieles immun, selbst Malaria kann ihnen nichts anhaben, aber eine einfache Grippe löst die Probleme auf einfache und billige Weise. Die Regierung siedelt von der bevölkerungsreichsten Insel Java Tausende Menschen um in weniger dicht besiedelte Gebiete. Damit kann man leicht die bestehenden lokalen Strukturen zerstören und mit Javanern besetzen. Auch die trägt zur Auslöschung der Dani bei.

Zum Ende unseres Fußmarsches durch die Hochebene der Dani, vorbei am Baliem Fluss begegneten wir noch einmal einer sehr eindrucksvollen Gruppe von Dani Männern. Diese waren etwa 100 m von unserem Pfad entfernt und führten dort hoffentlich nur zu ihrem eigenen Vergnügen einen Tanz auf, der sie immer wieder im Kreise herum führte und bei dem sie ihre Gegenstände wie Axt, Machete, Pfeil und Bogen über die Köpfen schwangen. Kolmer und ich haben uns schleunigst verdrückt, denn eines der letzten Opfer der Kopfjäger wollten wir nicht mehr werden. Wer weiß denn, wie ernst sie es mit dem Verbot nehmen, keine Köpfe mehr zu nehmen und Feinde nicht zu essen?!

Die Rückreise führte uns wieder über Wamena nach Jayapura mit einer

DC 3. Anschließend mit einem 2-motorigen Flugzeug nach Biak und von dort mit einer 4-motorigen Maschine nach Ujung Padang (Makassar) auf Celebes (Sulawesi).

Hier begann der kleinere Teil unserer Reise, aber sicher auch ein Teil, der sehr interessant zu werden versprach.

In Ujung Padang galt es als Erstes einen Jeep mit Fahrer zu finden, der bereit sein würde, uns noch am selben Tag in das Toraja-Land zu bringen, dort mit uns herumzufahren und nach 3 Tagen wieder zurückzufahren.

Es hat uns schon einige Überredungskünste und extra Dollars gekostet jemanden zu finden, denn immerhin würden wir mindestens 10 Stunden fahren müssen! Mit einigen zusätzlichen Dollarnoten musste sich dann ein Fahrer bereit erklären, denn die Extra Dollars verschwanden natürlich sofort in der Tasche des Jeep-Besitzers und nicht bei dem Fahrer.

Am späten Nachmittag ging es los. Zu Anfang waren die Straßen asphaltiert, doch es dauerte nicht sehr lange und wir fuhren über holprige schmale Straßen nach Norden in das Toraja-Land. Ich hatte mir meinen Platz im Jeep vorne neben dem Fahrer ausgesucht, wohingegen Kolmer es sich hinten auf der langen in Fahrtrichtung stehenden Sitzbank gemütlich gemacht hatte. Die Gemütlichkeit währte allerdings nicht lange, denn je holpriger die Straßen wurden, umso mehr flog Kolmer durch die Luft. Es hat keine 5 Stunden gedauert, da hat er es vor Schmerzen im Rücken nicht mehr ausgehalten. Auch die Pause hat nicht viel geholfen, denn schon nach kurzer Zeit waren seine Schmerzen so groß, dass er vor sich hin jammerte. Wir kamen gegen 2:30 morgens in Rantepao an und fielen sprichwörtlich todmüde und schmerzgekrümmt auf unsere Feldbetten.

Toraja-Land ist berühmt für die alten Torajahäuser, ihren Bestattungskult und die Reisterassen. Somit gab es für uns am nächsten Tag einiges zu erkunden. Unser Fahrer war zwar nicht ortskundig, dafür aber nicht auf den Mund gefallen, d.h. er fragte wann immer es nötig wurde. Dies ist in Asien nicht sehr verbreitet, man läuft häufig lieber in die falsche Richtung als zu fragen.

