Edgar Dürholt
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on the way to Udaipur

 

Ein Artikel im OFF ROAD Magazin, Heft 12, Dezember 1983 von Harry Holt

Um die halbe Welt        „Von Tokyo nach München“

Mit einem Toyota-Landcruiser von Bombay nach München: Ein waghalsiges, riskantes Unternehmen, großenteils im wahrsten Sinne des Wortes „off road“ durch den indischen Subkontinent, über Pakistan, den Iran, die Türkei, Bulgarien, Jugoslawien und Österreich. Ein Deutscher und ein Japaner zogen aus, das Fürchten zu lernen – und das Staunen und Freuen über die Schönheiten in diesem Teil der Welt.

Der Toyota-Landcruiser sowie die meisten Ausrüstungsgegenstände verließen Tokyo, unserem Wohnsitz, Anfang Juni mit der "Mizorom", Bestimmung Bombay. Die Autokarten der jeweiligen Länder mussten dort bei den Automobilclubs bestellt werden - manche kamen, manche nicht. Da wir, aufgrund der Schulferien meiner Kinder im Juli/August unterwegs sein mussten, war uns klar, dass wir die Monsunzeit in Indien und die große Hitze in den indischen, pakistanischen und iranischen Wüsten in Kauf nehmen mussten. Und schließlich wurde klar, dass die Familie nicht die ganze Reise mitmachen konnte (meine Frau war nur von Bombay bis Delhi dabei und flog von dort nach Deutschland), sodass ich einen anderen Begleiter brauchte. Den fand ich in einem japanischen Freund, Herrn Ryoshi Matsui, der lange von einer solchen Reise geträumt hatte.

Ein sehr wichtiges Reisedokument, das Carnet de Passage, musste beantragt werden. Das Carnet wurde vom Japanischen Automobil-Verband ausgestellt, ohne welches viele Länder den Wagen weder hinein- noch hinauslassen. Schließlich musste der Wagen auch noch versichert werden, und da das in Japan nicht möglich war, musste ich mich an eine deutsche Versicherungsgesellschaft wenden, die auch das besondere Risiko, z. B. im Iran, übernimmt. Für Indien ist eine gesonderte Versicherung nötig, was ich in Bombay erledigen würde.

Per Schiff kam das Auto nach Bombay.

Am 2. Juli verließen wir, meine Frau und ich, den Flughafen von Tokyo, Narita, um nach Delhi zu fliegen und weiter nach Bombay, in der Tasche ein Empfehlungsschreiben der Indischen Gesandtschaft in Tokyo, das uns beim Zoll sehr weiterhalf. Das Wetter in Bombay war wie erwartet, das "Taj Mahal Hotel" ein großartiger Ausgleich mit allem nur denkbaren Komfort. Am nächsten Tag erfuhren wir im Hafen, dass wir noch 12 Tage auf unseren Wagen warten mussten! Denn da der Hafen total überlastet war, wurde die "Mizorom" nur registriert und lief dann sofort aus nach Südindien, um dort auszuladen und erst nach mehr als einer Woche nach Bombay zurückzukehren - die Länge unserer Reiseroute würde also darunter leiden! So konnten wir uns aber in aller Ruhe Bombay ansehen und uns vor der Reise noch etwas erholen:

Jede Menge heilige Kühe, die wimmelnde Altstadt, den Silbermarkt und die "Türme des Schweigens", die Bestattungsorte der Parsen (Anhänger des altiranischen Propheten Zarathustra). Die Anwohner rundherum leiden hin und wieder darunter, dass die Geier, die die Leichname zerstückeln und fressen, manchmal Teile eben dieser Leichen im Flug verlieren! Wir sahen auch einer Leichenverbrennung zu und fuhren viel mit dem Taxi herum, um uns mit der Fahrweise in Indien vertraut zu machen.

Der Tag der Ankunft unseres Wagens kam näher, und als das Schiff dann endlich im Hafen lag, musste ich mit dem Wagen nur noch durch den Zoll (wobei mir zugute kam, dass ich jedes Stück Ausrüstung einzeln aufgeführt hatte) und meine Frau und ich konnten nach Delhi aufbrechen, wo ich meinen Freund Ryoshi treffen würde.

