Edgar Dürholt
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old Dajak
Dajak headhunter

Eine Reise nach Singapore, Malaysia mit Borneo, Thailand und Hongkong im Dez. 1974 u. Januar 1975

Diese Reise zum Jahresausklang 1974 war unsere erste größere Flugreise überhaupt.

Aber schließlich lebten wir ja auch in Japan, d.h. Asien, um uns ein wenig in diesem Teil der Erde umzusehen.

Obwohl unsere Töchter erst 9 bzw. 7 Jahre alt waren, war ich der Meinung, dass man ihnen schon viele interessante Sehenswürdigkeiten zeigen sollte.  

Folglich suchte ich uns gute Flugverbindungen für einen Rundflug von Tokyo-Haneda nach Singapore, Bangkok, Hongkong und zurück nach Tokyo aus dem damals recht umfangreichen Flugbüchern aus.

Den Flug von Singapore nach Kuching auf Borneo und zurück nach Singapore musste ich separat buchen, denn dieser passte nicht in den Rundflug hinein.

Nach unserer Ankunft in Singapore, nach 12 Stunden Flug, denn es gab noch keine Direktflüge, sondern mehrere Zwischenlandungen, fuhren wir mit einem Taxi zum Raffles Hotel, um uns für unsere Stadtbesichtigung am nächsten Tag auszuruhen.

Wenn man in Asien lebt, dann merkt man recht schnell, dass Japaner und Chinesen sich sehr voneinander unterscheiden. Vielleicht muss man ja auch erst in Asien gelebt haben um zu wissen, dass es nicht nur Chinesen oder nur Japaner gibt, sondern viele Völker und Rassen, die besonders in Singapore anzutreffen sind. Manche Menschen glauben ja offensichtlich immer noch, dass nur Chinesen Asien bevölkern.

Was uns in Singapore erwartete, war eine andere exotische Welt. So waren wir von der Stadtbesichtigung, die uns durch China Town, nach Little India, in die Arab Street, den Botanical Garden, diversen chinesischen und einem indischen Tempel, sowie auf den Mt. Faber führte, begeistert.

In China Town, dem alten Stadtviertel, in dem es offensichtlich noch so zugeht wie vor 100 Jahren, sind der Markt und die ihn umgebenden Häuser äußerst sehenswert. Die alten zum Teil heruntergekommenen Häuser mit ihren Fassaden und der davor hängenden Wäsche oder auch Vogelkäfigen wirken besonders auf Reisende aus Tokyo, wo alles so geordnet scheint. Gemüse- und Fleischstände, auf denen die Waren ausgebreitet liegen, wirken nicht besonders vertrauenswürdig, sondern eher trichinenverdächtig. Besonders ekelhaft empfanden wir, wie ein Händler einer lebenden Schildkröte den Panzer mit einen Keil und einem Hammer öffnete! Die so bearbeitete Schildkröte versuchte auch noch davonzulaufen! Es sah furchtbar aus. Aber die Chinesen mögen es halt frisch! Allerdings stellt sich die Frage nach der Frische der Fleisch- und Fischwaren, die ausgebreitet unter freiem Himmel von Schwärmen dicker Schmeißfliegen heimgesucht werden, die sich daran laben bzw. ihre Eier dorthinein legen! Guten Appetit!

Auf dem Mt. Faber stand ein auf Touristen wartender Inder mit einer recht großen Schlange um den Hals gewickelt. Natürlich konnte ich nicht widerstehen und musste mir für ein Foto diese bestimmt 2 Meter lange, schwarze Schlange mit gelben Streifen um die Schultern legen. Da Monika auch unbedingt ein solches Foto haben wollte, durfte sie sich auch die Schlange umlegen! Unsere Töchter haben unter Protest das Weite gesucht.

In Little India und in der Arab Street erhält man von indischen und arabischen Händlern typische Lebensmittel, Gewürze und Gebrauchsgegenstände aus den Ursprungsländern im Westen.

