Edgar Dürholt
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Eine Reise nach Truk, Micronesien im Dez. 1973

Die Reise zur Weihnachtszeit 1973 sollte unsere erste Familienreise in Asien werden. Genau genommen war dies unsere erste Reise als Familie überhaupt, denn in den davor liegenden Jahren kam eine Reise aus naheliegenden Gründen nicht in Frage. Es fehlten schlicht die Mittel für eine schöne individuelle Reise, denn in einer Gruppe mochte ich nicht reisen.

Im Frühjahr/Sommer des Jahres 1973 hatte ich mit zwei Bekannten in Tokyo bei einem japanischen Instruktor das Tiefseetauchen erlernt. Wir starteten in einem Pool auf der Izu Halbinsel und wurden ganz schön ran genommen. Die Prüfung bestand unter anderem aus 1000 Meter Schwimmen in einem Pool von nur 120 cm Tiefe. Dabei mussten wir die Doppelflasche auf dem Rücken mitnehmen ohne aus ihr atmen zu dürfen, sondern atmen mussten wir durch den Schnorchel. Da hat der innere Schweinehund mich zweimal genarrt, bevor ich die Strecke durchschwimmen konnte. Zur Prüfung gehörte auch 30 Minuten senkrecht in einem 5 Meter tiefen Pool über Wasser bleiben, dabei aber 10 kg extra Blei auf der Schulter, natürlich ohne Schnorchel oder Sauerstoffgerät. Flaschenwechsel bzw. abwechselnd aus einem Behälter in 5 Meter Tiefe zu atmen, war ein weiterer Prüfungspunkt. Zur bestandenen Prüfung durften wir dann mit Tauchlehrer in den Pazifik bei Izu. Dort lernten wir dann noch ein paar weitere recht wichtige Dinge,  z.B. nach dem Kompass unter Wasser zu schwimmen oder das Messer einzusetzen. Im Meer vor Izu, wo es sehr schnell auf den japanischen Graben zugeht, der 10.000 Meter tief ist, sah ich dann auch die erste Moräne direkt vor mir. Sie schoss aus einem Felsenschlitz direkt auf mein Gesicht  zu und hat mich ordentlich erschreckt. Am Ende meiner Taucherkarriere, die allerdings nicht lange anhalten sollte, habe ich es zum Dive Master gebracht.

Nakajima, der Inhaber der Tauchschule, war auch noch „nebenbei“ Mitglied der Yakusa. Dies war mir natürlich nicht bekannt, sonst hätte ich mich wahrscheinlich zurückgezogen, auch wenn es „nur“ aus Sorge vor den Unbekannten in den weißen Schuhen war.

Nakajima hatte diese Tauchschule im Erdgeschoss seines Gebäudes an der Route No. 20, die aus Tokyo heraus führt. Im ersten Stock befand sich sein Steakhouse. Wir hatten auch nur ein kurzes familiäres Verhältnis zu Nakajima, denn die sprachliche Barriere war doch zu groß, vor allem für seine Frau, die überhaupt kein Englisch sprach. Seine Tochter ( ca. ( 8 Jahre) natürlich auch nicht, er selbst sprach 10 % verständliches Englisch, doch das Improvisieren machte Spaß, auch wenn es ziemlich anstrengend war.

Zu Weihnachten 1973 wurden wir zur Weihnachtsfeier des Tauchclubs eingeladen. Meine Mitschüler waren verhindert, wie man so schön sagt. Es interessierte mich einmal einem solchen Ereignis unter japanischen Männern beizuwohnen. (Weihnachtsfeier auf japanisch bonenkai ????) Im 1. Stock , im Restaurant, fand diese Weihnachtsfeier statt. Es war ein großes Buffet aufgebaut und reichlich Alkohol vorhanden. Es fing richtig ätzend an, denn die Japaner blieben natürlich unter sich und erst als sie mehr als angesäuselt waren, wurden sie plötzlich zutraulich und kamen, um mit mir anzustoßen. Es wurde furchtbar, ich war so unvernünftig mit sicherlich mehr als 10 Mittauchern bzw. Yakusa-Mitgliedern anzustoßen. Mit anderen Worten, ich wurde auch immer lockerer und  wir verstanden uns immer besser. Ich trank sicherlich über 30 rechteckige Sake Gefäße mit Salzbeilage aus. Irgendwann wurde es dann plötzlich ernster, obwohl es zuerst überhaupt nicht so aussah. Der Chefinstruktor der Tauchschule und Nakajima trugen plötzlich Boxhandschuhe und „stiegen in den Ring“. Sie begannen wirklich zu boxen, d. h. sich wirklich zu schlagen. Der Chefinstruktor ging selbstverständlich, wie erwartet, als Ergebnis eines Schlages zu Boden. Nun wurde der nächste Mann von den Zuschauern als Herausforderer aufgefordert und sich dem Chef zu stellen. Der nächste Gegner unter den Zuschauern wurde wiederum in wenigen Minuten umgenietet und ging zu Boden.