Am nächsten Morgen um 3 Uhr ging's los - 750 km nach Udaipur lagen vor uns. Die unbeschreiblichen Regenfälle, die Schlaglöcher in der "Straße" und ca. 40 schwere Unfälle, an denen wir in den ersten fünf Stunden auf dem National Highway Nr. 8 vorbeikamen – all das motivierte uns natürlich ganz ungeheuer!

Jedes Überholmanöver ist ein Abenteuer, denn die entgegenkommenden Fahrzeuge befleißigen sich einer herzerfrischenden Unbekümmertheit, und nicht nur das: Die drei Hauptursachen für Unfälle sind Trunkenheit, Übermüdung und der Zustand der Autos, Busse und Motorräder. Auch die Bezeichnung "Highway" ist größenwahnsinnig: 5 Meter breit, gepflastert und mit Löchern gespickt.

Kurz vor Udaipur sahen wir die ersten wagenziehenden Kamele, die nun zum Straßenbild gehörten und die heiligen Kühe ablösten, die uns die Fahrt so schwer gemacht hatten. In Udaipur suchten wir das "Lake Palace Hotel" und konnten dort, dank des Einführungsschreibens des Managers vom Taj Mahal Hotel, am Lake Palace Festival teilnehmen: Ober und Diener trugen alte Kostüme aus der Zeit des Maharadschas von Udaipur, Garde in alten Uniformen, phantastisches Essen und ein Feuerwerk und bald fühlten wir uns selbst als Maharadscha und Maharani. Der nächste Tag brachte uns nach Jodhpur, direkt in die Wüste Thar im Bezirk Rajastan. Es erwarteten uns zwar "nur" 380 km, aber durch den schlechten Straßenzustand und die Überquerung des Arawalli-Gebirges mit nicht endenden Serien von Haarnadelkurven immerhin 12 Stunden Fahrt mit einer Höchstgeschwindigkeit von 35 km/h. Wir passierten etliche Dörfer und sahen, welche Not es bedeutet, in diesem Landstrich zu leben oder besser gesagt: überhaupt zu überleben! Nach der Überquerung des Arawalli-Gebirges trafen wir Nomaden, die am Straßenrand kampierten. Alles, was diese Menschen bei sich haben, bedeutet ihre gesamte Habe, und ihr Bleiben wird vom Nahrungsangebot für ihre Herden bestimmt - ist alles abgegrast, ziehen sie weiter. Ein Wunder, dass die Tiere hier überhaupt etwas finden. Für unsere Augen eine malerische Szene: felsige Berge, Zelte, Männer, Kinder, einige Frauen, viele Esel, Schafe und Kamele - für die Beteiligten sicher hart und gar nicht malerisch! Um 4 Uhr am Nachmittag erreichten wir nach elfstündiger Fahrt die Vororte von Jodhpur, dessen Festung hoch über der Stadt liegt. Zu dieser Festung wollten wir hin - nur leider führte die "Straße" dorthin unglücklicherweise durch den Basar, das bedeutete also Schritttempo für uns; aber schließlich erreichten wir doch den "Gateway Of Victory", eines von sieben mächtigen Toren mit riesigen Portalen und von Wächtern flankiert. In der Wand des "Loha-Gate" finden sich die Handabdrücke von 15 Maharanis, die "Sati" begingen (begehen mussten!), d. h. dass sie dem toten Ehemann auf den Scheiterhaufen folgten und mit ihm verbrannten! In kurzer Entfernung vom Fort liegt das Ehrengrabmal des Maharadscha Jaswant Singh, ganz aus Marmor. Vom Fort hat man einen phantastischen Ausblick über das ganze Jodhpur mit dem riesigen Umaid Bhawan Palast, der 1940 erbaut wurde und heute als Hotel dient. Damals hatte der Maharadscha eine ganze Schiffsladung mit englischen Möbeln angefordert, das Schiff ist aber von der deutschen Marine versenkt worden und so ist die heutige Einrichtung mehr einheimischen Ursprungs und ziemlich abgenutzt.