Der Botanische Garten war natürlich für uns Europäer etwas ganz Besonderes. Diese wunderschönen Blüten und Pflanzen waren sehr beeindruckend, denn so etwas Herrliches bzw. Exotisches in dieser Vielfalt hatten wir noch nicht gesehen.

Natürlich haben uns auch die Tempel mit den für uns so fremden Figuren und Abbildungen sehr beeindruckt. Auch die Atmosphäre und Gebräuche im indischen und chinesischen Tempel waren für uns sehr fremdartig.

Ein für die damalige Zeit sehr bekannte Straße haben wir auf dieser Reise nicht aufgesucht, denn dies wäre mit den Töchtern eher unpassend gewesen, doch möchte ich an dieser Stelle, das Jahre später Gesehene, wiedergeben. Die Straße heißt Bogey Street und was man da erleben kann, scheint ein Überbleibsel aus englischen Tagen zu sein. Ein Teil dieser Straße ist ein Transvestiten Treffpunkt, an dem sich diese und Schaulustige zu einem Glas Bier oder Gin Tonic treffen und irgendwie gesellig beieinander sitzen. Doch von Zeit zu Zeit wurden hier auch Wetten ausgetragen und da dies ja typisch englisch ist, müssen die Engländer die Urheber einer solchen Wette auch gewesen sein. Auf was wurde gewettet? Ganz einfach: auf den schnellsten Transvestiten! Es stellten sich folglich 4-6 kargbekleidete Transvestiten in eine Reihe für einen 20 Meter Lauf. Doch dieser Lauf sollte ein wenig gefördert werden, d.h. beschleunigt werden, in dem man den Läufern eine verdrehte Zeitung zwischen die Oberschenkel klemmte und diese anzündete! Man kann sich lebhaft vorstellen, dass die Starter so schnell wie möglich an das Ziel kommen wollten, denn sonst hätten ihnen die Flammen der Zeitung den Hintern angekohlt! Der Sieger bekam sicher einen Gin Tonic!

In Singapore hatten wir uns einen Leihwagen gemietet, um mit diesem eine Rundfahrt durch West-Malaysia zu unternehmen.

Unsere Fahrt ging an der Westküste hoch zu unserem ersten Anlaufpunkt, der Stadt Melaka, in der wir die Überreste einer alten portugiesischen Festung besichtigen wollten. Die Portugiesen hatten Melaka 1511 eingenommen, aber 1641 an die Holländer abgeben müssen. Nicht weit vom Festungstor liegen auch die Überreste uralter Grabsteine aus dieser Zeit. Beim Anblick dieser alten Gräber stelle ich mir immer wieder die Frage, wer bzw. wie mag wohl diese Person gewesen sein, die soviel Mut aufbrachte zu dieser Zeit in eine unbekannte Welt aufzubrechen. In einem Antiquitätengeschäft habe ich mir einen malaiischen Kris (Dolch) mit silbernem Griff als Souvenir gekauft.

Weiter ging die Fahrt an der Küste, teilweise an Palmenstränden entlang nach Norden. Ein einziges Mal haben wir uns getraut in das unbekannte Meer zu steigen, doch war es uns nicht ganz geheuer, sodass wir nur Minuten im Wasser blieben. Übrigens waren die Strände leer, niemand war weit und breit zu sehen. Die Straße führte uns über Port Dickson nach Kuala Lumpur, wo wir den 1. Weihnachtsfeiertag im Hilton Hotel verbracht haben.

An das Frühstück im Hotel werde ich mich immer erinnern!

Wir bestellten englisches Frühstück, nicht wissend was dies bedeutete!  

Es gab u. A. Porridge und geräucherten Fisch zum Frühstück! Es war furchtbar, wir haben nie wieder ein englisches Frühstück bestellt!

Auch Kuala Lumpur hat wunderschöne alte Gebäude aus der Kolonialzeit vorzuweisen, wo mit an erster Stelle das alte Bahnhofsgebäude zu nennen ist. Nicht weit vom Bahnhof entfernt liegt die Negara Moschee.