Als dritter Gegner stellte sich ein Unbekannter vor und sofort ging ein Raunen durch den Raum, das ich natürlich nicht interpretieren konnte, denn in diesem Moment wusste ich nichts von dem Verhältnis zur Yakusa. Der Boxkampf begann, und nach wenigen Sekunden merkte man, dass da jemand im Ring gegen den Chef stand, der nicht vorher ausgesucht worden war und sich doch als Kandidat melden bzw. durchsetzen konnte. Es wurde sehr schnell offensichtlich, dass dort jemand dem Chef gegenüber stand, der keine Rücksicht nahm wie seine vorherigen Gegner. Es war, wie sich später herausstellte, ein Mitglied einer rivalisierenden Yakusa-Gruppe. In Sekundenschnelle trat er den Chef mit dem Schuh ins Auge und dieser ging zu Boden, denn sein Gegner  hatte nicht seine Straßenschuhe zum Kampf ausgezogen. Der Chef blutete sehr stark am Auge, aber sein Gegner hörte nicht auf in die Wunde zu treten.

Trotz meines fortgeschrittenen Zustandes sah ich wohl was dort ablief. Ich sprang auf und hielt den Chef davon ab den „Gegner“ zu strafen, indem seine Gesellen den Gegner fest hielten, damit der Chef ungehindert auf diesen nun einschlagen konnte. Ich hielt den Chef von hinten mit beiden Armen umschlungen, denn er wollte/musste seinem Peiniger/der Gruppe zeigen, wer hier das Sagen hatte. Es war mir trotz meines oder vielleicht wegen meines Zustandes möglich, genügend Kraft aufzubringen den Chef fest zu halten. Meine Gegenwart war das Glück dieses Mannes, denn sie trauten sich nicht in meiner Gegenwart ihm ins Gesicht zu treten. Man ließ ihn gehen, aber wie man mir schon am nächsten Tag stolz berichtete, folgte man ihm nach Hause, um ihm an der Haustür die Zähne aus dem Mund zu schlagen.  

Am Ende des Abends, d. h. am frühen Morgen fuhr ich über die Ringroad No. 8 Richtung Denenchofu, einem Stadtteil Tokyos. Allerdings gingen bei mir im wahrsten Sinne des Wortes nach wenigen hundert Metern die Lichter aus. Auf der breiten 6spurigen Straße war Gott sei Dank um diese Zeit kein Verkehr, denn als bei mir die Lichter ausgingen, muss ich offensichtlich sofort angehalten haben. So stand ich da in der mittleren Spur, es waren wohl nur Sekundenbruchteile doch sie kamen mir vor als seien es Minuten gewesen. Ich habe mich ordentlich erschreckt, als ich plötzlich wieder sah und mir der Situation bewusst wurde.  Das hätte auch anders ausgehen können.

Bald nach diesem Ereignis war jedoch der Zeitpunkt unserer Abreise gekommen. Mikronesien wurde unser erstes Reiseziel, ein US Trust Territory im Pazifischen Ozean. Zum US Trust Territory gehörten die Inseln um Truk  und Palau (Karolineninseln) sowie Saipan (Mariannen- inseln). Südlich von Saipan liegt Tinian, das ist die Insel, von der die Bomber mit der ersten Atombombe in Richtung Japan startete. Auf Saipan fuhren dereinst viele Panzerbesatzungen ins Meer und Hunderte von Zivilisten sprangen von einem Felsen, um sich am Ende des 2. Weltkrieges selbst zu töten aus Angst sich den amerikanischen Streitkräften zu ergeben. Die Amerikaner waren von der japanischen Propaganda mit entsprechenden Geschichten verteufelt worden. Wir haben den Felsen und die Stelle am Meer besucht, es war ein sehr beklemmendes Gefühl an einem Ort zu stehen, an dem sich so viele Menschen aus Angst oder im Glauben an ihren Kaiser das Leben genommen haben.

Unser Flug ging von Tokyo über Guam, Saipan und zur Truk Lagune auf die Insel Moen. Truk ist eine der größten Lagunen der Welt, mit ca. 50 km Breite und 65 km Länge. Der seit langem erloschene Vulkan „Truk“ ragt ca. 5000 m hoch vom Boden des Ozeans bis zur Wasseroberfläche.  Die Lagune besteht aus 12 Vulkaninseln und vielen flachen Koralleninseln. Die höchste Erhebung auf Tol, einer der Inseln, ist 443 m hoch und die tiefste Stelle liegt bei ca. 60 m, obwohl die Lagune ziemlich gleichmäßig tief ist.

1973 lebten etwa 30.000 Menschen im Truk Distrikt, die ursprünglich aus Südostasien und Malaysia stammten. In Mikronesien wird auf jeder größeren Insel entweder ein eigener Dialekt bzw. eine eigene Sprache gesprochen. Es gibt 9 Hauptsprachen, von der eine auf Truk gesprochen wird.

Die Inseln wurden von den Spaniern annektiert und nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg 1899 an Deutschland verkauft. Deutschland verwaltete die Inseln bis kurz nach Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914, bis zu dem Moment, in dem die Japaner die ungeschützten Inseln übernommen haben. Da die Japaner in diesem Krieg auf der richtigen Seite standen, hat sich natürlich keine Nation daran gestört, dass man die Inseln behielt und ab 1920 für die Außenwelt abriegelte. Japan erkannte die strategische Lage der Inseln und startete Ende der 30er Jahre den Ausbau als Stützpunkt für die Kriegsmarine und legte auch Flugplätze sowie weitere Installationen für die Luftwaffe an.

Die Lagune diente im 2. Weltkrieg der Japanischen Flotte als natürlicher Hafen mit nur drei Einfahrten ( Nordpassage, Südpassage und Ostpassage), die von riesigen im Felsen verborgenen Krupp Kanonen auf die Einfahrten zur Lagune gerichtet waren.