Am dritten Tag mussten wir 680 km hinter uns bringen, da ich in Delhi meine Verabredung mit Ryoshi einzuhalten hatte. Also ging es geradewegs durch die Thar-Wüste mit über 50 °C; innen im Wagen "Dank" Klimaanlage immer noch 32°!

Hitze und Sand, vom Wind aufgewirbelt, bewirkten, dass wir für die 350 km bis nach Jaisalmer 7 Stunden brauchten. Jaisalmer liegt direkt inmitten der Wüste auf einem riesigen Felsen - erstaunlicherweise bestens versorgt mit Obst und Gemüse. Seine 16000 Einwohner schienen sich alle gleichzeitig in den Straßen aufzuhalten – auf uns wirkte das Alles sehr pittoresk - aber wir mussten noch weiter nach Bikaner. Das dortige Hotel war geschlossen, also mussten wir mit einem landesüblichen Bungalow vorlieb nehmen, der den Namen nicht verdiente und in dem wir vor Hitze kaum schlafen konnten. Aber in Jaipur erwartete uns dafür wieder höchster Komfort in Form eines Hotels aus der Taj-Mahal-Gruppe. Das "Rambagh Palace" übertraf alle unsere Erwartungen - wir verbrachten den Rest des Tages auf der Terrasse, wohlig kühle Drinks schlürfend und genossen den Ausblick in den üppigen tropischen Garten. Jaipur, die Hauptstadt Rajastans, hat einen alten Stadtkern, der die "Rosa Stadt" genannt wird, da das Baumaterial aus rosa Sandstein besteht - ein überwältigender Anblick bei jeder Art von Beleuchtung! Dieser Stadtkern wird von einer hohen Mauer mit acht Toren umgeben. Tage hätten wir hier zubringen können, mussten uns aber bei der Besichtigung auf einige wenige Dinge beschränken: der Palast, in dem es alte Waffen, wunderbare Teppiche und Bilder zu sehen gab, und das

Observatorium, erbaut von 1718-34. Der "Palast der Winde" mit seiner rosa Fassade, erbaut 1799, das Nahargarh Fort von 1734 und der "Bernstein-Palast", 11 km von Jaipur entfernt auf einem Felsen gelegen, vervollständigten das Besichtigungsprogramm und wir kehrten zu einer wohlverdienten Pause für den Rest des Tages ins Hotel zurück. Dort hatte sich nicht nur die übliche Menge von Menschen um unser Auto versammelt, sondern auch eine Horde Affen obendrauf, die die Regenabdeckung des Dachgepäckträgers benagten, sich aber schnell verjagen ließen (Menschen und Affen!).

Der nächste Tag brachte Agra und das "Taj Mahal", erbaut 1631-38 von Großmogul Shajahan zum Zeichen seiner Liebe, Verehrung und Bewunderung für seine Lieblingsfrau Mumtaz Mahal. 5 Kuppeln, 4 Minarette, Wasser- und Gartenanlagen bieten einen überwältigenden Anblick. Und obwohl sicher eines der meistphotographierten und besprochenen Kunstdenkmäler der Welt, ist es, wenn man dann selbst davor steht, noch grandioser als alle Vorstellungskraft - was für eine Frau muss das gewesen sein, die so verehrt und verewigt wurde!

Delhi: Die Verkehrsbedingungen sind zu unglaublich, um sie beschreiben zu können, der Ausdruck Tohuwabohu wäre wohl am treffendsten, aber wir kamen unbeschadet zum Hotel, für uns ein kleines Wunder, aber nicht zuletzt war die Hilfe der immer freundlichen indischen Bevölkerung, die uns immer richtig weiterbrachte, selbst wenn sie kein Englisch sprachen, der Grund für dieses Wunder.

Mit Ryoshi Matsui verbrachten wir noch einen Tag in Delhi mit Erzählungen von unserer bisherigen Tour und gemeinsamen Besichtigungen, dann flog meine Frau nach Deutschland und Matsui und ich brachen auf nach Lahore in Pakistan. Vorher gab es noch eine Überraschung: Unser Auto war liebevoll dekoriert mit Blumen - ein freundliches "Lebwohl" der Hotelbediensteten.