Wir haben uns nicht lange in der Hauptstadt aufgehalten, denn große Städte zu besichtigen ist nicht mein Ding.

Unsere Reise führte uns weiter nach Kuantan an der Ostküste. Hier übernachteten wir in einem chinesischen Inn, denn ein internationales Hotel gab es damals weit und breit keins. Das Gebäude machte von außen einen ordentlichen Eindruck und ein riesiger blühender Bougainvillea-Strauch gab dem Ganzen eine schöne Farbe. Im Inneren wurde es nun schon etwas einfacher, d.h. es war alles gefliest, der Fußboden und auch die Wände waren in einer weniger schönen Farbe gefliest. Es sah ziemlich klinisch aus! Als wir in unsere Zimmer geführt wurden, sah ich um die an der Decke hängende Neonröhre einige Dutzend Gekkos sitzen. Es schien als seien sie durchsichtig, denn man konnte ihre Wirbel sehen. Es dauerte nicht lange, und meine Familie hatte die süßen Kerle auch entdeckt! Ein Zeter und Mordio mit Ausdrücken wie „Hier können wir nicht schlafen! Wenn die auf uns fallen!“ erging über mich. Letztendlich habe ich dann meine Frau und Töchter davon überzeugen können, dass die Kerlchen sehr nützlich sind und die umherfliegenden Moskitos verzehren werden, die uns sonst in der Nacht plagen würden. Außerdem habe ich einfach behauptet, dass sich Gekkos nicht auf Menschen fallen lassen. Es sind keine Gekkos auf uns gefallen, doch zugegebenermaßen sahen die Kerlchen um die Neonröhre nicht sehr appetitlich aus.

Am nächsten Tag ging es südlich über Mersing nach Singapore. Doch die Straßen waren noch nicht so gut ausgebaut, sodass wir auch auf Fähren über Flüsse unseren Weg suchen mussten. Einmal habe ich nicht mehr schnell genug bremsen können und eine recht lange Schlange von ca. 3 Metern platt gefahren. Doch die Affen, die am Straßenrand durch die Bäume springen würden, so war unsere Vorstellung, blieben aus.

So erreichten wir wohl behalten Singapore, übernachteten dort und flogen am nächsten Morgen mit Malaysia Airlines nach Kuching, der größten Stadt im Süden von Sarawak in Ost-Malaysia. Auch hier hatten wir unser Hotel vorabbestellt, sodass wir nach dem Einchecken sofort nach einem Führer für die beabsichtigte Reise zu einem Longhouse suchen konnten. Wir fanden einen jungen Chinesen, der uns anbot alles zu arrangieren, d.h. einen Wagen bis zur Bootsanlegestelle, ein Speedboot zum Longhouse, die Übernachtung im Longhouse und auch die Lebensmittel für uns zum Abendessen und Frühstück. Wir vertrauten ihm und haben uns auch nicht getäuscht.

Er kam am nächsten Morgen mit einem alten Mercedes, der einen Steinschlagschutz vor der Windschutzscheibe montiert hatte. Wir hatten etwa 200 km, d.h. ca. 3 Stunden auf einer unasphaltierten Straße bis zur Bootsstelle vor uns. Diese Straße führt von Kuching über Sibu zum Sultanat Brunei und weiter zur nördlichen Provinz Sabah. Schon nach kurzer Zeit sahen wir aus als seien wir gerade einem großen Haufen gelbem Staub entklommen. Die Straße war so staubig und der Wagen so undicht, sodass wir entsprechend aussahen. Grimmige Blicke trafen mich von 6 Augenpaaren! Wir passierten ehemalige Kopfjäger, die ein Gewehr über der einen Schulter und ein Stück Wild über die andere Schulter nach Hause trugen.