Doch wie so manches im Leben, waren auch diese Kanonen nicht der ultimative Schutz wie sie einst gedacht waren, denn Flugzeugträger brauchten nicht in die Lagune einzulaufen, um die dort vor Anker liegenden Kriegsschiffe und Frachter anzugreifen. So geschah es dann, dass am 17-18.2.1944 amerikanische Flugzeuge von den vor der Lagune liegenden Flugzeugträgern starteten und Angriffe flogen. Truk war wohl der wichtigste Stützpunkt der Japaner außerhalb Japans und dies wurde von den Amerikanern auch so gesehen.  

Die Task Force 58 war ein Teil der Streitkräfte unter dem Kommando der Central Pacific Forces, die Vice Admiral Raymond A. Spruance anführte. Er nahm an dem Angriff auf Truk teil und seine Flagge wehte auf der New Jersey.

Der Kommandeur des taktischen Kommandos der Task Force 58 war Rear Admiral Marc. A. Mitscher auf der USS Yorktown. Die Task Force war für den Angriff aufgeteilt in 3 Task Groups zum Angriff auf Truk sowie einer Einheit, die Eniwetok besetzten sollte.

Die Task Group 58.1 wurde von Rear Admiral J.W. Reeves, Jr. kommandiert, der auf der Enterprise stationiert war. Die Einheit bestand aus den Fast Attack Carriers Enterprise und Yorktown sowie dem Light Carrier Belleau Wood. Die Kreuzer Division 13 unter Rear Admiral L.T. Du Bose war der Gruppe unterstellt und bestand aus den 3 leichten Kreuzern Santa Fe (Flagship), Biloxi und Mobile sowie dem neuen leichten Anti Aircraft Cruiser Oakland.  Das Schild bestand aus 9 Zerstörern unter dem Kommando von Captain S.R. Clark, der C.K. Bronson (Flagschiff), Cotton, Dortch, Gatling, Healy, Cogswell (Flagschiff), Caperton, Ingersoll und der Knapp.

Die Task Group 58.2 wurde von Rear Admiral A.E. Montgomery befehligt, der auf der Essex stationiert war. Die Task Group bestand aus den Fast Attack Carriers Essex und Intreped sowie dem Light Carriers  Cabot. Den drei schweren Kreuzern San Francisco, Wichita und Baltimore sowie der Anti Aircraft Kreuzer San Diego, unter dem Kommando von Rear Admiral L. J. Wiltse. Das Schild wurde von Captain G.R. Cooper, der die Zerstörer Owen (Flagschiff), Stempel, The Sullivans, Stephen Potter, Hickox (Flagschiff), Hunt, Lewis Hancock und Stack kommandierte, geführt.  

Die Task Group 58.3 wurde von Rear Admiral F.C. Sherman von dem  Fast Attack Carrier Bunker Hill kommandiert. Bunker Hill war der einzige Fast Attack Carrier.

Zu dieser Task Force gehörten auch die Light Carriers Monterey und Cowpens. Die Schlachtschiffe standen unter dem Kommando von Rear Admiral W.A. Lee Jr. Auf der North Carolina. Die Battledivision 7, kommandiert von Rear Admiral O.N. Hustvedt, bestand aus den nagelneuen Schlachtschiffen Iowa und New Yersey, den größten Schlachtschiffen, die jemals in Amerika gebaut wurden.  Admiral Spruance kommandierte die New Jersey, die ihre erste Schlachterfahrung sammeln sollte.

Die Battledivision 8, die North Carlolina und die Massachusetts wurden von Rear Admiral C.B. Davis kommandiert.

Die Battledivion 9, die South Dacota und die Alabama wurden von Rear Admiral E.W. Hanson, die schweren Kreuzer Minneapolis und New Orleans von Rear Admiral Giffen, die Zerstörer Izard, Charette, Conner, Bell, Burns, Bradford, Brown und Cowell von Captain C.F. Espe sowie die Zerstörer Lang, Sterrett und Wilson von Captain C.J. Stuart kommandiert.

Ich habe bewusst diese vielen Schiffe aufgezählt, um darzustellen, wie massiv die amerikanischen Streitkräfte gegen diese strategischen Ziele vorgingen.  

Der Pilot unserer Maschine fliegt, bevor er zu einer Landung auf der Korallenpiste ansetzt, 50 Meter über die Piste, um Kinder und Schweine von der Piste zu vertreiben. Die Piste ist sehr kurz, am Limit für eine Boing 727. Die Maschine muss innerhalb der ersten 50 Meter aufsetzten, sonst muss der Pilot sofort durchstarten, da die Abbrems- bzw. Auslaufstrecke zu kurz sein würde. Es geht um Meter!! Nach dem Aufsetzen wirbeln die Triebwerke Unmengen Korallenstaub in die Luft. Der Pilot sieht mit Sicherheit nichts mehr während des Ausrollens. Die Flugzeuge haben eine spezielle Abschirmung des Unterbodens vor der besonderen Korrosion durch Korallen!? Die Piloten erzählten mir, dass diese Route noch eine der wenigen sehr interessanten Flugrouten ist, denn man muss noch nach alter Schule mit den Sternen navigieren bzw. im Sichtflug die Flugplätze anfliegen, da es keinerlei Anflughilfen gibt.