Roy musste sich erst auf unserem Wagen einfahren, und so ließen wir uns am ersten Tag unserer gemeinsamen Fahrt Zeit zu einem Stop in Amritsar im Pandschab, bevor wir nach Attari, der Grenzstadt Indien/Pakistan fuhren.

Auf der indischen Seite wollte man nur die Wagennummer sehen, noch nicht einmal die Motornummer und so fuhren wir guten Mutes auf die pakistanischen Seite - der Beamte der Einwanderungsbehörde, obwohl Pakistani, schwitzte noch mehr als wir. Ich ging also mit den Papieren ins Büro, Roy blieb beim Wagen und hielt ein Schwätzchen mit einem anderen Beamten. Dieser kam plötzlich herein und fragte mich, ob wir Alkohol dabei hätten, was ich bejahte, denn ich wusste ja nicht, was Roy erzählt hatte. Dieser müsse beschlagnahmt werden, denn Pakistan ist ein mohammedanisches Land. Einige Beamte rieten uns nun, Roy und ich sollten die Flasche Whisky auf der Stelle austrinken - man stelle sich vor: bei dieser Hitze jeder eine halbe Flasche! Wie würde uns dann wohl in einer halben Stunde zumute sein? So gab ich lieber den Whisky her, damit sie ihn sich teilen konnten. Das hatte ein Gutes: Wir wurden nicht weiter kontrolliert und konnten nach Lahore aufbrechen. In Lahore versuchten wir vom dortigen Automobilclub einige Informationen über die Route nach Gilgit, Hunza, Keghan Valley und besonders über den Babusar-Paß, 4200 m hoch, zu bekommen, aber die Auskünfte waren mehr als dürftig. So besichtigten wir in dieser Zweimillionenstadt die größte Moschee der Welt, das alte Fort und den Basar, waren aber sehr froh, als wir Lahore hinter uns lassen konnten: Erst 30 km außerhalb der Stadt wurde die Luft wieder klar! An diesem Tag fuhren wir nach Islamabad, der neuen Hauptstadt Pakistans, die auf einer Hochebene in der Nähe des alten Rawalpindi liegt. Diese neue Stadt machte einen unerwartet sauberen Eindruck, was wohl nicht nur an der der Neuheit, sondern auch an der Anwesenheit des Regierungssitzes, der Botschaften und der Missionen liegt.

Der nächste Tag sollte uns durch das berühmte Kaghan Valley zum Babusar-Pass bringen, das erste wirklich abenteuerliche Unternehmen, und die "Straße", die uns erwartete, gab uns auch gleich einen

Vorgeschmack davon: keine Leitplanken, kein Straßenbelag, jähe Abfälle ins Tal hinunter, und je weiter wir kamen, desto schmaler wurde der Fahrweg, eigentlich mehr ein breiter Pfad. Von Islamabad nach Kaghan brauchten wir 14 Stunden, fuhren aber noch einmal fast zwei Stunden weiter nach Naran, wo wir einen Platz zum Essen und Schlafen suchten. Gegen 10 Uhr fielen wir wie tot ins Bett und wurden zu allem Überfluss mitten in der Nacht durch das Alarmsystem unseres Wagens geweckt. Bis wir aus den Betten waren, war natürlich jegliche etwa schuldige Person längst über alle Berge. Um 4 Uhr am nächsten Morgen brachen wir zum Babusar-Pass auf, um hinunter zum Karakorum-Highway zu kommen. Unterwegs lasen wir einen alten Mann als Anhalter auf, der während der ganzen Fahrt mit uns pausenlos "Allah" vor sich hinmurmelte, wahrscheinlich zur Abschreckung all der schlimmen Dinge, die ihm in unserer Gegenwart zustoßen konnten - und in Anbetracht der "Straße" hatte er völlig Recht, zu beten. Zwischen den einzelnen Gebetsrufen hat er aber auch noch kräftig gespuckt. Trotz seines geringen Vertrauens in unsere Fahrkünste verließ er uns erst nach vier Stunden mit freundlichsten Abschiedsworten und Gesten - wahrscheinlich die pure Erleichterung, diesen ungläubigen Teufeln noch einmal mit dem Leben davongekommen zu sein!