An der Bootsanlegestelle stellten wir den Mercedes ab und stiegen in das auf uns wartende Speedboot. Dies ist ein langer Einbaum mit einem starken Außenbordmotor, der Motor sah so ähnlich aus wie die Außenbordmotore auf den thailändischen Klongs.  Unser Ziel war die Bintawa Fishing Village am Batang Satok (Fluß Satok) gelegen. Eine Bootsfahrt von über 2 Stunden. Der Führer unseres Bootes war der erste der Sippe der Dayak, den wir sahen, bei der wir übernachten würden. Er sah leicht fruchterregend aus. Der gesamte Oberkörper tätowiert, die Schneidezähne waren alle aus Gold und in seinen durchlöcherten Ohrläppchen saßen Münzen, die etwa die Größe eines Fünfmarkstückes hatten!

So saßen wir vor ihm im Boot und wir schossen sozusagen den Fluss hoch. Es war beindruckend wie dieser Bursche das Boot beherrschte und durch die schärfsten Biegungen steuerte. Es ging unter tiefhängenden Ästen oder sogar auf über dem Fluss liegenden Baumstämmen immer weiter gen Osten. Aus Pflanzen geflochtene Hängebrücken schwebten über dem Fluss. Manchmal sahen wir auch Menschen, alle schienen tätowiert zu sein und große Löcher in den Ohren zu haben. Die Frauen trugen nur einen Rock und der Oberkörper, sprich die Brüste, waren unbedeckt. Allerdings war das zu Sehende nicht unbedingt sehenswert!

Das Longhouse liegt oberhalb des Flusses an einem kleinen Seitenarm des Batang Satok. Wir nehmen unsere wenigen Gepäckstücke und marschieren den Weg zum Longhouse hoch. Begrüßt werden wir eigentlich nicht, eher ignoriert, scheint mir, denn außer dem Chinesen kümmert sich niemand um uns. Der Chinese führt uns eine Hühnerleiter hoch in das Longhouse, weist uns einen Platz zu und beginnt uns ein Dosengericht zu erwärmen, denn das wird unser Abendessen.

Das Longhouse will ich versuchen einmal etwas genauer zu beschreiben:

Es ist, wie der Name es ausdrückt ein langes Haus, d.h. sicher unterschiedlich lang, aber bestimmt um die 20-30 Meter ist. Es ist in der gesamten Länge auf Stelzen von ca. 2 Meter Höhe gebaut. Die Aufteilung der einen Hälfte des langgezogenen oberen Raumes muss man sich scheibchenweise unterteilt, für jede Familie eine Scheibe, vorstellen. Somit können je nach Länge des Hauses um die 8-10 Familien dort wohnen. Die andere Hälfte ist auf der gesamten Länge offen und dient als Durchgang oder sicher auch als Arbeits- und Aufenthaltsplatz bei gemeinsamen Unternehmungen. Die Scheibe der Familie besteht aus dem Schlafraum, der an den offenen Langraum angrenzt und der dahinterliegenden Küche. Unter der Decke werden Geräte und Vorräte aufbewahrt, sowie die alten Trophäen, sprich Schrumpfköpfe, denn diese Bewohner waren bis vor wenigen Jahren noch Kopfjäger. Natürlich wurde die Kopfjagd schon von den Brieten verboten, doch Großbritannien war weit und so mancher Kopf nah. Übrigens sollen die Briten die Kopfjagd während des Krieges auf Japaner noch einmal ermutigt haben. Außerdem wurde ein Jüngling erst Mann, wenn er mit einem Kopf unter dem Arm in seinem Longhouse erschien. Ich habe ein paar gruselige Dias von geschrumpften Köpfen machen dürfen, die dafür von der Decke abgehängt wurden.

Unter dem Longhouse wohnen übrigens die Schweine der Sippe und scheißen dort überall hin, was die Hygiene besonders erschwert. Aber offensichtlich nur unsere, denn die Longhousebewohner haben damit überhaupt keine Probleme.