Wir haben im Continental Hotel gebucht, so hieß auch die Airline, die uns hierher geflogen hatte. Das Hotel war Teil der Continental Gruppe. Wir wurden von einem Jeep des Hotels abgeholt und von dem kleinen Flugplatz mit Arrival Hall aus Bananenblättern zum Hotel gebracht.

Es ging am Strand entlang durch kleine Ansiedlungen und der „Hauptstadt“ der Insel zum anderen Ende. Am Straßenrand hinter und unter Sträuchern saßen exotisch aussehende Insulaner, die sich singend ein paar Dosen Bier in die Kehle gossen. Später wurden wir davor gewarnt abends auf dieser dunklen Straße zu Fuß zu gehen, denn diese fröhlichen Gesellen hätten auch schon mal Mitinsulaner oder Touristen mit dem Messer im Gesicht herum-geschnitzt.

Das Hotel lag direkt am Strand, bestehend aus mehreren Gebäuden. Gebäuden, in denen die Zimmer der Gäste lagen und dem Hauptgebäude, in dem Lobby, Restaurant sowie Konferenzräume waren.

Zur damaligen Zeit war Tony Bruggemanns der Hotelmanager auf Truk. Tony ist mit einer Hawaianerin verheiratet und wenn ich mich recht erinnere, war dies sein erstes Engagement als Hotelmanager.

Ich habe ihn später auf Papeete, Tahiti und auch in Jakarta in sehr großen Hotels als Chef wieder gesehen. Nach Dakha, Bangladesh wollte ich nicht, um ihn zu besuchen. Einmal traf ich ihn und seinen Bruder in Tokyo, wo wir damals wohnten. Sein Bruder besaß ein französisches Restaurant in Los Angelos und wusste von den Dingen, die Tony mit Familie in Dakha entbehren musste. Folglich brachte er auch einen Eimer Dijon Senf und zwei Eimer Cornichons mit nach Tokyo. Am Ende des Abends brachte ich die Brüder in ihre Hotels. Erst Tonys Bruder und dann Tony. Dieser bat mich dann allerdings inständig den Senf und die Gurken mit nach Hause zu nehmen, denn diese Sachen im Flugzeug nach Dakha zu transportieren war einfach zu viel, es gab andere Prioritäten.  

Tony Bruggemanns war übrigens der Koch einer belgischen Antarktisexpedition, die etwa Ende der 60iger Jahre stattgefunden haben muss.

Unsere Kinder hatten schnell Kontakt gefunden, auch mit Tonys Kindern, sodass sie auch ihren Spaß am Strand hatten, denn tauchen konnten sie ja nicht.  

Die Lagune bot vielfältige Möglichkeiten, die Freizeit zu verbringen. Tauchen zählt allerdings zu den Hauptattraktionen, denn auf dem Grund der Lagune liegen viele japanische Kriegsschiffe, das U-Boot U-169 und viele Flugzeugwracks. Mein Ziel war es, einige dieser gesunkenen Schiffe anzutauchen, die alle ca. zwischen 15 – 60 Metern liegen. Um dies auch umsetzen zu können, musste ich mir einen Tauchpartner suchen, denn allein sollte man niemals mit Flaschen in diese Tiefen gehen.

Mein erster Tauchpartner war ein Raketenprofessor, so nannte ich ihn, nachdem ich erfuhr was er beruflich tat. Er kam mit seinem Sohn nach Truk, um dort zu tauchen, lebte und arbeitete aber auf Kwajalein, einer Insel weiter im Osten gelegen und zu den Marshall Islands gehörend. Die US Army schoss von der Westküste aus Raketen in den Pazifik Richtung Kwajalein und wenn ich es richtig verstanden habe, auch in umgekehrter Richtung. Die Forscher der Army arbeiteten offensichtlich dort, um diese Raketenflüge auszuwerten.

Wir Drei tauchten dann weniger anspruchsvolle Ziele in der Lagune an. Der Vater war ein versierter Taucher, doch der Sohn hatte auch weniger Erfahrung, so dass wir uns einfache aber doch interessante Ziele aussuchten. Wir tauchten z. B. in der Nähe einer Laguneninsel zu einem japanischen Kampfflugzeug und setzen uns ins Cockpit. Wenn ich allerdings an den Menschen bzw. Piloten denke, der damals bei dem großen Angriff auf die Lagune im Cockpit saß und wahrscheinlich auch darin starb, wird man doch etwas nachdenklicher.

Wir trafen auf dieser winzigen Insel Kinder, die uns beim Überfliegen der wöchentlichen Maschine auf diese aufmerksam machen wollten, und immer wieder Zeppelin riefen. Zugegebenermaßen dauerte es einen Moment bis ich begriff, dass sie das Flugzeug meinten und es Zeppelin nannten, so wie man Luftfahrzeuge nannte, als Deutschland noch die Kolonialmacht in Mikronesien war. Es liefen eine Reihe Haustiere frei auf der Insel herum. Als wir uns einer Gruppe von Ziegen näherten, nannten die Mikronesier diese Ziegen. Es sind offenbar einige deutsche Worte von den Insulanern übernommen worden.