Je höher wir kamen, desto wunderbarer wurde die Szenerie: schneebedeckte Bergketten hinter riesigen dunkelgrünen Himalaya-Zedern unter strahlend blauem Himmel und dazu die wild aussehenden, jedoch sehr freundlichen Menschen.

Schließlich war unser Trampelpfad gerade noch so breit wie das Auto, was unsere Aufmerksamkeit leider mehr und mehr von der herrlichen Landschaft ablenkte. Hinter Battabundi musste Roy aussteigen und mir Zentimeter für Zentimeter Zeichen geben, damit ich mit den Reifen nicht über den Abgrund rutschte. Dazu kamen Brücken, die gerade so breit wie der Wagen waren und unter seinem Gewicht heftig zu schwingen begannen - sie waren aus Baumstämmen!

Der Weg wurde immer noch schmaler, und wir waren noch vier Stunden vom Babusar-Pass entfernt - also mussten wir überlegen, ob wir bei nächster sich bietender Gelegenheit nicht doch besser umkehren sollten und nach Mansehra zurückfahren, um dann von Besham aus am Indus entlang zum Karakorum-Highway zu kommen. Eine Woche später am Satpora-See nahe Skardu wussten wir dann, dass das die weiseste Entscheidung war - wir wären mit unserem Wagen nie über den Pass gekommen, erzählte uns ein einheimischer Händler, der mit seiner Karawane oft diesen Weg macht. Und davon hat man in Lahore natürlich nichts gewusst!

Wir fuhren also zurück nach Mansehra und wandten uns nordwärts zum Karakorum-Highway. Inzwischen war es aber dunkel geworden, und wir brauchten noch drei Stunden bis nach Besham, wo wir erst übernachten konnten. Bisher hatten wir es tunlichst vermieden, nach Einbruch der Dunkelheit unterwegs zu sein, denn die einheimische Bevölkerung fährt prinzipiell ohne Licht, und ein Unfall konnte für uns nicht nur das Ende unserer Reise bedeuten, sondern auch einen unbegrenzten unfreiwilligen Aufenthalt. Also wurde alles verfügbare Licht am Wagen eingeschaltet, und los ging's - mit weit weniger Mut als wir uns gegenseitig eingestanden. An vielen Straßensperren wurden wir von Soldaten oder örtlichen Polizisten angehalten, einige freundlich, andere weniger; die Männer in den Dörfern, die wir durchfuhren, waren alle bis an die Zähne bewaffnet, und so waren wir froh, als wir endlich in Besham ankamen und einen Platz für unsere völlig übermüdeten Häupter fanden. Der Karakorum-Highway wurde vor mehr als zwanzig Jahren gebaut und viele Menschen verloren ihr Leben dabei. Den letzten Abschnitt zwischen Pakistan und China übernahmen die Chinesen - heute noch kenntlich an den Brückenkonstruktionen mit Steinlöwen an den Seiten. Der Highway folgt dem Indus und brachte uns über Patan, Dasu, Chilas und Bunji nach Gilgit, 1490 m hoch im Karakorum gelegen, der die Wasserscheide zwischen Indus und Tarimbecken bildet. Hinter Dasu hörte die Vegetation auf und wurde durch Felsen, Sand und Hitze ersetzt, eine solche Hitze, dass es unmöglich wurde, sich außerhalb des Autos aufzuhalten, denn im Inneren sorgte die Klimaanlage dafür, dass wir wenigstens nicht geröstet wurden. Und siehe da, inmitten dieser Mondlandschaft leuchtete die Batterie-Warnlampe auf - also entweder ade Aircondition und Kühlschrank und Weiterfahren oder zurück nach Islamabad zur Reparatur und ade Gilgit und Hoher Himalaya. Selbstverständlich entschieden wir uns für ersteres denn gelobt sei, was hart macht - und das brachte uns bei geöffneten Fenstern immerhin Innentemperaturen von 55 °C ein bei einer Außentemperatur von 65° C! Nach sechs Stunden kam der 8128 m hohe schneebedeckte Nanga Parbat in Sicht, ein ganz phantastischer Ausgleich für alles Ungemach und irgendwie hatten wir gehofft, dass es in Gilgit wenigstens nachts ein wenig abkühlen würde - aber weit gefehlt! Doch die Aussicht machte Hitze und Mühsal vergessen: im Umkreis von 100 km sieht man 11 Gipfel von 6 - 7000 m, 6 von 7 - 8000 und acht über 8000 m Höhe! An Gilgit, im Nordosten von Pakistan gelegen, grenzt das chinesische Sinkiang im Norden und Baltistan und Ladakh im Süden. Früher führte hier die berühmte Seidenstraße vorbei und die hier lebenden Völker erhoben entweder hohen Tribut oder raubten die Karawanen aus, was bis vor 50 Jahren noch niemand kontrollieren konnte - heutzutage schon, Gott sei Dank!