Ich habe das Longhouse ausgiebig inspiziert, d.h. ich habe mir unverfroren einige der Scheiben angesehen, bin aber selbstverständlich nicht hineingegangen, denn von dem lang durchgezogenen Raum aus konnte ich sehen wie die Bewohner auf den Matten auf dem Fußboden saßen und Körbe flochten, Säuglinge säugten, etc. Sprechen konnten wir mit den Leuten nicht, denn sie sprachen kein Wort Englisch, obwohl dies in Malaysia eine Landessprache war. Man darf den Besuch in ihrem Heim als höflich reserviert bezeichnen, denn mit Sicherheit bekamen sie ein wenig Geld von unserem Chinesen, dafür dass er uns hierher schaffen durfte.

Auch außerhalb des Longhouses war es interessant, denn unmittelbar am Longhouse beginnt dichter Wald und kurz danach Urwald. Die Männer scheinen ein wenig zu fischen bzw. wohl eher zu jagen, denn als ich dort draußen herumlief stand plötzlich einer vor mir, ein Stück Wild auf einer Schulter und auf der anderen sein Gewehr.

Wir haben vorsichtshalber nicht näher in die Küche geschaut, wo unser Dosengericht erwärmt wurde, sonst hätten wir wahrscheinlich auf unser Abendessen gerne verzichtet. Aber für alle Fälle hatten wir noch ein paar Kräcker dabei. Teller und Löffel haben wir mit unserer Spucke ein wenig nachbearbeitet, so meinten wir, dass sie sauberer seien!

Am Abend wurden uns zu Ehren von einigen Dayak Männern Schaukämpfe im traditionellen Kostüm, d.h. Kopfschmuck und Lendenschurz, vorgeführt. Die Kerle sahen schon furchterregend aus wie sie mit ihren langen Schwertern demonstrierten einen Kopf vom Körper zu trennen. Dass einer der Alten eine von mir angebotene Zigarette dazu rauchte, gab der Vorstellung noch eine belustigende Note.

Übrigens habe ich auch herausgefunden, warum viele Leute aus dem Mund so glitzern. Es ist ihre Spardose, sie lassen sich ihre natürlichen Zähne ziehen und Goldzähne einsetzen. So hat man sein Erspartes immer zur Hand bzw. im Mund!

Nach dem Abendessen wurde uns gezeigt, wo wir unser müdes Haupt niederlegen durften. Es war die Schlafstätte einer ziemlich alt aussehenden Frau, die es sich in ihrer Küche auf dem Fußboden gemütlich gemacht hatte. Unter Schlafstätte versteht man in einem Longhouse nur den Bereich und keine Stätte in Sinne von einem Bett. Gott sei Dank nicht! Da lagen wir nun auf dem Bretterboden und alle Knochen taten uns schon nach 5 Minuten weh! Aber wer etwas erleben will, muss auch Opfer bringen! Ich glaube in dieser Nacht haben wir höchstens alle mal ein wenig geschlummert, aber sicher nicht geschlafen. Ich habe die merkwürdigsten Geräusche wahrgenommen, ob eines dieser Geräusche auch auf einen Dayak Beischlaf hinwies?! Jedenfalls grunzte es unter uns und der Geruch von Schweinescheiße stieg durch die Bohlen zu uns hoch, denn die Fugen waren bestimmt 3 mm groß. Meine Töchter haben unzählige Katzen durch das Longhouse laufen sehen, sicher auf Jagd nach Mäusen oder auch Ratten. Gut, dass sie die dicke Ratte nicht mitbekommen haben, die an der alten Frau in der Küche vorbeimarschierte und auf irgendeinen Topf zusteuerte. Zwischendurch hörte man immer wieder unbeschreibbare Laute aus dem Urwald. Keine Ahnung was oder wer sich da draußen herumtrieb. Wir waren jedenfalls in diesem Longhouse sicher aufgehoben.

Das Abenteuer Longhouse war zwar schon nach einer Nacht beendet, doch hatten wir ein unvergessliches Erlebnis.

Unsere Rückfahrt mit dem Speedboot war wieder ein bemerkenswerter Teil, denn dieser Bursche steuerte das Boot unglaublich gut, und das bei dieser Geschwindigkeit.

Unser Mercedes war noch da, sodass wir auch sofort weiterfahren konnten. Wir haben noch eine Pfefferplantage besucht, die ich zwar nicht so aufregend fand, aber was ist schon aufregend nach einem Besuch in einem Longhouse?