Am Weihnachtsabend lernten wir ein sehr nettes amerikanisches Ehepaar kennen. Sie waren vom Peace Corp und hatten sich für diese Zeit für Mikronesien entschieden, bzw. ich denke sie wurden dorthin geschickt. Sie war Lehrerin in der Grundschule und ihr Mann Rechtsanwalt, der mit den lokalen Behörden die Legislative der Inseln auf ihre Unabhängigkeit vorbereiten sollte. Das Ehepaar wohnte bei einer lokalen Familie und hatte dort einen kleinen Raum für sich. Der Raum war so gut wie leer und die beiden schliefen wie die Lokalen auf dem blanken Fußboden. Wir haben ein paar sehr schöne Stunden/Tage miteinander verbracht. Mit der lokalen Familie (er fuhr den Caterpillar des Ortes) und dem Peace Corp Paar verbrachten wir Abende, an denen mystische Geschichten der Inselbewohner erzählt wurden. Leider muss ich gestehen, dass ich die meisten Geschichten vergessen habe, denn diese Geschichten klangen so abenteuerlich, dass sie kaum zu glauben waren. Die meisten Geschichten handelten von der japanischen Besatzungszeit. So wurde z. B. erzählt, dass man die japanischen Wachleute der Lagerhäusern verhexte, damit man in die Lagerhäuser einbrechen konnte, um etwas mehr Reis zum Essen zu haben.

Der zweite Tauchpartner bestand aus einer Gruppe junger Japaner, einschl. eines japanischen Unterwasserfotografen, der offensichtlich schon einige Ziele im Pazifik angetaucht hatte. Unser erstes Ziel war die Fujikawa Maru, ein Frachtschiff der japanischen Kriegsmarine.

Diese Schiff hatte 6938 t , war 132 Meter lang, 18 Meter breit und 10 Meter hoch.

Das Deck des Schiffes liegt zwischen 18 und 34 Metern unter Wasser. Man kann von Deck zu Deck nach unten bzw. in die Ladeluken, die Küche, auf die Brücke und außen zur Schiffsschraube tauchen. Die Schiffe wurden kurz nach dem Kriegsende von professionellen Schiffsausschlachtern geerntet, d.h. alles Wertvolle und Brauchbare wurde aus dem Schiff entfernt, dazu zählten natürlich weder die Munition noch die Giftfässer, die auch jahrelang dort lagerten.

Im Inneren des Schiffes befindet sich heute noch die deutlich erkennbare Ladung aus dem Jahr 1945. Zerlegte Flugzeuge, d.h. Tragflächen und Rümpfe, Panzer, Gewehre, Lastwagen, Maschinengewehre,  Munition jeder Größe, auch schwere Schiffsmunition. Alles ist nach wie vor relativ ordentlich gelagert, macht aber einen sehr makaberen Eindruck wenn man bedenkt, was hier damals passierte und Menschen erleben mussten. Ein besonders beeindruckender Anblick ist die Schiffsschraube, die man in voller Größe vor sich sieht. Es ist faszinierend, wunderschöne farbige Fische jeder Größe hinter jeder Ecke oder Luke zu finden. Natürlich hatten sich schon überall große Muscheln oder auch Korallen angeheftet.

Ein weiteres Tauchziel war die U 169. Wir fuhren mit einem Motorboot hinaus an die durch eine Boje markierte Stelle und bereiteten uns auf den Tauchgang vor. Die Japaner waren früher fertig als ich und stürzten sich rücklings wie üblich ins Wasser. Ich hantierte noch an meiner Ausrüstung herum und stürzte mich etwas später ebenfalls rücklings in Wasser, doch „vergaß“ ich dabei meine Maske festzuhalten. Beim Reinfallen bzw. Untertauchen ins Wasser erschrak ich so sehr, dass ich erst einmal 1 Liter Wasser schluckte. Dies führte dazu, dass ich wieder ins Boot stieg, um Luft zu schnappen. Beim zweiten Anlauf ging alles gut, doch die Japaner waren bereits an der Boje im Abtauchen. Ich brauchte ca. 3 Minuten bis zur Boje, an der man zum U-Boot abtaucht. Um möglichst schnell nach unten zu kommen, zog ich mich auch an dem Seil der Boje kopfüber nach unten. Nach etwa 10-15 Metern, das Boot liegt zwischen 34-38 Metern, stellte sich bei mir urplötzlich ein sehr heftiger Schmerz in den Ohren ein. Bevor ich überhaupt reagieren konnte, sah ich im wahrsten Sinne des Wortes „Sterne“. Um mich herum tanzten Hunderte von Sternen und mir wurde es ziemlich mulmig zumute. Glücklicherweise dauerte dieser Zustand nicht lange an, sodass ich wieder langsam nach oben tauchte und zurück zum Boot schwamm. An diesem Tag bin ich nicht mehr getaucht, sondern ich bekam schweres Nasenbluten, dass über 8 Tage dauerte, an denen ich immer mit einem Tempo unter der Nase herumlief.

Selbst als ich mit meinem dritten Tauchpartner wieder die U 169 antauchte, hielt das Nasenbluten an, d.h. die Taucherbrille war alle paar Minuten bis zu den Nasenlöchern voll und musste ausgeblasen werden. Mit Tom, einem Amerikaner, der für das Repräsentantenhaus arbeitete,  habe ich dann einen weiteren Tauchgang zum U-Boot gewagt. Dieses Mal ging alles ohne Probleme, das Hereinfallen ins Wasser und das Abtauchen entlang dem Stahlseil zum    U-Boot in 34 m Tiefe. Als wir auf dem U-Boot standen, formierte sich um und über uns ein Fischschwarm, der um uns herumschwamm. Es erschien mir als ständen wir in einem Fass, dessen Wände aus Fischen bestanden. Die Fische waren etwa 50-70 cm lang und sicher auch 20-25 cm hoch. Es hatte etwas Beklemmendes dort mitten Hunderten von Fischen auf einem untergegangenen U-Boot zu stehen, aus dessen Rumpf erst im Herbst des vorigen Jahres die Überreste der Seeleute, die mit dem Boot ums Leben kamen, geborgen wurden.