In dem Magazin "National Geographic" hatte ich von einem über 100 Jahre alten Mann aus dieser Gegend gelesen und diesen wollten wir nun besuchen. Wir fuhren also am nächsten Tag nach Karimabad, immer den 7788 m hohen Rakaposhi über uns. In Karimabad kennt jeder jeden und den Weg zu Mr. Joonu und seinem Steinhaus fanden wir sehr schnell. Er saß mit anderen alten Männern zu einem gemütlichen Schwätzchen versammelt im Schatten unter einem Baum und da einige von ihnen etwas Englisch sprachen, waren wir bald in angeregter Unterhaltung über das Woher und Wohin. Ich trug eine Art Safarianzug mit vielen Taschen und Schulterklappen, und nachdem Joonu mich nach meinem Beruf gefragt hatte, den ich der Einfachheit halber mit "Geschäfte" angegeben hatte, meinte er: "He could be such a nice Army Officer, but unfortunately he turned out to be a Shop Keeper".

An meinem Geburtstag waren wir auf dem Weg nach Skardu - es sollte ein schwieriges und gefährliches Unternehmen werden. Skardu ist Ausgangspunkt für viele Himalaya Expeditionen, wie z. B. zum "K2" - hier enden wirklich alle Straßen. Bis hierher folgt die Route immer dem lndus, mal neben ihm, mal hoch über ihm. Ein schmaler Pfad, gerade so breit wie ein Wagen, immer von Erdrutschen bedroht und niederschlagende Felsen, die Stücke aus der Erde herausgeschlagen haben - über 100 Menschen haben auf einer Länge von 120 km ihr Leben beim Bau der Trasse gelassen. Der lndus ist hier wild und gefährlich, wer hier hineinfällt, wird in kurzer Zeit völlig zerschlagen - und dann, kurz vor Skardu fließt er plötzlich sanft und friedlich und kann im wahrsten Sinn kein Wässerchen trüben. Eine halbe Stunde hinter Skardu erreichten wir dann den Satpara-See, um dort zu übernachten - jede Nacht wechselt der Luftdruck über einem nahen 4000 m hohen Plateau und bringt nachts kalten Wind. So wurde es mit heißem Tee, einigen Bieren und in der Gesellschaft einiger junger Soldaten eine recht angenehme Geburtstagsfeier. Mit Skardu hatten wir den äußersten Punkt unserer Reise durch Pakistan erreicht und vor uns lag nun der Rückweg am lndus entlang. Die Brücke, auf der wir ihn überqueren wollten, war gesperrt, und als einige Armeefahrzeuge kamen, die auch hinüber wollten, folgten wir ihnen zu einer anderen alten Brücke, aber vor ihr war die Straße auf einer Länge von 15 m ausgewaschen. So fuhren wir nach Kashura und übernachteten im "Shangri La", einer gerade eröffneten Herberge. Dort konnten wir dann endlich über den Fluss und nahmen für einen Soldaten einen Brief nach Rawalpindi zur Post mit - so funktioniert hier die Beförderung!