Im Hotel in Kuching hatten wir dann eines unserer köstlichsten und unvergesslichen Erlebnisse in unserer Familie! Unsere Tochter Daniela war bis dato vom Duschen überhaupt nicht begeistert! Als wir jedoch in unseren Zimmern waren, meinte sie doch wahrhaftig, dass sie nun duschen möchte! Wir waren von den Socken! Unsere Tochter möchte freiwillig duschen! Ab diesem Tag brauchten wir sie nicht mehr zum Duschen anzuhalten! Manche Dinge erledigen sich halt sozusagen von selbst!?

Am nächsten Tag fliegen wir nach Singapore und sofort weiter nach Bangkok. Doch Bangkok ist nicht unser Reiseziel, sondern der Strand in Pattaya. Wir wohnen dort im Hyatt Hotel und unsere Töchter haben dort den letzten Schliff zum Schwimmen im Pool bekommen. Ich glaube, dass damals Pattaya noch harmlos war, beschwören kann ich es allerdings nicht. Jedenfalls waren in unserem Hotel keine Bordsteinschwalben und außerdem gab es noch keine Bars an jeder Ecke.

Ich habe mich einmal von einem Boot an einem Fallschirm in die Lüfte ziehen lassen, was riesigen Spaß gemacht hat, aber im nach herein betrachtet ziemlich gefährlich war, denn man musste auf einem schmalen Strandstück kurz vor der Straße und einer Stromleitung landen!

In Bangkok haben wir uns ein paar Tempel angesehen, aber unsere Festplatte hatte schon so viel gespeichert, dass mir die Namen nicht mehr geläufig sind.

Von Bangkok ging die Reise weiter nach Hongkong.

Wenn man das erste Mal in Hongkong ist, erschlägt es einen fast, so groß sind die neuen Eindrücke. Auch hier wohnten wir im Hyatt Hotel in Kowloon. (In diesem Hotel werde ich auf meinen beruflichen und privaten Reisen in den kommenden Jahren noch sehr häufig wohnen, doch das wusste ich damals noch nicht.)

Wir fahren mit einem Hochdeckerbus durch die Stadt und lassen diese auf uns einwirken. Die unendlich erscheinenden Leuchtreklamen und Geschäfte an der Nathan Road sind mit das Erste was wir sehen. Reichtum und Armut sind hier sehr dicht beieinander, das kann man eigentlich sofort erkennen. Es ist ein Eldorado für Touristen, hierher fliegt man um Dinge wie Kameras, Taschen, Tennisschläger etc. einzukaufen. Es ist ein Vergnügen mit der Star Ferry nach Hongkong Island überzusetzen, sie fährt ca. alle 5 Minuten ab! Auch haben wir es nicht versäumt 1974 in Aberdeen gewesen zu sein, um dort auf einem der Restaurantboote zu essen, denn Aberdeen verschwand irgendwann und musste Developments weichen. Ein Muss war es schon damals, mit der Zahnradbahn auf den Peak zu fahren, und von dort auf Hongkong und Kowloon zu schauen. Sehr beeindruckend!

Eine Fahrt zur chinesischen Grenze gehörte für mich zum Pflichtprogramm. Da meine Familie davon nichts wissen wollte, begab ich mich allein dorthin auf den Weg. Es war eine mühsame Fahrt mit Bussen dort hin, denn ich musste unzählige Male umsteigen. Die Hongkong-Chinesen sprechen nun wirklich nicht alle Englisch, wie man meinen sollte, und so hatte ich meine Probleme immer den richtigen Bus zu erwischen. An der Grenze angekommen, sah ich über weite Reisfelder in ein Bauernland und der Grenzübergang selbst war richtig unnahbar, es war Anfang Januar 1975!

Mit einer enormen Fülle von Eindrücken kamen wir nach Hause, nach Denenchofu in Tokyo. Wir hatten sehr viel erlebt, was uns niemand mehr nehmen konnte.