Die Torajahäuser sind einmalig auf der Welt. Die Konstruktion der bestimmt bis zu 10 Meter hohen Häuser, mit den überschwänglich herausragenden Giebeln beruht ausschließlich auf Holz und Stroh. Die Häuser sind in der Regel nebeneinander aufgereiht und vor ihnen liegt der Dorfplatz. Unter den Giebeln sind oft mehr als acht Paar Büffelhörner übereinander angebracht. Es sind prächtige Häuser und sollen sicher auch den Reichtum der Familien demonstrieren.

Der Bestattungskult im Toraja-Land ist für unsere Vorstellungen sehr ungewöhnlich. Es gibt in der Umgebung die verschiedensten Grabstätten. So findet man an einer steil abfallenden Felswand in Lemo bestimmt mehr als 30 Grabstätten in den Fels geschlagen. Das ist jeweils ein in den Felsen geschlagenes quadratisches tiefes Loch von ca. 50 x 50 cm. Oft befinden sich mehrere Löcher nebeneinander und davor gibt es einen „Balkon“, auf dem Holzfiguren stehen, die die Kleidung der Toten tragen. An dieser besagten Stelle standen sicher 15-20 Gruppen von bunt gekleideten Holzfiguren auf den „Balkons“.

Ein anderes Mal finden sich einzelne Gräber in großen Felsbrocken, die mitten in den Reisfeldern liegen.

An anderer Stelle sind primitive Holzsärge in einer Höhle in Buntao nebeneinander gereiht. Hier liegen aus offenen Särgen auch schon einmal ein paar Knochen und Schädel herum. Manchmal sind die Särge beschädigt und man kann hineinsehen. Es mutet ein wenig gespenstisch an.

An wiederum anderer Stelle in Londa sind hoch oben im Fels zwei starke Äste im Felsen eingelassen, auf denen ein Sarg ruht.

Die Reisterassen finden immer aufs Neue meine Hochachtung, denn ich kann ein wenig ermessen, wie viele Generationen daran gearbeitet haben müssen, um sie mit der Bewässerung auszubauen und zu erhalten.

Am Abend, in einem winzigen lokalen Restaurant, trafen wir dann zufällig auf die Erbin von der Cognac Dynastie Martell mit ihrer Begleiterin. Da man des abends in Rantepao nicht viel unternehmen kann, kamen wir schnell ins Gespräch. Sie holte eine Flasche Cognac und ich trank ihn gemischt mit Coca Cola. Wahrscheinlich wurde dies als Fauxpas betrachtet, aber sie hat trotzdem weiter bezaubernd gelächelt.

Leider trennten sich unsere Wege in Rantepao, d.h. wir fuhren schon am nächsten Tag nach Ujung Padang zurück und die beiden blieben noch 2 Tage, um anschließend nach Bali zu fliegen.

In Ujung Padang trennten sich dann auch Kolmers und mein Weg, er flog für ein paar Tage nach Bali bevor er nach Deutschland flog, und mein Flug ging über Palu, einer Stadt im Norden von Celebes, nach Balikpapan, einer Stadt an der Ostküste Borneos. In Balikpapan muss man nicht unbedingt gewesen sein, denn man könnte sie als Ölstadt bezeichnen, da hier überall nach Erdöl gebohrt und gefördert wird. Aber mein Ziel war nicht diese Stadt, sondern Samarinda, eine am Mündungsdelta des Mahakam, des größten Stromes Borneos, gelegene Stadt. Doch Samarinda war auch nur eine Zwischenstation nach Tenggarong, denn dort wollte ich den Palast des „Weißen Rajas“ ansehen. Dies bedeutete eine mehrstündige Bootsfahrt flussaufwärts. Um es kurz zu machen, die lange Fahrzeit von über 6 Stunden für beide Strecken war der Spaß nicht wert, denn ich konnte den Palast nur aus 200 Metern Entfernung von der anderen Seite des Flusses sehen.