An einem der ersten Tage wurde die U -169 überrascht, man vergaß 2 Luken zu schließen und sank?  Die Rettungsmannschaften versuchten das Boot zu heben und hatten es auch am Haken. Lebhaftes Klopfen aus dem Inneren des U-Bootes bestätigte den Rettern, dass viele Seeleute den Angriff überlebt hatten. Kurz bevor das Boot gehoben war, erfolgte eine neue Angriffswelle der Amerikaner und die Retter brachten sich in Sicherheit und das U-Boot stürzte wieder ins Meer. Die Angriffe müssen anschließend über Tage und Nächte gegangen sein, in denen sehr viele Schiffe versenkt wurden und man anschließend in dem großen Chaos die U-169 vergaß.

Das Boot war seit dieser Zeit verschollen, denn es lebte niemand mehr, der die Position des untergegangenen U-Bootes hätte beschreiben könne.

Die Angehörigen ließen es aber damit nicht bewenden, sondern haben immer wieder auf der Suche nach dem Boot bestanden.

Erst viele Jahre später erinnerte man sich des U-Bootes, doch sollte es bis 1972 dauern ehe man die Position wieder fand und man die Überreste bergen konnte.  

Im Herbst 1973 war es dann soweit, ein mit modernsten Geräten ausgestattetes Boot fand die      U-169. Die Überreste eines Teiles der Mannschaft wurden geborgen und nach einer traditionellen japanischen Zeremonie eingeäschert . Die Asche nahmen die Angehörigen mit nach Japan.

Doch im Januar 1974 standen Tom und ich auf dem Boot und versuchten die Luke zu öffnen, dies gelang uns mit einiger Mühe, doch als wir das Gewirr der verbogenen Rohre, Leitungen und Verkabelungen sahen, haben wir es vorgezogen nicht hineinzutauchen, sondern uns nur auf Deck ein wenig umzusehen und wieder aufzutauchen.

Wie richtig wir mit dieser Entscheidung lagen, sollten wir schon wenige Monate später erfahren. Tom schickte mir eine „unqualified information“ des Repräsentantenhauses über die Insel, aus der ich entnehmen konnte, dass im Sommer 1974 drei Taucher zu der U-169 hinabstiegen. Diese Taucher waren offensichtlich viel mutiger als wir, denn sie tauchten ins Innere des Bootes. Als sie wieder aus dem Boot herauswollten, verhedderte sich der 3. bzw. Letzte im Boot an den Kabeln und Rohren und blieb hängen. Er muss sich so stark verheddert haben, möglicherweise in Panik, dass  er auch nicht mit Hilfe des Vorletzten befreit werden konnte. Die Taucher waren über der Zeit unten, d.h. sie hatten nicht mehr genügend Reserve für einen Zwischenfall. Als die Luft knapp wurde, hat der zweite Mann noch von seiner Luft abgegeben und auf Hilfe des ersten Mannes gehofft. Doch über Wasser gab es keine Extratanks mit Luft, auch gab es auf Truk keine Druckkammer für Tauchunfälle, so musste auch der zweite Mann nach oben, um nicht zu ersticken. Er überließ dem Verhedderten seine Flasche mit dem restlichen Sauerstoff und tauchte nach oben. Dies ist ein sehr schlimmes Beispiel für Übermut, falsche Selbsteinschätzung  oder missverstandene Suche nach Abenteuern, das einer mit seinem Leben bezahlen musste. Er war nicht der Letzte, der auf Truk verunglückte.

An einem anderen Tag fuhren wir etwas weiter in die Lagune hinaus, um den Zerstörer Shinkoku Maru anzutauchen. Wir fuhren mit einem gecharterten kleinen Boot hinaus und fanden den Zerstörer nach wenigen Minuten. Die Inselbewohner wissen trotz der Größe der Lagune recht genau wo die einzelnen Schiffe liegen, obwohl sie nicht (außer den U-169) markiert sind. Nachdem wir uns im Boot zum Tauchen fertig angezogen hatten und ich ein wenig früher fertig war, sprang ich ins Wasser und schaute mich, so wie mich es mein japanischer Tauchlehrer es gelehrt hatte, nach allen Seiten unter Wasser um. Was ich da sah hat mich nicht sonderlich begeistert, denn vor mir in etwa 20 Metern Entfernung hatte sich bereits ein Neugieriger eingefunden, ein Hai schwamm vor mir hin und her, kam aber nicht näher sondern schien mich zu beobachten. Nakajima hatte gesagt, wenn du nach vorne schaust und einen Hai siehst, schau auch mal nach hinten! Diesen Rat habe ich sogleich befolgt. Hinter mir schwamm ein weiterer Hai im gleichem Abstand hin und her und beobachtete mich. Nun erinnerte ich mich an einen weiteren Rat Nakajimas, der hieß nicht panikartig bewegen, sondern am besten ruhig im Wasser liegen bleiben. Also hob ich lediglich meinen Kopf aus dem Wasser und empfahl Tom vorerst nicht ins Wasser zu kommen. Nach ca. 15 Minuten waren die beiden neugierigen Haie zumindest aus meinem Blickwinkel und wir sind dann zu dem Zerstörer hinunter getaucht. Wir haben an Deck des Zerstörers viele wunderbare große Fische gesehen, sie kamen plötzlich aus Luken und erschreckten mich nach dem Erlebnis mit den Haien. Unser Tauchgang war zugegebenermaßen relativ kurz, wir müssen wohl immer wieder an die Haie über uns gedacht haben. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass Lagunenhaie recht friedlich sein sollen.