Nach 9 Stunden hatten wir endlich wieder den Highway erreicht, mit ihm allerdings auch die Hitze. Wir entschlossen uns, trotz der 23 Stunden Fahrt, die uns erwarteten, nach Rawalpindi durchzufahren, um uns etwas Zivilisation und Komfort zugute kommen zu lassen. Um 3 Uhr morgens kamen wir dort an, halb verhungert und völlig erschöpft - das Hotel International war gerade recht, um uns für einige Tage zu erholen.

Unsere nächsten Ziele waren Multan und Quetta, jeweils eine Tagesfahrt. Bis Multan gab es reichlich Vegetation, die jedoch immer weniger wurde, bis es hinter Jacobabad nur noch Sand und Felsen gab - und sterbende Pferde am Straßenrand! Von Quetta hatten wir 2 Tage bis nach Zahedan im Iran veranschlagt, wenn wir zügig fuhren. In den Vororten von Quetta, das wir um 6 Uhr morgens verließen, dachten wir, uns in einem riesigen Schlachterladen zu befinden - der Straßenrand diente als Schlachtbank! Und dann waren wir um 9 Uhr wieder in der Stadt - wir hatten uns verfahren und hatten Quetta einmal umrundet und viel Zeit vertan. Nachmittags um 5 Uhr waren wir dann aber doch in Nok Kundi, aber mitten in unsere Essensvorbereitungen platzten 2 große Jeeps mit 30 schwer bewaffneten Männern, von denen der älteste und größte (ungefähr 2 m!) uns fragte, was wir für unseren Wagen haben wollten. Es brauchte seine Zeit zu erklären, warum wir ihn noch brauchten und ohne ihn gar nicht das Land verlassen konnten - Angst hatten wir nicht zu knapp, aber schließlich verschwanden sie wieder zu unserer unaussprechlichen Erleichterung. Es waren afghanische Freiheitskämpfer, wie man uns sagte!

Die Straße nach Mirjaweh an der pakistanischen Grenze hat die Konsistenz eines Waschbrettes und genervt und gerädert, wie wir waren, hatten wir wenig Verständnis für die Frage eines Grenzbeamten nach pornographischen Photos - mit diesem Artikel konnten wir nun wirklich nicht dienen, was ihn sehr traurig stimmte!

Auf der iranischen Seite brauchte es 3 Stunden bis alle Papiere kontrolliert und jeder Winkel im Wagen untersucht war  und trotzdem konnten wir doch noch 2 Flaschen kalten Bieres retten, die nicht gefunden wurden. Also weiter nach Zahedan. Unterwegs wurden wir noch dreimal angehalten und kontrolliert, schließlich tranken wir das Bier auf nüchternen Magen aus, damit es nicht doch noch gefunden wurde. Den Revolutionsgarden gönnten wir es nun wirklich nicht und es hätte uns nur Ärger eingebracht. Die Flaschen vergruben wir im Sand und in sehr erheitertem Zustand fuhren wir weiter. Immer noch Waschbrettstraße, der Tank leerte sich zusehends und keine Tankstelle weit und breit,  zudem war Treibstoff im Iran rationiert. In Mirjaweh hatte der Zollbeamte gemeint, dass wir in Zahedan Diesel bekommen würden. Dort "sammelte" ein Tankstellenangestellter von anderen Autofahrern für 300 I Coupons für uns, die für die 3 Tage bis Teheran reichen würden. Unterwegs wurden wir oft angehalten und kontrolliert, teilweise von 10 - 14jährigen, die Maschinengewehre umgehängt hatten! Unser Vertrauen in deren Einsicht und Zuverlässigkeit im Umgang mit ihren Mordinstrumenten war äußerst gering, und zu allem Überfluss kamen wir noch in einen Sandsturm, sodass wir froh waren, das ehemalige "Hilton" in Teheran zu erreichen. Der Eingang war mit Sprüchen wie "Nieder mit den Amerikanern" u. ä. verziert, am Empfang wechselten einige völlig schwarz gekleidete Frauen die Windeln ihrer Babies (man erklärte uns, sie wären die Frauen von Märtyrern aus dem iranisch-irakischen Krieg) und für all diesen Komfort mussten wir 70 US-Dollar bezahlen. Trotz Revolution wurde also weiter munter abgezockt!