Allerdings hat sich die Fahrt zu denn Dajaks im indonesischen Teil Borneos doch noch gelohnt. Ich habe mir nämlich aus Langeweile das Museum im Ort angesehen und war offensichtlich mindestens seit Tagen der einzige Besucher. Wer fährt schon nach Tenggarong in das Museum? Im Museum war eine junge Frau, wahrscheinlich die Leiterin, die mir die wenigen Habseligkeiten zeigte. Darunter war ein menschenkopfgroßes Bündel Haare, im dem ein Teil eines Gebisses steckte. Dieses Bündel Haare hatte man im Magen eines Krokodils gefunden. Neben dem Gebiss zeigte sie mir auch verschiedene alte Dajak-Schwerter.  Wie viele Köpfe mögen damit abgetrennt worden sein? Es ist bekannt, dass es den Dajaks im Zweiten Weltkrieg wieder vorübergehend erlaubt wurde, japanische „Trophäen“ zu sammeln. 

Sie zeigte mir auch ein Schwert, das erst vor kurzer Zeit von einem jungen Häuptling zu ihr gebracht worden war und verkauft werden sollte. Überglücklich habe ich es sofort erstanden und zu den Steinbeilen aus Irian Jaya in meinen Rucksack gepackt.

Nach dem kurzen Ausflug nach Borneo bin auch ich Richtung Bali geflogen, doch musste ich in Surabaya das Flugzeug wechseln, um von dort nach Denpasar/Bali fliegen zu können.

Bali 1975 war eine andere Insel als z. B. im Jahr 2000. Es gab 2 Strände, die Kuta und die Sanur Beach. An der Kuta Beach gab es noch kein einziges Hotel, sondern nur private Unterkünfte. An der Sanur Beach gab es ein Intercontinental Hotel und ein Hyatt Hotel. Damals hätte man für 1 Dollar am Tag auf Bali Essen und Schlafen können! Sicher sehr einfach, aber machbar.

Ich wollte mir jedoch etwas gönnen und wohnte im Hyatt für eine Woche. Während der ersten Tage im Hotel freundete ich mich mit einem jungen australischen Journalisten an, der wohl gerade sein Studium beendet und von seinem Onkel diese Reise geschenkt bekommen hatte. Wir trafen uns an der Poolbar und dort haben wir uns dann auch im Laufe der Woche einige Dutzend Cuba Libre gegönnt. Er hatte sich bei ersten Rendezvous mit einer lokalen „Dame“ bereits eine Gonorrhöe eingefangen und war somit für den Rest der Zeit auf Heilung bedacht. Ich habe noch nie zwei Ehefrauen des Managements, die des General Managers und die des Chefkochs, so auf Männerfang gesehen wir hier. Eine der Frauen war eine schlanke gut aussehende Japanerin und die andere eine vollbusige Maorin. Wir von unseren Barhockern hatten sozusagen den Überblick auf das Geschehen.

Die Tage in dem wunderschönen Hotel vergingen wie im Fluge und schon sollte der Abflug kommen.

Der Flug nach Deutschland ging ab Jakarta mit einer Lufthansa 747 nach Frankfurt. Im Flieger saß neben mir ein junger Deutscher, der irgendwo auf einer Insel lebte. Die Geisterwelt schien ihn im Griff zu haben, denn seine Geschichten über gute und böse Hexen sprachen irgendwie dafür.

Da die Maschine damals noch in Singapore zwischenlanden musste und der Flug dorthin nur ca. 45 Minuten dauerte, wurde die Hauptmalzeit erst nach Singapore serviert.

Obwohl ich eine Woche auf Bali verbracht hatte, sah ich noch ziemlich verhungert aus, denn ich hatte auf der Reise über 10 kg abgenommen. Kurz nach Abflug in Singapore wurde nun die Hauptmalzeit serviert. Ich war natürlich als erster damit fertig. Als nun die Stewardess vorbei kam und mich da so mager sitzen sah, machte sie ein ziemlich bedauerndes Gesicht und bot mir eine zweite Hauptmalzeit an. Das waren noch Zeiten?!