Von Toni Bruggemanns konnte ich mir hin und wieder seinen Jeep ausleihen, um in das Dorf zu fahren bzw. auch kleine Ausflüge zu unternehmen, denn sehr lang war die Straße sowieso nicht.

Einer dieser Ausflüge führte uns zu dem Lighthouse, dem Leuchtturm der Insel. Vom Ende der Straße oder besser Feldweges, mussten wir noch ein paar Kilometer durch Palmenhaine wandern bevor wir am Leuchtturm vorbei zu der Kanonenhöhle kamen.

Dort stehen bzw. liegen die Reste riesiger Krupp Kanonen, die die beiden Laguneneingänge vor Eindringlingen schützen sollte. Die Kanonenrohre sind sicher 10 Meter lang, sie wirken unglaublich groß. Unglaubliche Penisse! Die Kanonen waren genau auf die eng begrenzten Einfahrten eingestellt und fest montiert, denn die Einstellung passte immer, um jedes eindringende Schiff mit einem Schuss zu versenken. Doch diese Kanonen haben 1944 die Lagune nicht schützen können.

Wir waren während der Weihnachtsfeiertage 1973 auf Truk und konnten somit auch die Vorbereitungen der Eingeborenen zum Weihnachtsfest beobachten. Besonders beeindruckt haben mich dabei die Kinder und Frauen mit ihren weihnachtlichen Gesängen. Es war wunderschön ihnen zuzuhören, wie sie Weihnachtslieder einübten, in denen pazifische Melodien durchklangen. Immer wenn ich im Ort war, bin ich an dieser Holzbaracke, in der sie übten, vorbeigefahren in der Hoffnung ihnen wieder zuhören zu können.

Durch meinen amerikanischen Bekannten, der mit seiner Frau durch das Peace Corp nach Truk gekommen war und bei einer lokalen Familie ein Zimmer bewohnten, bekam ich Gelegenheit bei einem lokalen Fischfangausflug bei Nacht teilzunehmen. Es mögen 5-6 Lokale und wir, die beiden Ausländer, gewesen sein, die da auf Fischfang gingen. Wir fuhren in einem kleinen und sehr alten Motorboot zu einer der Inseln in der Lagune. Es hieß auf der Insel lebe vorübergehend nur eine Familie mit all ihrem Hab und Gut, und ernte dort die Kokosnüsse. Wir waren noch nicht aus Sichtweite des kleinen Ortes, als es auch schon so richtig zu Gießen begann. Es regnete so heftig, dass man schon 3 Meter vor sich nichts mehr sehen konnte. Wir verkrochen uns unter dem Dach des Motorbootes, um nicht schon durchweicht anzukommen. Doch nach einigen Minuten hielt ich es dort schon nicht mehr aus, weil ich den Steuermann beobachten wollte, wie er den Kurs hielt und ich mir nicht vorstellen konnte, wie er dies macht. Also bin ich unter dem Bootsdach hervorgekrochen und habe mich neben den Bootsmann gesetzt. Nach ein paar Minuten, in denen ich ihn weiter beobachtet habe wie er Kurs hält, habe ich ihn dann gefragt, wie er es macht. Die Antwort war ziemlich verblüffend. Er sagte, er schaue auf die Richtung, aus der die Wellen kommen, denn dadurch wisse er, wie er zu steuern habe. Dies war also sein Kompass, denn einen solchen benutzte er nicht. Auf diese Weise fuhren wir bestimmt 80-90 Minuten bis wir zu der Insel kamen, auf der wir unser „Camp“ aufschlagen wollten. Nach der Ankunft wurde es auch schon bald dunkel. Während einige unserer Ausflugsteilnehmer ein Feuer vorbereiteten, gingen andere auf einen kurzen Fischfang für das Abendessen. Nach ca. 1 Stunde war alles zum Abendessen bereit, kalte Reisbällchen wurden auf die Teller, sprich Bananenblätter verteilt, der Fisch war gebraten und auch ein wenig Gemüse wurde gereicht. Natürlich wurden auch einige Innereien gebraten, aber Gott sei Dank wurden mir diese nicht angeboten. Unser Gelage unter Palmen am Strand war für mich sehr eindrucksvoll, denn dies war sicher eine der wenigen Gelegenheiten, einen solchen „Ausflug“ mitzuerleben. Nach dem Abendessen gingen wir dann zum Fischen. Alle ausgerüstet mit Schnorchel und Flossen, die Fischer zusätzlich mit starken Taschenlampen und Harpune bewaffnet, zogen wir aus. Es war faszinierend zuzusehen wie geschickt die Lokalen einen Fisch harpunierten, wenn sie ihn erst einmal in ihrem Taschenlampenkegel hatten. Unsere Fischer hatten vor, etliche Stunden zu fischen, doch uns wurde es bereits nach einer halben Stunde im Wasser sehr kalt, denn wir hatten uns ruhig zu verhalten und möglichst wenig zu bewegen.