Roy bekam von einem Freund, den er in Teheran wusste, weitere Diesel-Coupons und wir verließen den Iran auf dem kürzesten Weg - es hätte noch viel gegeben, was wir uns vom alten Persien gern angesehen hätten, aber unsere Sicherheit und unser Leben waren uns lieb und teuer - also nichts als fort!

Nach anderthalb Tagen erreichten wir die türkische Grenze. Mehr als 200 Lastwagen warteten auf ihre Abfertigung - sollten wir uns also hinten anstellen oder gleich frech zum Zollgebäude vorfahren? Wir entschieden uns für die Frechheit, brachten den Papierkram tatsächlich schnell hinter uns und fuhren dann zur eigentlichen Zollkontrolle einen Kilometer weiter. Nun hatte ich für den Fall der Fälle 100 US-Dollar bei mir, die ich nicht angegeben hatte und ich sah, wie der Mann vor mir genauestens untersucht wurde - er musste sogar seine Socken ausziehen - sicher war Rauschgift dafür der Grund, mehr als alles andere. Bei uns zählte man jedoch nur das angegebene Geld, untersuchte den Wagen ein wenig, dann konnten wir hinüberfahren auf die türkische Seite. Auch dort ging alles reibungslos, wir erstanden noch eine Flasche Whisky im Duty free und machten dann, dass wir weiterkamen.

Nun hatten wir den abenteuerlichsten Teil der Reise hinter uns - Asien mit menschenleeren Wüsten und überfüllten Städten, den atemberaubenden Karakorum mit schmalen Pässen und gefährlichen Flussüberquerungen - oft genug mit einem Rad über dem Abgrund. Vor uns lag nun der letzte, vergleichsweise zahme Abschnitt der Fahrt, dorthin kommen öfter Menschen aus Hamburg, Düsseldorf oder München. Unser nächstes Ziel war der Van-See mit dem Ort Tatvan und dem alles überragenden Berg Ararat, Landeplatz von Noahs Arche, 5165 m hoch. In Tatvan war das größte und beste Hotel besetzt und der junge Mann, der sich als Hilfe beim Suchen anbot, machte mir Angebote in einer Richtung, die ich nicht gewillt war anzunehmen - er war homosexuell - und so mussten wir nun allein etwas finden. Nach einiger Zeit ergab sich dann auch ein Plätzchen für unsere müden Häupter - ein zwar sehr schmutziges Plätzchen, denn die Bettwäsche hatte bereits Patina angesetzt - aber wir konnten endlich essen, trinken und schließlich auch schlafen. Wir hatten es uns längst abgewöhnt, wählerisch zu sein. Der nächste Tag brachte uns nach Kayseri und damit zu dem Hotel des Freundes eines Bekannten aus Tokio - die Welt ist klein, wie man sieht! Besuche in Uerguep und Göreme, sicher schon ausreichend bekannt und beschrieben, und dann weiter nach Ankara und schließlich Istanbul, wo wir vier Tage blieben: phantastischer Basar, Blaue Moschee, Topkapi Sarayi (Palast), Hagia Sophia, Dolmabahce Palast, Museum etc. - wir waren wieder in Europa.

Die Fahrt durch Bulgarien und Jugoslawien ging auf den Todesstraßen vonstatten, die von türkischen und jugoslawischen Gastarbeitern in beiden Richtungen völlig überladen und mit Höchstgeschwindigkeit befahren wurden, vielen unter den Lesern sicher wohlbekannt. Und schließlich waren wir in München, kaum zu glauben, dass wir es ohne Unfall, ohne Zollprobleme, ohne Reifenpanne geschafft hatten. Viel Glück ist wahrscheinlich dabei gewesen, aber auch äußerst sorgfältige Planung und die Einbeziehung aller nur denkbaren Eventualitäten. Und es war sicher nicht mein letztes Unternehmen dieser Art, denn als mich zu Hause ein Freund fragte, wann es denn wieder losgehen sollte, meinte ich, er solle mal in 2 Monaten wieder fragen!