Edgar Dürholt
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Shanghai Stra├če Januar 1976
 

China, d.h. Shanghai und Peking 1976

 

Am 13. Januar 1976 flog ich mit meiner Familie zum ersten Mal nach China. Zhou Enlai war am 8. Januar gestorben und es kam ihm zu Ehren zu spontanen Kundgebungen auf dem Platz des Himmlischen Friedens. Mao Tse-tung lebte bis zum Herbst 1976. Ich hatte über Jahre  versucht ein Einreisevisum zu erhalten, doch gab es immer wieder neue Gründe, warum dies leider zurzeit nicht möglich sei. Einmal waren keine Hotelzimmer frei, dann stand kein Dolmetscher zur Verfügung usw. Jedoch bei jeder Antragsstellung erhielt ich eine Tasse Tee.

 

Aber eines morgens erhalte ich einen Anruf der Botschaft, man teilt mir mit, dass der Visumantrag genehmigt sei und ich die Pässe bringen solle! Doch es waren keine Schulferien, sodass ich erst alleine fliegen sollte. Die chinesische Botschaft machte mir sehr freundlich, aber auch sehr deutlich klar, dass das Visum für die Familie gelte, d.h. entweder fliegen alle oder keiner! Die Lehrer in der Schule mussten wir nicht überzeugen, denn jeder wäre gerne nach China geflogen, doch keiner hatte bisher ein Visum bekommen. Im Flugzeug der Japan Airlines von Toyko nach Peking, wir wohnten damals dort, saßen nur Geschäftsleute aus aller Herren Länder, die uns verwundert anschauten, denn wir waren die einzigen Touristen. Beim Anflug in Peking schneite es und der Pilot konnte die Landepiste nicht sehen. Dies bedeutete, dass wir nach Shanghai ausweichen mussten. Dort wurden wir für eine Nacht in ein Hotel gesperrt, denn wir hatten ja nur ein Visum für Peking! Doch einmal habe ich es gewagt mit meiner Tochter Michaela aus dem Hotel zu gehen und uns ein wenig in der näheren Umgebung umzuschauen. Am nächsten Tag flogen wir zurück nach Peking. Schon am Laufband, wo man den Koffer in Empfang nimmt, stand unser Englisch sprechender Dolmetscher und Aufpasser. Am nächsten Tag erschien jedoch zu unserer Verwunderung ein anderer Dolmetscher, der Deutsch mit uns sprach! Mr. Lou organisierte nun unseren gesamten Aufenthalt. Ein Auto mit Fahrer, damit wir beweglich waren für Besichtigungen und Fahrten zur Großen Mauer, den Minggräbern, den Himmelstempel, den Sommerpalast und die Verbotene Stadt. Die Besichtigungen all dieser einmaligen Sehenswürdigkeiten in der Umgebung Pekings waren für uns außergewöhnliche Erlebnisse. Bei dem  Revolutionstheaterbesuch wurde ein Stück gespielt, von dem wir natürlich sprachlich nichts verstanden, bei dem es dafür aber sehr lautstark zuging. Im Kindergarten wurden uns kleine Jungen und Mädchen vorgeführt, die vor uns tanzen und singen mussten. Eine Kunstfabrik gehörte auch zum Besuchsprogramm. Ich habe den Ausdruck Kunstfabrik gewählt, weil dort hunderte von Leuten in Reih und Glied saßen und kunstvoll winzige Schnupftabakdosen aus Glas von innen mit einem einzigen Haar bemalten. Eigentlich durfte Mr. Lou uns nicht aus den Augen lassen, doch haben wir ihn am Sonntag nach Hause zu seiner Familie geschickt. So hatte ich Gelegenheit allein in der Umgebung des Peking Hotels mit meiner Kamera bewaffnet herumzulaufen. Wo immer ich auch nur einen Moment stehen blieb, um eine Aufnahme zu machen oder einfach nur, um genauer irgendwo hinzuschauen, war ich sofort von einigen Dutzend Leuten umringt, die mich nur anstarrten! Nachdem mir dies 5-6-mal passierte blieb ich in Bewegung, denn es ist ein ziemlich unangenehmes Gefühl  wie ein Zirkuspferd angestarrt zu werden. In unserem Hotel standen natürlich damals noch überall große Spucknäpfe herum. Selbstverständlich wollte ich auch dort hinein spucken! Da ich jedoch nicht die Übung bzw. kein Zielwasser getrunken hatte, musste ich mich über den Napf stellen! Hätte ich vorher gewusst, was ich da unter mir im Napf zu Gesicht bekomme, hätte ich höchstwahrscheinlich auf das Spucken verzichtet. Gegessen wurde in einem großen Raum und es standen genaue Zeiten fest, in denen man etwas bestellen konnte. Wir saßen an sehr langen Tischen an einem Ende. Die in blauer Uniform gekleideten Kellnerinnen haben es geschafft, Schüsseln mit Reis kunstvoll über 5 Meter in unsere Richtung rutschen zu lassen, sodass diese fast genau vor uns standen! Sonst hätten sie ja 7 Schritte weiter gehen müssen.

Damals war das Straßenbild ziemlich trostlos und farblos, denn es gab nur 3 Farben bei den Kleidungsstücken: dunkelblau, grün und grau. Selbst die Millionen Fahrräder waren so gut wie farblos, d.h. schwarz. Das Militär trug grüne Uniformen, aber man sah keine Rangabzeichen! Später habe ich erfahren, dass die Anzahl der aufgenähten Taschen die Rangordnung kennzeichnete! Von wegen alle gleich.

Herrn Lou, unseren Dolmetscher, habe ich nach über 10 Jahren wieder getroffen. Er war mittlerweile Hoteldirektor geworden.

Wenn man China, d.h. Peking und Shanghai 1976 gesehen hat und die beiden Städte mit 2005 vergleicht, so traut man seinen eigenen Augen nicht, so hat sich alles verändert. Aus dem grauen trostlosen Einerlei sind farbenfrohe Menschenmassen geworden. Die meist eingeschossigen Häuser mussten bereits weitgehend unzähligen Wolkenkratzern Platz machen. Ein ganz anderes China. Keine Stadt hat sich in den letzten 30 Jahren so verändert wie Shanghai!