So gaben wir bald auf und legten uns unter unseren „Baldachin“ zum Schlafen nieder. Dieser bestand aus einer Plastikplane, die an vier Baumstämmen befestigt war. Wir hatten außerdem eine weitere Plastikplane, auf der wir auf dem Boden schlafen wollten. Es war schon ca. 23 Uhr und wir waren auch ziemlich müde, sodass wir schnell einschliefen. Irgendwann mitten in der Nacht fühlte ich mich irgendwie abgeschleckt und angeknufft. Als ich die Augen öffnete sah ich ein großes Hausschwein vor meinen Augen. Da es so nah vor mir war, wirkte es schon fast erschreckend bzw. ziemlich eklig. Ich weckte meinen Schlafgenossen, um ihn auf unseren nächtlichen fetten Besucher aufmerksam zu machen. Schließlich wurden wir unseren Besucher wieder los, denn dieser schien sich Interessanterem zu widmen, nämlich essen zu finden. So schliefen wir wieder ein. Am Morgen wurde ich sehr früh wach, dies lag sicher auch an dem harten Sandboden, auf dem ich lag. Alle Knochen taten wir weh und es fiel mir schwer, mich zu bewegen. Es schien mir als seien meine Gelenke eingefroren, obwohl es doch sicher um die 25 Grad Celsius waren, aber natürlich auch sehr feucht.  Ich lag alleine unter dem Baldachin, mein Peace Corp Bekannter war verschwunden. Es dauerte aber nicht mehr lange bis sich auch die ersten Fischer aus ihrer Decke rollten und mein Bekannter auch wieder erschien. Er war, wie er mir erzählte, nach kurzer Zeit wieder wach geworden und hatte wieder ein paar Besucher gesichtet, doch dieses Mal waren es kleine Tierchen mit langen Schwänzen, sprich Ratten. Da er von ihnen nicht abgeschleckt  werden wollte, hatte er sich in das Boot geflüchtet und mich den Ratten überlassen. Mein nachträglicher Protest hat mir wenig genutzt. Wir frühstückten recht dürftig, d.h. wir tranken einen Schluck heißen Kaffee und aßen einen Ballen kalten Reis. Schon bald danach packten wir unsere sieben Sachen zusammen und fuhren mit dem Boot zurück nach Moen. Wir hatten noch nicht vom Strand abgelegt, als meine Lippen auch schon zu sprießen begannen.  Nach weniger als 20 Minuten waren meine Ober- und Unterlippe sowie darüber bzw. darunter total mit Herpes überzogen. Ich spürte förmlich wie sich große Bläschen überall am Mund bildeten. Ich sah furchterregend aus. Drakula hatte Konkurrenz bekommen. Das Schwein und die Ratten waren mir doch wohl zu nahe gekommen und hatten mich abgeschleckt. Auch Ausspucken half nicht, den Ekel zu unterdrücken. Es dauerte ganze 3 Wochen bis diese Spuren wieder verheilt waren.

Es war auch Tom, mit dem ich zur Fujisan Maru, einem mittelgroßen Tanker, getaucht bin. Wir wussten, dass die Fujisan Maru verglichen mit den anderen Schiffen, recht tief liegen würde, doch es schien kein Ende zu nehmen bis wir endlich auf dem Deck standen. Wir waren nun ca. 46 Meter tief im Meer. Aber wir wollten natürlich bis zum Grund und sind noch einmal 15 Meter tiefer getaucht, und somit nun auf 61 Meter Tiefe. Das Auftauchen aus dieser Tiefe erfordert seine Zeit, denn man kann nicht einfach nach oben schießen, sondern der Druck auf den Körper muss langsam abgebaut werden. So sind wir praktisch langsam bis auf 61 Meter runter, haben uns ein wenig dabei umgeschaut und sind dann wieder sehr langsam nach oben, wobei wir immer mal wieder eine Pause in verschiedenen Höhen eingelegt haben.

Man darf Truk wohl den größten Kriegschifffriedhof der Welt nennen. 41 Schiffe wurden versenkt, von denen die meisten innerhalb der Lagune liegen. Außerdem wurden 270 Flugzeuge zerstört, 70 abgeschossen und 200 am Boden getroffen.

Auf den unterseeischen Überresten dieser Tragödie des 17. und 18. Februar 1944 haben sich nun Millionen Muscheln angesetzt und überlagern damit einen Teil der Tragödie, das macht es anschaulicher.     

Mit Toni Bruggemanns habe ich noch über Jahre immer wieder Kontakt gehabt. Einmal, als er noch auf Truk war, hatte er ein Versorgungsschiff für mich ausgemacht, dass die Outer-Island abfährt und den Inseln Nahrungsmitteln, Medikamente, Ausrüstung und auch Post bringt. Das sind Inseln im Pazifischen Ozean, die alle 6 Monate einmal angefahren werden. Leider konnte ich diese Reise nicht antreten, aber sie wäre sicherlich auch ein großartiges Erlebnis geworden.

Meine Kinder hatten damals eine Musikkassette von Heintje dabei. Die Bruggemanns waren von Heintjes „Heitschi Bum Beitschi Bum Bum“ auch so fasziniert, dass ich sofort nach Rückkehr in Tokyo ein Duplikat nach Micronesien geschickt habe. Heintje hat somit seine Spuren auch in Micronesien hinterlassen!